
- Lüfterdüse des Rolls Royce Ghost - Rolls-Royce Motor Cars Limited
Auch wenn der Fokus der Öffentlichkeit derzeit eher auf spritsparende Kleinwagen gerichtet ist, wird gerade in der Luxusklasse verstärkt investiert, um Geld zu verdienen. BMW verkauft mehr Rolls-Royce Phantom, als die Daimler AG vom Maybach. Der Volkswagen-Konzern profitiert ganz erheblich davon, dass der VW Phaeton die technische Basis für die Reihe des Bentley Continental bildet: Viertürer Continental Flying Spur, Coupé GT und Cabriolet GTC sind im Preissegement oberhalb 180.000 Euro angesiedelt und verkaufen sich gut. Deren Kunden bekommen mit dem neuen Rolls-Royce Ghost allerdings nun eine mit rund 250.000 Euro noch etwas teurere, aber auch imageträchtigere Alternative geboten. Mercedes-Benz hat zu diesem Thema nichts zu sagen.
Der Rolls-Royce Ghost und seine Technik
Die neue Luxuslimousine teilt sich die technische Basis mit dem neuen, im Jahr 2008 präsentierten 7er BMW. Sie ist 5,40 Meter lang und hat einen Radstand von 3,29 Metern. Der Ghost wird mit einem neu entwickelten 6,6-Liter-Zwölfzylindermotor ausgestattet, der die 2.435 Kilogramm Leergewicht mittels eines Drehmoments von 780 Newtonmeter in 4,9 Sekunden auf 100 Kilometer beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 Kilometern pro Stunde abgeriegelt.
Der V12 erfüllt die Euro 5-Norm und verbraucht nach Werksangabe 13,6 Liter Super plus auf 100 Kilometer. Das Tankvolumen beläuft sich auf 82,5 Liter. Wie beim neuen BMW 5er GT, so kommt auch beim heckangetriebenen Rolls-Royce Ghost eine neue Achtgangautomatik von ZF zum Einsatz. Der Ghost wird serienmäßig mit 19-Zoll-Rädern und Reifen der Dimension 255/50 und gegen Aufpreis mit 20-Zoll-Alufelgen und 285er-Bereifung ausgeliefert.
Ausstattungsdetails des Rolls-Royce Ghost
Die beeindruckend schnörkellos gestaltete, repräsentative, aber nicht sportlich auftretende Luxuslimousine ist durch ihr Leistungsvermögen souverän zu fahren und mehr Selbstfahrerauto, als ihr großer und 340.000 Euro teurer Bruder Phantom. Mit diesem gemeinsam hat der Rolls-Royce Ghost die Zweifarbenlackierung und den Windschutzscheibenrahmen aus gebürstetem Aluminium. Die gegenläufig angeschlagenen Hecktüren dürften sich als Designmerkmal des Rolls-Royce Ghost in den Köpfen der Fans festsetzen. Am elegant gestylten Hinterteil fallen die nahezu armdicke Chromleiste und die in den Stoßfänger integrierten, trapezförmigen Abgasrohrendstücke ins Auge. Der Kofferraum fasst 490 Liter.
Im Fond sind Einzelsitze eingebaut. Eine Vier-Zonen-Klimaanlage kennt die verwöhnte Kundschaft auch aus dem VW Phaeton. Eine Bordbar gibt es gegen Aufpreis. Das 600 Watt starke Zehn-Kanal-Soundsystem hat 16 Lautsprecher. Wie von BMW nicht anders zu erwarten, bietet der Rolls-Royce Ghost eine adaptive Geschwindigkeitskontrolle mit einer den Anlasser verschleißenden Start-Stopp-Funktion, eine Nachtsichtanlage, deren Kamera Hindernisse im Dunkeln erkennt, das bei BMW übliche Head-up-Display (Datenanzeige in der Windschutzscheibe und damit im Sichtfeld des Fahrers) und eine adaptive Luftfederung.
Das Interieur toppt alles, was an Luxus auf dem Automarkt erhältlich ist
Eine Nominierung für eine Auszeichnung für das schönste Armaturenbrett der Welt dürfte dem neuen Rolls-Royce Ghost sicher sein. Nirgends sonst findet der Autofan so teure Hölzer im Überfluss; nirgends sonst sind die Schalter so edel, die Materialien der Lüfterdüsen so hochwertig, die Anmutung des Interieurs so nach Fünf-Sterne-Superior-Hotel ausgewählt, wie bei Rolls-Royce und dem Ghost.
Ganze zwanzig Tage dauert es nach Angaben von Rolls-Royce, bis ein neuer Ghost seine 2.000 zur Herstellung nötigen Arbeitsschritte überstanden hat und auf die Straße entlassen wird. Auf dieser wird er wie der Bentley Mulsanne, der Kollege Rolls-Royce Phantom und der Maybach ein Exot bleiben, aber für den nach wie vor wachsenden Markt der Luxusautomobile sich vor allen Dingen in den Zeiten nach der Finanzkrise und natürlich in den Scheichtümern gut verkaufen.
Der Rolls Royce Ghost und der Rückstand von Mercedes-Benz
Angesichts dieses Autos wird deutlich, wie gross der Rückstand von Mercedes-Benz im umsatz- und renditestarken Luxussegment ist, denn die Lücke zwischen S-Klasse und Maybach ist zu groß. Kunden, die den Bentley Continental kaufen und rund 200.000 Euro ausgeben, werden in Stuttgart so gut wie nicht bedient – von einigen Spitzenversionen der S-Klasse W221 und ihrer Coupés und AMG-Ableger einmal abgesehen. Und eine neue Konkurrenz erwächst nicht nur durch den Rolls-Royce Ghost, sondern auch durch den Porsche Panamera.
Eine eigenständige Modellreihe zwischen dem W221 und dem Maybach gibt es nicht; eine solche könnte jedoch auf der S-Klasse aufbauen und mit der Optik der Studie Concept Ocean Drive als Cabriolet und Limousine diese Lücke schließen. Eine Spätfolge der Konzentration auf die Probleme mit DaimlerChrysler und Smart, dass Mercedes-Benz ihr Heimatsegment derart vernachlässigt? Ganz gleich, ob ja oder nein: Nach Volkswagen mit Phaeton und Bentley Continental zeigt nun auch Rolls-Royce mit dem neuen Ghost, dass das Plattformkonzept auch in der Luxusklasse vom BMW Einzug hält.
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