Obwohl immer mehr von ihnen geschlossen und gesperrt werden, gibt es immer noch Pro Ana-Seiten zuhauf und junge Mädchen nutzen diese als Tauschbörse für Bilder dünner Frauen oder Models, als Inspiration, um Tipps und Tricks zu finden, wie man sich schnell auf ein sehr niedriges Gewicht hungern kann oder wie man vor den Eltern versteckt, dass man nicht isst oder an Bulimie leidet.

Ein weit verbreitetes Thema auf solchen Seiten und Blogs ist natürlich, welche Diät am besten funktioniert. Eine Kostprobe von diesen Diäten finden Sie hier:

ABC, Regenbogen und 2468

Eine äußerst beliebte Crashdiät ist die Regenbogen-Diät. Diese schreibt vor, dass an jedem Tag der Woche nur Lebensmittel einer bestimmten Farbe gegessen werden dürfen - und diese beschränken sich auch grundsätzlich auf sehr kalorienarme Lebensmittel wie Obst oder Gemüse.

So eine Diät könnte in etwa folgendermaßen aussehen:

  • Montag (weiß): Frühstück: ½ Apfel (40.5 kcal), Mittagessen: ½ Apfel (40.5 kcal), Abendessen: 1 Gurke (24 kcal); Gesamt: 105 kcal
  • Dienstag (gelb): Frühstück: 1 Banane (108.5 kcal), Mittagessen: 1 Banane (108.5 kcal), Abendessen: ½ Dose Mais (66 kcal); Gesamt: 283 kcal
  • Mittwoch (orange): Frühstück: ½ Orange (31 kcal), Mittagessen: ½ Orange (31 kcal), Abendessen:1 Karotte (26 kcal); Gesamt: 88 kcal
  • Donnerstag (rot): Frühstück: ½ Schale Erdbeeren (21,5 kcal), Mittagessen: ½ Schale Erdbeeren (21,5 kcal ), Abendessen: ½ roter Paprika (16 kcal); Gesamt: 59 kcal
  • Freitag (blau): Frühstück: 10 Brombeeren (8 kcal), Mittagessen: 10 Brombeeren (8 kcal), Abendessen: 15 Heidelbeeren (13 kcal); Gesamt: 29 kcal
  • Samstag (grün): Frühstück: ½ Schale Trauben (57 kcal), Mittagessen: ½ Schale Trauben (57 kcal), Abendessen: 1 kleiner grüner Salat (7 kcal); Gesamt: 121 kcal
  • Sonntag (fasten): Frühstück: nichts (0 kcal), Mittagessen: nichts (0 kcal), Abendessen: nichts (0 kcal); Gesamt: 0 kcal
Dass dies keinesfalls gesund ist, muss nicht erst ein Arzt bestätigen. Die empfohlene Mindestmenge von Kalorien pro Tag ist 1200 (!) und diese wird bei allen diesen Diäten weit unterschritten.

In der ebenso beliebten 2468 Diät wird sogenanntes "Calorie shifting" betrieben. Das bedeutet, dass der Körper verwirrt wird, weil er nie weiß, welche Menge von Kalorien er am Tag bekommt. Somit soll vermieden werden, dass der Körper in den Hungermodus umschaltet und dann aufhört, Fett zu verbrennen und stattdessen alles, was nur möglich ist, einzulagern und zu speichern. Dass der Metabolismus des Körpers bei dermaßen geringen Kalorienmengen jedoch sowieso auf Sparflamme läuft, verschweigen die meisten Pro Ana-Seiten und wissen vermutlich auch die Anhänger solcher Diäten nicht. Die Diät erhält ihren Namen aus dem System, an jedem Tag abwechselnd 200, 400, 600 bzw. 800 Kalorien zu sich zu nehmen. Der Diätplan würde etwa so aussehen:

  • Montag: 200 Kalorien
  • Dienstag: 400 Kalorien
  • Mittwoch: 600 Kalorien
  • Donnerstag: 800 Kalorien
  • Freitag: Fasten
  • Samstag: 200 Kalorien
  • Sonntag: 400 Kalorien
  • usw.
Die ABC oder Ana Boot Camp-Diät ist der 2468 Diät ähnlich, schreibt aber noch strengere Regeln vor. Diese Diät dauert 50 Tage und besteht aus Tagen, an denen bis zu 500 Kalorien verzehrt werden dürfen und aus Tagen, an denen strikt gefastet werden muss. Diese Diät funktioniert natürlich bestens, weil die Kalorienzufuhr drastisch eingeschränkt wird. Ob das verlorene Gewicht jedoch auch weg bleibt, sei dahingestellt. Weiters ist es kaum möglich, ohne Diätpillen oder Appetitzügler 50 Tage lang ein solches Programm durchzuhalten - das Ana Boot Camp verleitet also auch noch zum Missbrauch von Medikamenten oder zum Kauf (meist sinnloser) Pillen, die den großen Diäterfolg versprechen. Hier ist ein Prototyp des verrückten Diätplans:

  • Montag: 500 kcal
  • Dienstag: 500 kcal
  • Mittwoch: 500 kcal
  • Donnerstag: Fasten
  • Freitag: 500 kcal
  • Samstag: 500 kcal
  • Sonntag: 500 kcal
  • Montag: Fasten
  • usw.
Grundsätzlich gilt für diesen Plan nur die Regel, sich an die vorgeschriebenen Kalorien bzw. das Fasten zu halten.

Sport wird bei allen diesen Programmen empfohlen, ist aber nicht zwingend erforderlich und vermutlich auch schwer zu meistern, da der Körper von der Diät so geschwächt ist. Auch woher die vorgeschriebene Menge an Kalorien stammt, ist oft nicht spezifiziert - wer also einen Tag lang nur eine Tafel Schokolade isst, hält sich auch an die Regeln -, doch Pro Ana-Seiten empfehlen natürlich "sichere Lebensmittel" wie Gemüse, Salat, zuckerarmes Obst, etc.

Die Erfolgsquote dieser Diäten ist, den ana blogs nach zu urteilen, relativ hoch. Solche Diäten stellen jedoch nicht nur für den Körper eine Stresssituation dar. "Anas", die etwa nicht den gesamten Plan durchhalten, fühlen sich auch seelisch schlecht - sie haben das Gefühl versagt zu haben, wertlos zu sein und - natürlich - immer noch zu dick. Dass diese Diätpläne anfangs wirken, ist leicht vorstellbar, doch erstens tritt nach solch einem Unterfangen mit Garantie der gefürchtete Jo-Jo-Effekt ein und zweitens reagiert der Körper auf eine solche Hungerkur mit Depression, Stimmungsschwankungen, genereller Schwäche, Schlaflosigkeit und anderen negativen Effekten.

Achtung: Solche Fasten- und Hungerkuren durchzuführen, ist extrem gefährlich. Es ist also jedem davon abzuraten, so etwas auszuprobieren - stattdessen einfach ein bisschen weniger essen, mehr Bewegung in den Alltag bringen und die nächste Pizza eben nur zur Hälfte essen. Auch so purzeln die Pfunde - und zwar dauerhaft.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.