
- Schauspieler Ulrich Tukur - Yvette Balcano
Viele Filmbegeisterte sprechen mit einem unüberhörbaren Unterton des Bedauerns davon, dass nur ein Zehntel der Filme, die die Berlinale zeigt, wirklich zu schaffen, will heißen anzusehen sind. Alle Vorführungen zu besuchen klappt oft auch deshalb nicht, weil viele Filme natürlich parallel laufen und der Fan allein schon daher gezwungen ist, sich für ein bestimmtes Programm zu entscheiden. Intendant Dieter Kosslick durfte aber auch im Jahr 2009 auf ein hochkarätiges Angebot an Werken renommierter Filmemacher zurückblicken.
Florian Gallenberger stellte das Kriegsdrama "John Rabe" vor
Der deutsche Kaufmann John Rabe gilt als der Oscar Schindler von China. Im Jahr 1937 überfällt die japanische Armee das Reich der Mitte. Die Soldaten gehen mit enormer Brutalität gegen die Zivilbevölkerung der damaligen Hauptstadt Nanking vor. Unter der Führung des Deutschen John Rabe sorgt eine Gruppe von internationalen Geschäftsleuten, Ärzten und Missionaren für die Einrichtung einer Schutzzone für Zivilisten, um die Japaner von einer Bombardierung abzuhalten. Rabe rettet somit unter größter Gefahr für sein eigenes Leben 295.000 Menschen, die Dank seiner Hilfe das Massaker von Nanking überleben: Das erstmalige Aufspannen einer Hakenkreuzfahne erweist sich dabei als rettende Idee, denn die Japaner waren damals Verbündete des an Macht zunehmenden Nazideutschlands.
Regisseur Florian Gallenberger ("Schatten der Zeit", 2005, gezeigt im Berlinale Special) gewann 2001 einen Oscar für seinen Kurzfilm "Quiero Ser". Zum Cast von "John Rabe" gehörten Ulrich Tukur ("Das Leben der Anderen", mit Ulrich Mühe), Dagmar Manzel, Daniel Brühl und Steve Buscemi.
"Wagah" von Supriyo Sen gewinnt den Berlin Today Award 2009
Der Intendant der 59. Internationalen Filmfestspiele, Dieter Kosslick, eröffnete gemeinsam mit Matthijs Wouter Knol am Samstagabend, den 07. Februar vor etwa 600 geladenen Gästen den Berlinale Talent Campus 2009. Matthijs Wouter Knol ist der Programmleiter des Campus. Bis zum 12. Februar werden circa 350 Talente aus 106 Ländern im Theater Hebbel am Ufer Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit internationalen Experten haben. Dass das Networking untereinander auch obenan steht, ist dabei selbstverständlich. Die Gäste wurden von Drehbuchautor Sir David Hare ("Der Vorleser") sowie Regisseurin und Drehbuchschreiberin Daniela Thomas ("O Primeiro Dia") begrüßt. Höhepunkt des Abends: Die Weltpremiere von fünf für den Berlin Today Award 2009 nominierten Kurzfilme.
Am Sonntagabend dann, dem 07. Februar 2009, wurde der Berlin Today Award 2009 im Rahmen des "Dine & Shine Talents Rendevouz with Berlinale Guests" von Festivaldirektor Dieter Kosslick sowie den Jurymitgliedern Wim Wenders, Andreas Dresen, Emily Atef und Kirsten Niehuus (Geschäfsführerin Medienboard Berlin Brandenburg) verliehen. Supriyo Sen aus Indien erhielt den Award für seinen Kurzfilm "Wagah". Der Film erzählt von einem außergewöhnlichen, allabendlichen Ritual, zu dem sich tausende Zuschauer versammeln, die eine Parade zu einer rituellen Grenzschließung zu feiern. Wim Wenders erklärte in seiner Laudatio, dass der Film ein überzeugendes Manifest gegen jede Mauer sei, die Menschen voneinander trennt.
Eine Neuigkeit am Rande der Berlinale: "Jerry Cotton" kehrt zurück
Der Held aus unzähligen Groschenheftchen kommt 2009 auf die Leinwand. Die Münchener Ratpack Filmproduktion von Christian Becker und Anita Schneider verfilmt ein aufwändiges Kinospektaktel mit Christian Tramitz und Manou Lubowski auf der Grundlage der in den 50er Jahren erfolgreichen Reihe aus dem Bastei-Verlag. 2007 ist der 2.600ste Roman dieses Titels erschienen. 850 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft, in 14 Sprachen übersetzt und in 50 Ländern gelesen. Eine gute Grundlage also für den Krimi mit Augenzwinkern, zu einem großen Erfolg zu werden. Regie bei "Jerry Cotton" führen Cyrill Boss und Philipp Stennert. Den Verleih führt die Constantin Film durch. Schauspieler Manou Lubowski hat mit Christian Becker schon bei dem Zweiteiler "Das Jesus Video" (ProSieben) zusammengearbeitet.
