PRECIOUS

Der Kampf eines jungen Mädchens um Würde und Anerkennung

Filmplakat - © ProKino
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In den 80er Jahren kämpft ein schwarzes, 16-jähriges Mädchen um ihre Zukunft, nachdem sie von ihren eigenen Eltern missbraucht und verprügelt wurde.

"Precious" ist ein ganz besonderer Film. Jeder von uns kennt das Märchen von Aschenputtel/Cinderella, die nach langen Jahren des Elends ihren Traumprinzen findet und von ihm auf das Traumschloss geführt wird. Auch Precious erlebt in dem Film ein Märchen, allerdings ist der Prinz ihre eigene Freiheit und der gewonnene Kampf um Würde und Achtung.

Mitte der 80er Jahre in New York

Noch Mitte der 80er Jahre war das Leben für die schwarze Bevölkerung in Amerika ein Kampf um Anerkennung in der Gesellschaft. In New York war dies ganz besonders zu spüren. In Slums wie Harlem gab es kaum Zukunftsperspektiven. Auf den Straßen wurde mit Drogen gedealt, Jugendliche lümmelten sich ohne Arbeit herum und Mädchen wurden meist schon früh Mütter von Kindern, die ähnlich wie sie kaum eine Perspektive hatten. Die Lehrer an den Schulen waren restlos überfordert und gaben sich nur in seltenen Fällen Mühe den Schülern etwas beizubringen.

Ein typisches Mädchen aus den Slums

In diese Umgebung wurde Claireece "Precious" Jones hineingeboren und wuchs in Harlem auf. Ihre Mutter (Mo`Nique) denkt nicht ans Arbeiten und lebt von der Wohlfahrt. Regelmäßig misshandelt sie Precious und raubt ihr das letzte bisschen Selbstwertgefühl. Das junge Mädchen ist extrem Übergewichtig und wird von ihrer Mutter regelmäßig gemästet. In der Schule fühlt sie sich nicht wohl und kann kaum lesen und schreiben. Als Precious zum zweiten Mal schwanger ist greift ihre Direktorin ein. Sie schickt das Mädchen in ein Programm für Problemkinder.

Ein Hoffnungsschimmer für Precious

An der neuen Schule trifft Precious auf die ambitionierte Lehrerin Miss Rain (Paula Patton), die sich mit viel Geduld des verschlossenen Mädchen annimmt. Auch die anderen Mitschülerinnen, alles junge Mädchen aus problematischen Verhältnissen, gewinnen nach und nach Precious Vertrauen. Ihre Mutter ist gar nicht begeistert von den neuen Chancen, die sich für ihre Tochter öffnen. Sie will Geld von der Wohlfahrt und schickt das Mädchen gegen ihren Willen dort hin.

Alles kommt ans Tageslicht

In der Einrichtung kommt es für Precious zu einer Begegnung, die ihr ganzes Leben ändern soll. Schnell durchschaut die Sozialarbeiterin Miss Weiss (Mariah Carey) die Beweggründe von Precious Mutter und bewegt das junge Mädchen zum Reden. Das erste Mal öffnet sich das gequälte Mädchen einer Person und gibt ein grausames Schicksal preis. Beide Kinder stammen vom eigenen Vater, der seine Tochter regelmäßig vergewaltigte. Noch weiß Miss Weiss nicht, wie sie dem Mädchen helfen soll, aber sie schenkt ihr Mut.

Outing in der Schule

Der Leidensweg ist noch nicht zu Ende. In der Schule offenbart sich Precious mutig ihrer Lehrerin und den Mitschülern. Kurz darauf setzten die Wehen bei ihr ein und sie bekommt einen kleinen Sohn. Ihr ist von Anfang an klar, dass sie ihn bei sich behalten will. Im Krankenhaus erlebt das Mädchen das erste Mal echte und offene Zuneigung. Nicht nur ihre Klassenkameradinen und Miss Rain stehen ihr bei und ersetzen die fehlende Familie auch ein junger Krankenpfleger (Lenny Kravitz) schenkt ihr neue Hoffnung auf Liebe und Verständnis.

Die Situation eskaliert

Dann bricht für die junge Mutter alles zusammen. Kaum zu Hause angekommen versucht ihre Mutter sie rasend vor Wut und Eifersucht zu verprügeln. Das erste Mal in ihrem Leben wehrt sich Precious und flieht mit ihrem kleinen Sohn auf dem Arm, während die Mutter versucht beide zu töten. Danach ändert sich alles. Mit Hilfe von Miss Weiss und Miss Rain bekommt Precious ihre erste eigene Wohnung und die Chance ihr Leben in die Hand zu nehmen. Alles läuft in immer besseren Bahnen, obwohl das Mädchen weiß, das eine letzte Aussprache mit ihrer Mutter unumgänglich ist...

Gut verfilmte Romanvorlage

Der Film um ein junges, gequältes Mädchen basiert auf dem Roman "Push" von Sapphire. Überall auf der Welt sorgte das Buch für Furore und wurde schnell ein Bestseller. Oprah Winfrey war begeistert von der Geschichte und Produzierte sie gemeinsam mit Lee Daniels (Monster Balls), der für seine ungewöhnlichen und einfühlsamen Verfilmungen bekannt ist. Bewegende und erschütternde Situationen und Bilder zeichnen diesen Film aus. Mit Entsetzen verfolgt der Zuschauer das triste und brutale Leben der jungen Precious, die sich in den grausamsten Momenten in ihre eigene Traumwelt flüchtet. Der dokumentarische Stil der Verfilmung ist durchaus schlüssig und macht den Film zu etwas ganz Besonderem.

Gute schauspielerische Leistungen

Die Schauspielerin und Sängerin Mo`Nique spielt ihre Rolle als brutale, eigensüchtige und herzlose Mutter sehr überzeugend und wurde dafür mit dem "Golden Globe" als beste Nebendarstellerin belohnt. Überrascht werden die Fans von Mariah Carey. Die Diva ist in dem Film in ihrer Rolle als Sozialarbeiterin nicht wieder zu erkennen und spielt überraschend gut. Ungeschminkt und offen präsentiert sich die Sängerin und gibt ihrer Rolle als Sozialarbeiterin eine ganz besondere Note. Lee Daniels ist bekannt dafür, dass er aus seinen Akteuren immer wieder die besten Leistungen holen kann. Auch Lenny Kravitz und Paula Patton glänzen mit ihren Darstellungen.

Ein sehenswerter Film

Fans anspruchsvoller und außergewöhnlichen Filme sollten sich "Precious" auf jeden Fall anschauen. Für Jugendliche bis zum 16 Lebensjahr ist er allerdings eher nicht geeignet, weil die Geschichte sehr komplex ist und das Thema in dieser Altersgruppe nicht ohne entsprechenden pädagogischen Beistand behandelt werden sollte.

Am 11. März 2010 startet der Film in den deutschen Kinos.