Priesterhäuser in Zwickau - Zeugen mittelalterlicher Bautätigkeit

Priesterhäuse am Domhof - Jonny Michel
Priesterhäuse am Domhof - Jonny Michel
Die Robert-Schumann-Stadt Zwickau blickt auf eine interessante Entwicklung seit dem 12. Jahrhundert zurück. Urkundlich erstmals 1118 erwähnt.

Es war der 1. Mai 1118, als Bischof Dietrichs I. von Naumburg im Kloster Bosau bei Zeitz in einer Urkunde die von Sorben bewohnte Gegend um das heutige Gebiet Zwickau in Westsachsen als "Territorio Zcwickaw" erwähnte. Dort weihte er eine Marienkirche. Rund 150 Jahre mussten aber noch vergehen, bevor die eigentliche Entwicklung einer Stadt im beschriebenen Territorium begann. Erst 1348 erhielt der Ort sein Stadtrecht. Auf der Grundlage des "Sachsenspiegels", dem aus dem 13. Jahrhundert gültigen Gesetzeswerk, wurden die Rechte und Pflichten der Bürger geregelt. Es entstanden die ersten Handwerkerinnungen mit ihren jeweiligen Ordnungen.

Zurück ins 13. Jahrhundert

Rund um den romanischen Vorgängerbau der Marienkirche, dem heutigen Zwickauer Dom, begann sich langsam ein städtisches Leben zu entwickeln. Umfangreiche Ausgrabungen belegen dies. Auf dem Domhofe begann die Bautätigkeit. Anleitung dazu lieferte auch hier der "Sachsenspiegel", der um 1230 entstand und in dem es heißt: "Man darf bauen ohne seine (des Landrichters) Erlaubnis mit Holz oder mit Stein drei Stockwerke übereinander, eines in der Erde die anderen zwei darüber sofern man eine Tür hat im unteren Gemach in Kniehöhe über der Erde." Eigentlich war sich die Wissenschaft noch vor 15 Jahren darüber einig, dass diese Häuser erst Anfang des 16. Jahrhundert gebaut wurden. Tatsächlich existiert ein Ratsprotokoll aus dem Jahr 1521, in dem von vier zweigeschossigen "Pristerhewser" erstmals geschrieben steht.

Archäologische und bauarchäologische Forschungen und die Einbeziehung naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden, vor rund 15 Jahren begonnen, führten jedoch zu anderen, für die Stadt Zwickau sensationellen Ergebnissen. Das Haus Domhof 7 wird als Ausgangspunkt der heute noch erhaltenen Bebauung angesehen. Die Wissenschaftler datieren dessen Entstehung in das Jahr 1264. Davon zeugt ein Deckenbalken über dem Erdgeschoss. Damit zählt es zum ältesten noch erhaltenen Wohnhaus in Zwickau. Die Bausubstanz aus jener Zeit ist nahezu erhalten geblieben.

Auf dem Domhof wird weiter gebaut

Im Jahr 1385, Zwickau hatte sein Stadtrecht längst erhalten, wurde die Bautätigkeit mit der Errichtung des Hauses Domhof 6 fortgesetzt. Es folgte dann die Errichtung des Hauses Domhof 5. Bei den beiden zweistöckigen Gebäuden weisen jeweils die Deckenbalken im Erdgeschoss auf diese Datierung hin. Viel später, im Jahr 1466, vollendeten die Handwerker das Haus Domhof 8. Dieses Datum lässt sich an Hand der Dachkonstruktion nachweisen. Im 17. bis zum 19. Jahrhundert kam es zu kleineren baulichen Veränderungen. Die Forscher weisen aber darauf hin, dass diese das Gesamterscheinungsbild der Priesterhäuser von Zwickau nur unwesentlich beeinflussen. Insgesamt sollen laut Wissenschaftler 12 Priesterhäuser existiert haben.

Sächsische Baudenkmale deutschlandweit einmalig

Die Forscher sind sich einig: Die Priesterhäuser zählen nachweislich zu den ältesten erhaltenen Wohnkomplexen in Deutschland. Vor allem die für jene Zeit typischen steilen Satteldächer, die original erhaltenen Raumaufteilungen und generell die spätmittelalterliche äußere Baugestalt sind nahezu einmalig in Deutschland. Gerade die verschiedenen Ausführungen der Dachkonstruktionen zeigen die Entwicklung des Handwerks sehr deutlich. Wurde das Haus Domhof 5 noch in der seltenen Kehlbalkenbauweise durch kreuzweise verstrebtes Sparrenpaar errichtet, stellt das Dachwerk des Hauses Domhof 8 eine hochentwickelte Konstruktion dar. Aber auch die zeittypischen Raumabfolgen, wie Keller, Kammern, Stuben bis hin zu den "schwarzen Küchen" zeugen zusammen mit den Treppenhäusern von ausgereifter mittelalterlicher Baukunst. Dabei erfährt der Besucher viel über die Wohn- und Lebensbedingungen der damaligen Bewohner.

Wer wohnte in den Priesterhäusern?

Der katholische Glaube verbreitete sich im Mittelalter sehr schnell. Für die Kirchen bedeutete dies mehr "Personal". Damit wurde der Bau von Wohnraum für die Angehörigen der niederen Weltgeistlichkeit notwendig. Vorwiegend als fromme Stiftungen errichtet, boten die Priesterhäuser vor der Reformation Pfarrern, Priestern, Predigern und Altaristen ein Dach über den Kopf. Nach der Reformation zogen dann Bedienstete des Schulwesens, Superintendenten, Pfarrer, Organisten, Kantoren, Glöckner, Kirchenknechte und Schulmeister ein. Somit erhielten die Priesterhäuser im 16. Jahrhundert auch Namen wie: Organisten-Haus, Glöckner- oder Kirchenknechtshaus, Conrektorats-Haus und Spitalprediger-Haus. Letzteres, der Domhof 8 nannte sich seit 1635 Tertiat-Haus.

Da sich Zwickau schon im Mittelalter zu einem Zentrum des geistigen und kulturellen Lebens entwickelte, siedelten sich, mehr oder weniger dauerhaft, Persönlichkeiten an, die schnell über die Stadtgrenzen von Zwickau bekannt wurden. Beispielsweise wohnte im Domhof 5 der Organist Johann Ludwig Krebs von 1737 bis 1744. Er war der bedeutendste Schüler von Johann Sebastian Bach. Paul Rebhuhn, der erste deutschsprachige Dramen verfasste, lebte 1535 im Domhof 7 und arbeitete als Konrektor an der Zwickauer Lateinschule. Nicht zu vergessen Tobias Schmidt, der von 1633 bis 1642 Bewohner des Hauses Domhof 7 war. Er verfasste die "Chronica Cygnea", eine der wichtigsten Stadtchroniken, die 1656 erschien. Natürlich vermuten die Forscher auch, dass Georgius Agricola, der Begründer der modernen Bergbaukunde, Lehrer an der Zwickauer Griechisch- und Lateinschule sowie Thomas Müntzer, 1520 Prediger an der Zwickauer Marienkirche, während ihrer Zwickauer Zeit ebenfalls in den Priesterhäusern wohnten. Allerdings wird darüber noch geforscht, ob diese Vermutung bestand haben könnte.

Das Museum "Priesterhäuser" Zwickau

Die Priesterhäuser beherbergen das Museum für Stadt- und Kulturgeschichte. Schwerpunkt bilden das 15. und 16. Jahrhundert. Im neuen Anbau können sich die Besucher vor allem über die Handwerks- und Industriegeschichte Zwickaus und Umgebung informieren. Ein Film informiert beispielsweise eindrucksvoll von der Entwicklung der Stadt zu einem bedeutenden Zentrum der Wissenschaft und des Bergbaus. Hier finden auch Sonderausstellungen statt. Leider ist das Fotografieren für Besucher streng verboten. Journalisten müssen sich vorher bei der Museumsleitung anmelden.

Öffnungszeiten: Diensttag bis Sonntag 13.00 - 18.00 Uhr, Montag geschlossen.

Quellen:

Jonny Michel, privat

Jonny Michel - Im vorigen Jahrhundert, 1951, in Chemnitz geboren, hatte ich kurz danach meinen ersten Umzug zu bewältigen - ich zog nach ...

rss