
- Schlagkräftige Tipps vom Golflehrer beim Pro-Am - FxReid
Ein nicht geringer Teil der Durchschnittsgolfer kennt den Begriff Pro-Am lediglich aus dem Club-Kalender der eingeschränkten Abschlagzeiten und Platzsperren, und das auch nur am Rande. Denn wer spielt schon nach einem schweißtreibenden Golfwochenende samt unzähligen Ballkontakten auch noch an einem Montag Golf? Nun, Golf Professionals sowie solche Amateure, die unter Tour-Bedingungen testen wollen, ob die Handicap-losen Golfschwünge der Profis ansteckend sind.
Die golferische Herausforderung namens Pro-Am
Wer schon einmal vergeblich versucht hat, am Montag eine Trainingsstunde beim Golflehrer des Vertrauens zu bekommen, wird sich vielleicht fragen, was der Pro eigentlich macht, wenn alle anderen Zeitgenossen arbeitshungrig die neue Woche beginnen. Schläger putzen? Geld zählen? Die Sisyphos-Arbeit der Schwungvermittlung mit einem anderen Professionellen teilen, beispielsweise einem Psychotherapeuten? Oder eben das, was professionelle Golfer beruflich tun: Golf um Geld spielen. Und zwar in jener Spielart der golferischen Herausforderung namens Pro-Am, die nicht nur den sportlichen Vergleich mit Kollegen bietet. Sondern eben auch das Parieren des Platzes angesichts all jener amateurhaften Golfer, die in der Regel in deutlicher Überzahl zusammengekommen sind, um die frisch angelernte Technik der Ballverschickung in spielstarker Gesellschaft zu erproben. Denn Golf ist und bleibt ein Spiel, welches sich im Kopf entscheidet – irgendwo zwischen Selbstvertrauen, Nervosität und Ehrfurcht vor dem geölten Golfschwung der erfahrenen Mitbewerber.
Durchaus berechtigt mag man nun einwerfen, dass ja beispielsweise die PGA of Germany ihre Pro-Am-Serie mit den Playing-Pros der EPD Tour keineswegs immer nur montags veranstaltet, doch da wird sich eben weniger am geregelten Clubleben als am internationalen Turnierkalender orientiert, da die Pro-Am-Turniere regelmäßig den regulären EPD-Wettspielen vorausgehen.
Der unerschrockene Häuptling mit dem ledernen Köcher auf der Driving Range
Das erste Indiz, um einen Pro vom Amateur zu unterscheiden, ohne auch nur einen Golfschwung gesehen zu haben, ist die Golftasche, die ja in professionellen Kreisen meist als voluminöses Tourbag aus buntem Leder daherkommt und mit schwungvoller Routine vom Parkplatz zum Meldetisch bugsiert wird. Zweifellos für so manchen ein ungewohnter Anblick, der seinen Golflehrer lediglich am griffigen Ende eines einzelnen Eisen 7 kennt, welches die amateurhaften Gliedmaßen in diverse unnatürliche Verrenkungen des sogenannten Golfschwungs dirigiert. Es ist aber eben nur ein Indiz, denn vielleicht handelt es sich auch um einen Amateur, der mit solch einem Fullsize-Schlägerköcher samt passender Schirmmütze als Sachpreis bei einem erfolgreich absolvierten Pro-Am dekoriert wurde. Ein deutlicheres Zeichen jedoch ist die Frequenz an geschüttelten Händen und Schulterklopfern, die mit dem Code der professionellen Zunft begleitet wird, meist in angelsächsischer Prägnanz: Hi Andy, Dave, Rob – so bündig und treffend wie ein Wedge an die Par3-Fahne zum Birdieputt. Doch zunächst geht es auf die Driving Range, auf der selbstverständlich Hochbetrieb und Profigolf-Atmosphäre in Form von Sponsorenfähnchen herrschen. Während routinierte Turnierspieler die Tagesform testen, mustern die unerschrockenen Häuptlinge oder Flight Chiefs, auf die schlagkräftigen und erprobten Waffen in ihren ledernen Köchern gestützt, den Teil der ihnen unterstellten Schläger-Phalanx. Manchmal versuchen sie auch, ihren Schützlingen letzte Schwungoptimierungen ins Kurzzeitgedächtnis zu pflanzen – sofern da neben Nervosität vor dem ersten Abschlag, der ihrem Lehrmeister bereits Preisgeld kosten könnte, überhaupt noch Platz ist.
Mehr Parkland als Prärie, doch der Pro behält den Überblick
Das Reizvolle an einem Pro-Am ist zweifellos, dass sich nicht nur die Welten der Golfer diesseits und jenseits der HCP 0-Marke flightweise vermischen. Sondern auch, dass die Amateure des Teams einen beträchtlichen Anteil am Erfolg haben können, der sich für den Pro dann in klingender Münze auszahlt. Je besser der Golf-Pro seine geschulten Schützlinge für jede mögliche Balllage von Parkland bis Links-Course gewappnet hat und nicht nur mit eigenen Glanzleistungen zu motivieren versteht, desto reicher wird die Ausbeute an Stableford-Punkten und praktischen Erfahrungen sein. Die häufigste Form des ProAms ist wohl die 1:3-Variante, bei der ein Golf-Pro zusammen mit drei Amateuren im Team antritt. Während die Wertung der Pros Zählspiel erfordert, spielen die Amateure lediglich für die Teamwertung, meist nach Stableford. Zusätzliche, dann auch vorgabewirksame Amateur-Einzelwertungen sind seltener geworden, da sich die ohnehin meist stattliche Spieldauer von fünf bis sechs Stunden auf 18 Löchern weiter verlängern würde. Mindestvoraussetzung für die Teilnahme an einem Pro-Am ist meist eine Stammvorgabe von -36, doch häufig überwiegen Handicaps in jenem Bereich unter Hcp -20, in dem die Schonung der Stammvorgabe als Erfolg gilt.
Der Reiz des außergewöhnlichen Flights mit Tour-Pros
Wer zuletzt zur Platzreifeprüfung ein Fairway im Beisein eines Golflehrers betreten hat, wird sicher von den Erfahrungen des professionellen Flightpartners profitieren können – so zum Beispiel, dass man eben auch das Grün bodennah durch den Bunker anspielen kann, Seitenwind nicht immer nur der Feind sein muss und auch routinierte Longhitter mal ihren Ball im Spiel wässern. Manch einem erscheint eine Runde Golf für 100 Euro und mehr pro Amateur im professionell verstärkten Flight überteuert. Doch es ist durchaus auch eine gute Möglichkeit, renommierte Plätze im besten Zustand für nur wenig mehr als das reguläre Greenfee zu spielen. Günstiger allemal als für all die Hollywoodstars und andere schlagfertige Sternchen, die jedes Jahr im Februar beim AT&T National Pro-Am in Pebble Beach zusammen mit der golferischen Weltelite aufteen. Zudem sind letztlich auch die Turniere regionaler PGA-Verbände nicht selten mit bekannten Namen von Playing-Pros wie EPD Tourer Ben Parker oder Teaching-Pro Paul Dyer verstärkt. Das richtig große Los konnte 2011 jedoch ziehen, wer sich für ein durchaus reizvolles kleines Pro-Am bewarb: Ein Bestball mit Major-Titelträger Martin Kaymer in Whistling Straits, Wisconsin – Flug und Hotel inklusive. Vermutlich mehr als ein kleiner Trost für diejenigen, die den deutschen Spitzengolfexport bei den BMW International Open in München verpasst haben sollten – sicher doch aber einmal eine fruchtbare Golf-Pro-Begegnung fürs Langzeitgedächtnis.
