Ein Bär, der Zigaretten fressen muss und Bier trinken – das klingt alles sehr nach der Misshandlung eines Wildtieres. Dass es in diesem speziellen Fall doch etwas anders gelegen ist, erzählt diese Geschichte aus dem 2. Weltkrieg. Die Geschichte des Maskottchens der 22. Transportdivision des polnischen Armeekorps, das im Nahen Osten und Italien für die britische Armee kämpfte. Wojtek oder auch Voytek geschrieben, hieß der syrische Braunbär, den die Armee als „Private Wojtek“ als einen der ihren aufnahm.

Wie Wojtek zur Armee „eingezogen“ wurde

1942 hatte ein Bub im iranischen Hamadan einen kleinen syrischen Braunbären gefunden und ihn den dort stationierten Soldaten der polnischen Armee im Gegenzug für ein paar Fleischdosen überlassen. Der Bär konnte noch nicht richtig schlucken und wurde von den Soldaten daher zunächst mit Milch, Obst- und Gemüsebrei aus einer leeren Wodka-Flasche gefüttert. Mit der Zeit - und den Usancen in der Armee eher entsprechend - wurde Bier sein Lieblingsgetränk.

Wojtek und das Leben im Regiment: der Wert des Bären für die Soldaten

Der vollkommen handzahme Bär lebte mitten unter den Soldaten im Lager, schlief in Zelten oder in einer für ihn gefertigten Holzkiste, in der man ihn auch transportierte. Als das Alliiertenkommando bei der Überstellung nach Rom den Befehl heraus gab, dass Tiere nicht mitkommen dürften, wurde der Bär ganz einfach als normaler Soldat „Private Wojtek“ aufgelistet und so mit genommen.

„Private Wojtek“, so der Spitzname des alsbald 1,80 Meter großen und 220 Kilogramm schweren Tiers, war für die Soldaten nicht nur eine Transporthilfe, sondern vor allem die Flucht aus dem Kriegsalltag. Er raufte mit den Soldaten, lieferte durch seine Streiche Unterhaltung und Abwechslung. “Es war eindeutig, dass diese enge Freundschaft mit ihm sowohl Unterhaltung und Lachen in die Truppe brachte. Man konnte etwas lieben und er gab diese Liebe zurück.“

Originalbericht eines ehemaligen Kameraden

Karol Zenwirt wurde in Krakau geboren, diente als Offiziersanwärter im gleichen Regiment und erzählt:.

„Wojtek war noch ein verspieltes Jungtier, das an einen Pfahl gebunden werden sollte. Aber als intelligenter Junge, überlegte er, wie man die Kette aus den Pfosten rutschen lassen kann, und im Nu war er im ganzen Lager beschäftigt.

Wojteks Wanderungen in der Nacht waren legendär. Er löste sich vom Pfosten und kletterte immer am Ende seiner Spaziergänge auf ein Bett - und auf den Körper eines schlafenden Soldaten. Obwohl immer noch ein Jungtier, war er in Größe und Gewicht ordentlich gewachsen. Man wusste nie, was die Reaktion des Bären wäre, wenn er plötzlich aus einem tiefen Schlaf erwacht – das erforderte einen sehr heiklen "Umgang" - zum Glück immer erfolgreich.

Wir entdeckten bald, dass Wojtek Wasser planschen liebte. In kürzester Zeit wurde ein Pool für ihn konstruiert - er liebte ihn um sich abzukühlen. Einmal rutschte er aus und fiel ins Wasser und schlug mit seiner Nase auf den Poolrand. Das arme Bärenkind krabbelte raus und legte sich nieder, seine Vorderpfoten bedeckten seine Nase – immer wieder hob er den Kopf und genoss das Mitgefühl.

Die „22. Long Distance Transport Company“ hatte 120 Drei-Tonnen-Lastwagen. Allerdings, wenn sich die Gesellschaft in voller Stärke bewegte, konnten wir nur 119 verwenden, ein Lastwagen war immer für Wojtek und seine Kiste vorbehalten.

Bei der Überfahrt nach Italien musste der Bär versuchen sich an die Wogen zu gewöhnen. Er blieb an Deck und in der Regel bedeckte er seinen Kopf mit den Vorderpfoten, man hatte das Gefühl er war seekrank.“

Bär Wojtek befördert die Munition in der Schlacht von Monte Cassino

Die berühmteste Szene lieferte Wojtek, dessen Name so viel wie „der den Krieg genießt“ oder „lächelnder Krieger“ bedeutet, 1944 in Italien während der Schlacht von Monte Cassino. Wojtek wurden die Kisten mit Munition umgeschnallt und so versorgte er während der Kämpfe die Soldaten mit frischer Munition; aber sein eigentlicher Wert bestand in seinem positiven Effekt auf die Moral der Truppe.

Wojtek und sein Lebensabend im Zoo von Edinburgh

Der „Vielgeliebte“ und viel fotografierte kam nach Kriegsende mit seiner Einheit erst nach Berwickshire, Schottland. 1947 wurde er dann endgültig in den Zoo von Edinburgh verlegt, wo er seinen Lebensabend verbrachte.

Für die Soldaten, denen er abging, kam sein Weggang an den Zoo einer Gefängnisstrafe gleich. Sie bedauerten ihren Bären, dem das freie Leben fehlen würde. Wojtek wurde Ehrenmitglied der Polnisch-Schottischen Gesellschaft. Viele seiner ehemaligen Kameraden besuchten ihn häufig im Zoo, aber dann musste er leider immer wieder „hinter Gitter“. Wojtek starb im Dezember 1963 im Alter von 22 Jahren.

Ein Denkmal heute für den braven Krieger: Zu Ehren von Wojtek und den polnischen Soldaten

Die Kampagne, ein Denkmal für Wojtek zu gestalten, geht auf Kardinal Keith O’Brien zurück. Die meisten polnischen Soldaten waren Katholiken.

Eine Statue des Bildhauers Alan Herriot in der schottischen Hauptstadt soll nun den Bären ehren, berichtete die britische Tageszeitung „Daily Mail“. Das Denkmal wird den Bären und seinen „Wärter“ Peter Prendys zeigen. Prendys legt dabei Wojtek eine Hand auf die Schulter - eine Haltung, die er immer einnahm, wenn die beiden im Militärlager herum spazierten. Das Emblem der "22. Long Distance Transport Company" erinnert heute noch an den Bären.

Mehr über Wojtek:

  • Aileen Orr. Wojtek the Bear: Polish War Hero. Verlag Birlinn. 2010. ISBN: 978-1841588452
  • Garry Paulin.Vojtek, the Bear., Polish War Hero. Verlag Paulin. 2008. ISBN: 978-0955829505
Quelle: Daily Mail vom 14. Oktober 2010

Bildnachweis: Central Scotland News Agency

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