Privat oder gesetzlich versichern?

Voraussetzungen und Leistungsvergleich der Krankenversicherung

Krankenwagen - p.kleudgen
Krankenwagen - p.kleudgen
Wer kann sich privat versichern? Sind die Leistungen besser? Antwort auf diese und andere Fagen zum Thema Leistungen werden hier geboten.

Die Privatversicherung ist für viele Personen ein Wunschtraum, den sie sich gerne erfüllen würden. Im Volksmund wird erzählt, dass Privatpatienten besser behandelt werden als Kassenpatienten, dass die Beiträge niedriger sind oder dass die Versorgung den Ärzten höher vergütet wird. Diese Ansichten können zum Teil korrekt sein, sind es in der Regel jedoch nicht. Hier sind die wichtigsten Fakten über die Leistungen der privaten Krankenversicherung:

Voraussetzungen für eine Privatversicherung

Grundsätzlich hat nur ein bestimmter Personenkreis das Recht, sich privat zu versichern. Bei Arbeitnehmern beispielsweise,ist ein bestimmtes Jahreseinkommen maßgeblich. Jeweils in den letzten drei Jahren darf ein bestimmtes Einkommen (brutto) nicht unterschritten werden:

2006: 47.250 Euro

2007: 47.700 Euro

2008: 48.150 Euro

Ist diese Voraussetzung erfüllt, kann sich die Person entscheiden, in eine Privatversicherung zu wechseln oder sich freiwillig gesetzlich zu versichern.

Einen grundsätzlichen Anspruch auf freiwillige Versicherung oder Privatversicherung haben beihilfeberechtigte Personen sowie Selbstständige und Freiberufler, ohne Rücksicht auf die Einkommenshöhe. Auch für Studenten ohne Anspruch auf eine Familienversicherung ist eine Privatversicherung möglich.

Leistungen im Vergleich zum gesetzlichen System

Die Leistungen der Privatversicherung können von Anbieter zu Anbieter sehr stark variieren. Sie sind auch in keinem Fall zu hundert Prozent mit denen einer gesetzlichen Krankenversicherung identisch. Liegt bei Abschluss der Privatversicherung bereits eine Erkrankung vor oder gab es Probleme in der Vergangenheit, so drohen Leistungseinschränkungen oder gar Ausschlüsse. Für die jeweilige Diagnose wird dann nur wenig oder gar nicht gezahlt im Krankheitsfall.

Ebenso ist zu beachten, dass verschiedene Tarife angeboten werden und nicht alle das gleiche Risiko abdecken. So muss der Interessent selbst entscheiden welche Leistungen er abdeckt und auf welche Behandlungen er verzichten kann. Hier ergibt sich das Problem, dass durchaus einige Bereiche besser abgedeckt werden als in der gesetzlichen jedoch einige Bereiche gar nicht oder nur unzureichend. Die private Krankenversicherung hat beispielsweise keine oder nur sehr geringe Leistungen der Psychotherapie. Wer also auf eine solche angewiesen ist, steht oft als Kassenpatient besser da.

Auch im Feld der Vorsorge kann die Private häufig nicht mithalten. Während gesetzliche Versicherungen Kurse bezuschussen, eigene Programme anbieten oder Kosten für eine Kur übernehmen sucht man solche Leistungen im Privattarif oft vergeblich. Sollten doch Vorsorgeleistungen enthalten sein, so stehen sie in den meisten Fällen der gesetzlichen Krankenversicherung stark nach.

Für Versicherte mit Kindern sind die Leistungen ebenfalls eingeschränkt. Die gesetzlichen Kassen bieten sogenanntes „Kinderpflege-Krankengeld“ an. Hier bekommen Mutter oder Vater für den Arbeitsausfall durch Pflege ihres erkrankten Kindes einen Großteil des Verdienstes ersetzt. Eine ähnliche Leistung hält die private Krankenversicherung überhaupt nicht bereit.

Vergütung der Ärzte

Es heißt oft, dass private Tarife selbst die Behandlung durch teure Spezialisten zahlen. Grundsätzlich dürfen die privaten Anbieter Leistungen in unbegrenzter Höhe vergüten, jedoch beinhalten viele Verträge eine Begrenzung. So sollte man schon beim Abschluss darauf achten, dass eine ausreichend hohe Obergrenze gesetzt ist, um nicht später auf Kosten sitzen zu bleiben.

In der gesetzlichen Versicherung besteht dieses Problem nicht, da die Ärzte direkt einen vereinbarten Satz mit den Kassen abrechnen oder im Vorhinein eine Kostenübernahmeerklärung durch die Krankenkasse notwendig ist.

So sollte sich jeder also vor einem Wechsel in die Privatversicherung gründlich informieren und überlegen, ob sich ein Wechsel tatsächlich lohnt.

(älteres) Bild von Philip Kleudgen, Philip Kleudgen

Philip Kleudgen - Philip Kleudgen ist ausgebildeter Sozialversicherungsfachangestellter (Krankenversicherung) und arbeitet auch als Kundenberater in diesem ...

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