Procedural

Die Merkmale einer Episodenserie an Beispielen wie "CSI"

Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Alles Wissenswerte über die Merkmale der Procedural anhand von Beispielen aus den Serien "CSI", "Law & Order" und "Raumschiff Enterprise".

Das Genre der Fernsehserie lässt sich nach bestimmten Gesichtspunkten kategorisieren: Nach Machart (fiktional vs. nicht-funktional), Inhalt (Drama vs. Sitcom) und Struktur (Episodenserie vs. Fortsetzungsserie). Waren die Kategorien in den Anfangsjahren des Fernsehens noch klar voneinander unterscheidbar, sind heutzutage die Grenzen zwischen den einzelnen Kategorien fließend geworden.

Die Episodenserie (Procedural) und Fortsetzungsserie (Serial), ihre Charakteristika und ihren Wandel im Laufe der Jahrzehnte soll in 2 Artikeln beschrieben werden. Den Anfang macht das Procedural.

Charakteristika des Procedurals: Ein Stammpersonal und in sich abgeschlossene Episoden

Ein Procedural in seiner ursprünglichen Form ist eine Serie mit einem festen Personal und mit Episoden, die abgeschlossene Geschichten erzählen (Beispiel: "Raumschiff Enterprise").

Das serielle hierbei sind die Stammcharaktere und das gleiche erzählerische Muster hinter jeder Episode. Heutige Procedurals unterscheiden sich von ihren früheren Ablegern, dass bei ihnen das durchaus Stammpersonal variieren kann.

In der fast 18 jährigen Geschichte von "Law & Order" gibt es eine ganze Fülle von Polizisten, Anwälten und Staatsanwälten, die zu verschiedenen Zeitpunkten im Mittelpunkt der Serienhandlung standen.

Der Erfolg dieses Procedurals zeigt, dass Dramaturgie und Inhalt einer Serie manchmal mehr wiegen als deren Figurenpersonal.

Besonders dominant vertreten sind die Procedurals heutzutage im Genre der Krimiserie ("CSI" und "Law & Order"-Serien).

Jede Episode besitzt eine klar für den Zuschauer erkennbare dramaturgische Struktur von Anfang, Mitte und Ende.

Bei "CSI" steht am Anfang jeder Folge ein Mord. Beispiel: "CSI: Den Tätern auf der Spur": Das Ziel von Crissom und seinem Ermittlerteam ist es stets, den Mord aufzuklären. Im Mittelteil werden verschiedene Zeugen befragt und (manchmal falsche) Spuren verfolgt. Mit der Überführung des Täters endet die Folge.

Procedurals haben eine Grundproblematik, die in jeder Episode durchgearbeitet wird, ohne jemals zu einer endgültigen Lösung zu kommen. Obwohl die Mordfälle jeder Episode von CSI-Team aufgeklärt werden, beginnt die nächste Folge wieder mit neuen Fällen.

Procedurals : Stete Rückkehr zum Status quo und Charaktere ohne Gedächtnis

Procedurals in dieser Reinform haben in der Regel keine staffelübergreifende Handlung, obwohl es bei den neueren Vertretern dieser Art auch immer Ausnahmen gibt.In der 7. Staffel von "CSI" beispielsweise macht das CSI-Team in mehreren Episoden Jagd auf den Modelbau-Mörder.

Jede Woche begegnen die Charaktere einer neuen Situation, die keine permanente Auswirkung auf die Beziehung der Charaktere untereinander hat. Egal wie zerstritten Kirk, Spock und Pille innerhalb einer Folge der Serie "Raumschiff Enterprise" sind, am Ende dieser ist die Grundsituation des Anfangs, ein gut miteinander arbeitendes Team auf der Kommandozentrale der Enterprise, wiederhergestellt.

Da die einzelnen Folgen nicht in Bezug zueinander stehen, haben die Charaktere auch kein Gedächtnis und lernen deshalb nie aus ihren Erfahrungen. Die Autoren der Serie können so innerhalb ihrer Laufzeit die gleichen erzählerischen Grundmuster endlos variieren. Ein beliebtes und oft wiederkehrendes Thema der Serie "Raumschiff Enterprise" war zum Beispiel die des größenwahnsinnig gewordenen Wissenschaftlers.

Der Vorteil solcher Procedurals liegt darin, dass die Programmplaner bei der Ausstrahlung der Episoden keine bestimmte Reihenfolge einhalten müssen und bei Erfolg die Laufzeit der Serie endlos ausdehnen können. Die Serie "Law & Order" kommt derzeit auf 17 vollständig ausgestrahlten Staffeln, "CSI" befindet sich gerade in der 9.

Der Zuschauer von Precudurals ist stets auf der sicheren Seite, muss er doch nicht fürchten, wenn er ein paar Folgen auslässt, den Anschluss zu verpassen. Allerdings beschränken sich die Informationen, die er über die Hauptpersonen der Serie erhält, auf ein Minimum.

Heutige Predurals: Zuschauermagneten

Wie bei einer Meldung von Serienjunkies vom 10. März 2009 nachzulesen ist, setzen die großen Sender in Amerika nach dem großen Publikumserfolg mit "The Mentalist" in der letzten Fernsehsaison auch in Zukunft weiter auf Procedurals, in deren Mittelpunkt Polizisten, Anwälte und Ärzte stehen.

Harald von Treuenfels, Fotograf: Horst Werner

Harald von Treuenfels - Mitte der 1990er Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft zum Film, die mit einem wöchentlichen Besuch im Kino kultiviert wurde. Damals ...

rss