Ohne Zweifel scheint sich der Mega-Discounter Primark neben dem FC Schalke 04 zum zweiten Höhepunkt der Ruhrpott-Metropole Gelsenkirchen entwickelt zu haben. Schon bei der Eröffnung stürmten die Menschen in Massen in das dreistöckige Gebäude, sodass man froh über die drei Aufzüge war. Tatsächlich erstreckt sich Primark über drei Etagen und scheint für jeden etwas anbieten zu können. Auf den ersten Blick eine gute Sache, bei genaueren Beobachtungen aber lässt sich feststellen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.
Unaufgeräumtes Kinderzimmer
Monate nach der Eröffnung geht es vor allem an Wochenenden und Feiertagen nach wie vor zu wie auf einem Basar. Wer den "richtigen" Tag erwischt, der muss erschrocken feststellen, wie schnell sich ein eigentlich sauberer Laden in ein gigantisches, unaufgeräumtes Kinderzimmer verwandelt. Das Personal scheint den Aufgaben entweder nicht gewachsen zu sein, oder man legt es gar nicht darauf an, dass alles seine Ordnung hat. Vor allem Letzteres lässt sich vermuten, da offenbar so ziemlich zu jeder Zeit ausreichend Mitarbeiter vorhanden sind. Beim letzten Besuch bot sich dann wirklich ein Bild, dass selbst für tolerante Käufer abschreckend wirkte. Hosen, Shirts, Kleider - alles lag auf dem Boden, zwischen den Ständern, teilweise in Haufen von den Regalen gerissen. So ein Anblick bot sich in einem deutschen Großgeschäft noch nie. Immer wieder streunten Mitarbeiter an den Gängen vorbei, mit einer Gestik, die symbolisierte, dass sie für "diesen" Abschnitt nicht zuständig seien.
Viele Mitarbeiter, wenig Zuordnung
So entwickelte sich schnell der Eindruck, dass zwar ausreichend Mitarbeiter unterwegs seien, aber keiner wirklich eine Zugehörigkeit zu einer Abteilung besaß. Immer wieder hörte man Durchsagen wie "Ein Abteilungsmanager bitte zu Kasse Zwei", die schon fast wie ein Hilferuf klangen. Die Ordnung und die Organisation wirkte zumindest für Außenstehende wie eine große Katastrophe. An Sicherheitsdiensten und Ladendetektiven, die den Laden bewachten als sei es die Staatsbank, wurde nicht gespart. Vielleicht ist das in einem Ort wie Gelsenkirchen aber auch besser so. Und es war laut. Gut, dafür konnte Primark selbst nichts, aber es trug nicht dazu bei, dass man sich wohler fühlte. Es wurde über mehrere Klamottenständer hin und her gerufen, die eigentlich gut designten Primarktaschen, wie riesige Alditüten missbraucht. Primark zeigte sein wahres Gesicht.
Wunderbares Kassensystem
Aber es war nicht alles schlecht. Einen großen Pluspunkt gab es für das schnelle und gut organisierte Kassensystem. Insgesamt 16 Kassen waren fast alle zeitgleich geöffnet und ein Informationssystem rief den nächsten Kunden zu der jeweiligen Kasse, die gerade frei geworden war. Das hatte den Effekt, dass eine Riesenschlange, die so wirkte, als stünde der Kunde ewig an, innerhalb weniger Minuten vorwärts kam und die Kunden regelrecht abgefertigt werden konnten. Für diese, anscheinend einkalkulierte Kundenschlange existierte sogar ein eigener Gang, der parallel zu den Kassen, die anstehenden Kunden vom Rest des Ladens trennte, so dass niemand im Weg stand. Da machte es dann auch nichts mehr aus, dass die Kassen lediglich im zweiten Stock vorzufinden waren.
Ewiges Warten bei den versteckten Kabinen
Anders verhielt es sich zum Beispiel bei der Möglichkeit, die Waren anzuprobieren. Da Überfüllung bei Primark scheinbar ein Dauerzustand ist, mochte man annehmen, dass genau wie bei den Kassen auch ausreichend Kabinen vorhanden wären. Aber das war nicht der Fall. Im Gegenteil. Bei all dem Chaos und Durcheinander fiel es schwer, überhaupt die Anprobe zu finden. Die Schlangen wirkten hier, zugegeben nur bei der weiblichen Prozentzahl an Primark-Kunden, noch länger. Hier gab es aber keine 16 Kabinen. Die Kunden und Kundinnen standen hier wirklich 20 bis 30 Minuten oder länger an. Noch dazu wurde ganz genau kontrolliert, wer welche Ware mit in die Kabinen nehmen durfte. Die Möglichkeit, die Primarktaschen vollzustopfen hatte man, in die Kabinen durften aber nur vier bis fünf Teile mitgenommen werden.
Fazit: Primark dürfte das Kundentum spalten. Günstige Preise und eine große Auswahl können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier wenig Wert auf Ordnung und Sauberkeit gelegt wird und das Personal unorganisiert wirkt.
