Probleme mit der Kettenschaltung: Wie man sich helfen kann

chain, Ansicht einer Fahrradkette - Samuel G./pixelio.de
chain, Ansicht einer Fahrradkette - Samuel G./pixelio.de
Kettenschaltungen sind sportlich und bieten für jedes Gelände den richtigen Gang. Was kann man aber tun, wenn die Kette springt, oder manche Gänge rasseln?

Seit dem Mountainbike-Boom haben beinahe alle sportlichen Fahrradmodelle Kettenschaltungen mit wenigstens 21 Gangstufen. Die augenblickliche Grenze liegt sogar bei 30 verfügbaren Gangstufen. Mit einer solchen Übersetzungsmöglichkeit ist man für jedes Gelände gerüstet. Wenigstens solange die Schaltung ordnungsgemäß funktioniert. Was tut man aber, wenn dem nicht so ist? Der Artikel erklärt kurz die Bauteile einer Kettenschaltung und beschreiben die häufigsten Defekte und deren Reparatur.

Aufbau und Funktion der Kettenschaltung

Bei allen Kettenschaltungen, deren Gangzahlen im zweistelligen Bereich liegen, befinden sich an der rechten Tretkurbel zwei oder drei Zahnräder, die man Kettenblätter nennt. Auf der rechten Seite des Hinterrades ist eine Anzahl von kleineren Zahnkränzen montiert, die miteinander verbunden sind und deshalb auch Zahnkranzkassette oder Ritzelpaket heißen. Die Zahnkränze am Hinterrad sind auf einen Freilauf montiert und übertragen die eingeleitete Kraft nur in Fahrtrichtung. Zwischen den Kettenblättern und den Zahnkränzen läuft eine Rollenkette, die im Normalfall immer je einen Zahnkranz mit einem Kettenblatt verbindet, und die eingeleitete Kraft von der Tretkurbel auf die Nabe des Hinterrades überträgt. Um die unterschiedlichen Gangstufen auszuwählen, lenken Kettenwerfer, auch bekannt als Umwerfer und Schaltwerk, die sich bewegende Kette aus ihrer Spur, bis diese auf ein benachbartes Zahnrad aufläuft und dort greift. Sehr häufig werden sowohl Umwerfer als auch Schaltwerk mittels Schaltseilen in die Position gebracht, die einer gewünschten Schaltstufe entspricht. Die jeweilige Position der Kettenwerfer ist durch die Stellung der am Lenker befindlichen Schalthebel festgelegt. Ein Mechanismus aus Federn und Zahnscheiben holt je nach gewünschter Schaltstufe Schaltseil ein, oder lässt es aus.

Die häufigsten Probleme an Kettenschaltungen, und wie kann man diese Funktionsstörungen beheben kann.

  • Einzelne Gangstufen lassen sich nicht präzise einlegen, oder die Kette verursacht erhebliche Geräusche auf einzelnen Gangstufen

Dieses Problem tritt häufig auf und hängt vorrangig mit der Veränderung der relativen Seillänge der Schaltseile zusammen. Die Schaltseile sind meist als Bowdenzüge konstruiert und befinden sich in einer Hülle. Wird diese Hülle durch häufigen Gebrauch gestaucht, erscheint der Innenzug, also das Schaltseil zu lang. Es positioniert die Kettenwerfer nicht mehr präzise an der vorgesehenen Stelle. Bei modernen Schaltungen mit mehr als 18 Gängen liegt sehr wenig Raum zwischen den einzelnen Zahnkränzen, deshalb schleift die Kette schon bei geringen Fehlstellungen der Kettenwerfer an den Zahnflanken der benachbarten Zahnkränze und verursacht Geräusche. An den Stellschrauben der Schalthebel oder an der Stellschraube am Schaltwerk kann man die relative Zuglänge angleichen. Meist sollte die Stellschraube gegen den Uhrzeigersinn eine Umdrehung herausgedreht werden. Dann auf dem zweiten Zahnkranz prüfen, während die zweite Schaltstufe eingestellt ist, ob der Kettenwerfer genau lotrecht unter dem Zahnkranz hängt. Bei Bedarf mit der Stellschraube regulieren.

  • Die Kette überspringt beim Treten einzelne Zähne von Kettenblatt oder von Zahnkränzen.

Die Kette ist einfach zu sehr gelängt, das heißt der Verschleiß der antreibenden Teile ist so weit fortgeschritten, dass die Kette nicht mehr genau in die Ausbuchtungen zwischen den Zähnen der Zahnkränze oder der Kettenblätter passt und nur noch auf den Zahnspitzen aufreitet. So kann sie aber nicht mehr die Antriebskräfte übertragen und springt dann unter Belastung über einige Zähne, bis sie entweder wieder greift, oder der Radfahrer die eingeleitete Kraft reduziert. In einem solchen Fall müssen meist die Kette und die Zahnkränze ersetzt werden; bei starkem Verschleiß auch die Kettenblätter. Der Kettenverschleiß ist durch regelmäßiges Reinigen und Schieren der Kette durchaus zu verlangsamen.

  • Die Kette überspringt regelmäßig einzelne Zähne von Zahnkränzen

Tritt ein regelmäßiges Überspringen auf, so hat sich wenigstens ein Glied der Antriebskette verklemmt. Es rollt nicht mehr über den Zahnkranz, sondern es steht ab. Folglich überträgt dieses Glied im Segment der höchsten Krafteinleitung keine Antriebskräfte und wird dann über die Zahnspitzen gezogen, bis ein anderes Kettenglied die Kraft überträgt Auch hier hilft regelmäßige Kettenpflege, weil meist die beweglichen Kettenglieder festrosten. Sind Kettenglieder durch Kettenklemmer oder Fremdkörper verklemmt, muss die Kette ersetzt werden.

  • Umwerfer oder Schaltwerk lassen sich nicht in die gewünschte Position bringen.

Die Kettenwerfer sind, so wie die Schaltseile, bewegliche Teile. Laufen diese beweglichen Teile längere Zeit ohne ausreichende Schmierung, entsteht Kontaktkorrosion. Die Kettenwerfer rosten einfach auf den Gleitbuchsen fest. Das wird durch Schmutz und Spritzwasser noch beschleunigt. In die Schaltzüge dringen Wasser und Schmutz ein und verdrängen die werkseitige Schmierung. Letztlich verklemmen sich die Schaltseile in den Zughüllen, oder sie rosten dort fest. Einige Tropfen Öl auf alle Gelenke der Kettenwerfer ermöglichen eine dauerhafte Funktion dieser Teile. Schaltzüge sollten regelmäßig ausgehängt, soweit möglich gereinigt und ebenfalls geölt werden. Spätestens alle zwei Jahre empfiehlt es sich die Schaltseile mitsamt den Außenhüllen zu tauschen.

  • Die Kette fällt beim Schalten von den Zahnkränzen.

Taucht dieses Problem unvermittelt auf, hat sich etwas verändert. Meist wurde der hintere Kettenwerfer aus seiner ursprünglichen Position gebracht. Oft passiert das bei Stürzen oder wenn jemand an das Schaltwerk stößt. Eine Fachwerkstatt kann meist die Aufnahme des Schaltwerks, das so genannte Schaltauge wieder ausrichten, oder durch ein Neuteil ersetzen. Provisorisch kann man mittels der beiden Anschlagschrauben am Schaltwerk den Schwenkbereich des Schaltwerks soweit einschränken, dass die Kette wieder auf den Zahnkränzen bleibt.

  • Die Kette fällt beim Schalten von den Kettenblättern.

Da die Kette an Kettenschaltungen immer schräg läuft, kommt es bisweilen vor, dass sie beim Schalten unter Last von einem Kettenblatt fällt. Wenn sie sich dabei nicht verklemmt, ist es kein Problem, und man kann die Kette wieder mit wenigen Handgriffen auf das nächstgelegene Kettenblatt heben. Hilfreich ist es, dabei das Schaltwerk nach vorne zu ziehen, um die Kettenspannung zu reduzieren. Tritt das Problem beständig auf, reicht es meist, die Anschlagschraube, die den Schwenkbereich des Kettenwerfers begrenzt mäßig einzudrehen. Oft reicht eine halbe Umdrehung. Fällt die Kette häufig vom äußeren Kettenblatt sollte man den Abstand zwischen dem Leitblech des Kettenwerfers und den Zahnspitzen des Kettenblatts prüfen. Liegt der Abstand deutlich über zwei Millimetern, muss der Umwerfer näher an das Kettenblatt gebracht werden. Eine Fachwerkstatt übernimmt das gern.

Die häufigsten Probleme an Kettenschaltungen lassen sich durch regelmäßige Pflege und Wartung reduzieren oder beinahe ganz vermeiden. Meist reichen dazu eine Tropfflasche mit Kettenöl um 2,50 Euro, ein ausgedientes Baumwoll-Shirt und einige Minuten Zeit.

H. Gsottberger mit Sohn Tilman, Heinz Gsottberger

Heinz Gsottberger - Vor dem Studium der Volkskunde erlernte ich das Handwerk des Zweiradmechanikers. Diese technischen Fertigkeiten und meine Leidenschaft ...

rss