Bis vor elf Jahren war die deutsche Bildungslandschaft noch in bester Ordnung. Mit der ersten Pisa Studie im Jahr 2000 zogen jedoch dunkle Wolken auf. Die Ergebnisse für deutsche Schulen waren katastrophal. Es hat sich in der Bildungslandschaft seither vieles getan. Bildungspakete, Ganztagsschulen, Gemeinschaftsschulen, G8 und so weiter und so fort.
Es scheint jedoch an manchen Stellen etwas zu viel Reformwillen gegeben zu haben: Von G8 geht es nun an vielen Schulen wieder zu G9, die optimale Schulform für ein sozial gerechtes Lernen ist noch immer nicht gefunden und die Zahl der schlecht ausgebildeten steigt weiter.
Das Vertrauen in das staatliche Schulsystem ist tief erschüttert.
Die Diskussionen und unausgegorene Reformanstösse der vergangenen Jahre, gepaart mit einem immer höher werdenden Druck, die möglichst beste Ausbildung für die eigenen Kinder zu ermöglichen, hat auch Gewinner: Privatschulen in Deutschland freuen sich über steigende Anmeldezahlen.
Viele Eltern sind davon überzeugt, dass die staatliche Schule ihre Kinder nicht optimal versorgt. Zu große Klassen, demotivierte Lehrer und überforderte Schulleitungen sind Symptome der Versäumnisse der vergangenen Jahre. Ursachen sind chronischer Geldmangel, unzureichende Lehrerausbildungen und vollkommen überforderte Schulleitungen.
Die Privatschule ist da anders: Hier ist der Kunde König. Kunden sind Eltern und Schüler gleichermaßen. Eltern wollen gute Ergebnisse sehen und Kinder wollen sich gut betreut fühlen. Da Privatschulen auf Nachfrage angewiesen sind, sind die Ziele klar gesteckt: Bildung und Unterricht soll zum Erfolg - also zum guten Abschluss - führen, Kinder sollen sich in der Lernumgebung wohl fühlen, Lehrer sollen Inhalte kindgerecht übermitteln und Kinder dort fördern und fordern, wo es nötig ist. Die Privatschulen scheinen den Anforderungen gerecht zu werden: Immer mehr Schulen in privater Trägerschaft entstehen, die Zahl der Anmeldungen geht beispielsweise in Berlin deutlich über die Zahl der angebotenen Plätze hinaus.
Auch finanziell hat sich einiges an den Privatschulen geändert: Bis vor wenigen Jahrzehnten war ein Besuch einer Privatschule nur für Kinder reicher Eltern möglich. Durch Förderprogramme, Stipendien, Geschwisterrabatte und viele andere Maßnahmen ist der Privatschulbesuch nicht mehr privileg der Reichen. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen sehr viele Menschen noch immer davon ausgehen, dass Bildung kostenlos sein muss. Sicher ist dies ein Ideal, doch die Realität sieht leider anders aus. Gute Bildung ist schon lange kein finanzieller Selbstläufer mehr. Nachhilfeinstitute, Sprachschulen und zu bezahlende Förderprogramme für Menschen von 1 bis 99 Jahren boomen. Der Bildungsmarkt in Deutschland ist ein Wachstumsmarkt.
Daher überlegen viele zu Recht, ob sie die Kosten für all die Nachhilfe nicht direkt in eine Privatschule investieren. Viele Eltern sind gern dazu bereit. Auch, wenn sie selbst an anderen Stellen Abstriche machen müssen.
