Um als Freelancer arbeiten zu können, benötigt ein Journalist den heißbegehrten Presseausweis. Neben der Autorisierung als Mitarbeiter der Presse bietet er viele Annehmlichkeiten, die auch Otto Normalverbraucher gerne für sich in Anspruch nehmen würden.
Presseausweis als Prestigeobjekt
Die Probleme fangen nicht erst bei der Vergabe des Presseausweises an. Das Hauptproblem liegt an der Wurzel selber. Journalist ist keine anerkannte, vom Gesetzgeber geschütze Berufsbezeichnung. Jeder, der sich eine Block und Kugelschreiber besorgt oder eine Kamera in der Hand hält, darf sich Journalist nennen. Einzig den Status Redakteur erwirbt man nur durch ein vorheriges Volontariat. Um als Freelancer arbeiten zu können braucht man einen Presseausweis, vor allem öffentliche Stellen achten auf einen gültigen Ausweis. Ohne Presseausweis kommt man etwa nicht in den Bundestag oder bayrischen Landtag, wenn man über wichtige Ereignisse dort berichten möchte. Auch die anderen Landesregierungen sind sehr genau: Ohne Presseausweis keine Akkreditierung.
Vorteile des Presseausweises
Ein Presseausweis hat aber auch noch andere Vorteile. Es gibt Rabatte auf den Autokauf, bei Mobilfunkanbietern, die Bahncard gibts günstiger und man kann damit auch noch kräftig angeben. Wer ernsthaft im Journalismus arbeitet, weiß, dass es in Deutschland nur zwei wirklich anerkannte Presseausweise gibt. Der DJV/BJV und die Gewerkschaft IGMedien geben jedes Jahr einen neuen Presseausweis heraus, den man beantragen muss. Voraussetzung ist, dass man mit dem Journalismus sein Geld verdient und regelmäßige Publikationen in anerkannten Medien vorweisen kann. Betreiber von Homepages haben also keine Chance auf einen Presseausweis.
Presseverbände
Gerade bei den Betreibern von Websites und Hobbyjournalisten sind Presseausweise heißbegehrt. Beim DJV/BJV und IGMedien haben sie keine Chance einen zu erhalten. Zu streng die Aufnahmekriterien. Aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten. Entweder man ist mit dem Betreiber eines Szenemagazins befreundet. Man bietet an zwischendurch ein paar Fotos abzudrücken und bekommt dafür einen Presseausweis (Fall der Autorin bekannt). Das ist aber noch nicht alles. Für Geld kann man bekanntlich alles kaufen. Inzwischen gibt es sogenannte Presseverbände, die eigene Ausweise ausstellen. Sie werden an dieser Stelle nicht genannt, da sie recht klagefreudig sind, wenn man gegen sie schreibt. Oft wird man schon Mitglied, wenn man ein, zweimal für eine Schülerzeitung geschrieben hat.
Fragwürdige Werbung für Presseausweise
Die Werbung ist oft einschlägig und einfach. Da wirbt ein Anbieter von Presseausweisen mit folgenden Worten: "Besondere Privilegien nutzen. Beantragen Sie jetzt Ihre Zulassung als Journalist!" oder "Sonderrechte. Bevorzugter Status. Extra-Privilegien. Vorteile nutzen ..." Keine Rede von Erleichterung der Arbeit! Hier wird damit geworben, dass man viele Leistungen erhält, die ein Otto Normalverbraucher nicht erhält. Oft bringen diese Presseausweise gar nichts. Unter Androhungen von Klagen zwingen die Betreiber die entsprechenden Firmen die Rabatte auch ihren Kunden zu gewähren. Die Fluggesellschaften, Pressesprecher, PR-Firmen haben oft keine Lust sich damit auseinander zu setzen und geben klein bei. Der Streß ist ihnen einfach zu groß. Ähnlich ist es bei Akkreditierungen.
Schlechter Ruf für Journalisten
Vor diesem Hintergrund wundert es keinen mehr, dass der Ruf der Journalisten immer schlechter wird. Schmarotzern auf dem Markt wird Tür und Tor geöffnet. An den Buffets wirds eng, der "Rote Teppich" ist überlaufen und auf den Veranstaltungen treten unqualifizierte Menschen auf, die sich oft richtig peinlich benehmen.
Nur der Gesetzgeber kann eingreifen
Es gibt nur eine Möglichkeit: Der Gesetzgeber muss den Beruf des Journalisten endlich schützen. Die jahrelange Ausbildung "echter Journalisten" muss endlich anerkannt werden! Die Vergabe von Presseausweisen darf nur anerkannten Verbänden gestattet werden. Die Schmarotzer, die nie auch nur ein Wort publiziert haben, dürfen nicht noch unterstützt werden. Das gelingt allerdings nur, wenn das Konkurrenzdenken untereinander ein Ende hat. Wenn Journalisten, Redakteure sich einig sind können sie erreichen, dass ihr Beruf endlich die Achtung erhält, die sie verdient haben. Die Hobbyjournalisten werden in ihre Schranken verwiesen und die Reihen lichten sich.
