Product Placement in Deutschland

Deutsche Autohersteller und ihre Fahrzeuge im Fernsehen

Klaus-Jürgen Wussow - ZDF
Klaus-Jürgen Wussow - ZDF
Deutsche Automobilfirmen und deutsche Fernsehproduzenten arbeiten seit langem gut zusammen. Doch der Vorteil dabei liegt einseitig bei den Autoherstellern.

Sonntag, den 20. Februar 2005 um 20:15 Uhr schalteten nach der Tagesschau insgesamt 12,57 Millionen Zuschauer zum ZDF und ließen sich das Comeback der berühmten Serie "Die Schwarzwaldklinik" nicht entgehen. Bei einem Marktanteil 32,5 Prozent war dieser Spielfilm zur besten Sendezeit ein großer Erfolg für den Sender und dessen Produzenten Wolfgang Rademann.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Dr. Brinkmanns Sohn Benjamin ist inzwischen selbst Arzt an dem berühmten Krankenhaus im Glottertal und muß sich neben den familiären Problemen auch noch zahlreichen Verletzten eines in der Nähe der Klinik geschehenen Unfalles widmen. Fast alle Mitglieder der Stammbesetzung aus der erfolgreichen Fernsehserie waren wieder mit dabei; um ein paar Falten und Jahre gereift, aber immer noch sehr gerne gesehen.

"Die Schwarzwaldklinik" und der Audi 200 haben Fernsehgeschichte geschrieben

Dr. Brinkmann – gespielt vom unvergessenen Klausjürgen Wussow – chauffierte in der Serie einen Audi 200, der sehr prominent ins Bild gerückt worden ist. Prominenter, als daß bis dahin im deutschen Fernsehen der Fall war. Diese Auftritte von Kraftfahrzeugen haben bis heute an Qualität und Quantität zugenommen. Sie bieten bis heute eine nahezu perfekte Form, für einen Wagen und eine Marke inmitten eines Filmes Sympathien zu wecken.

Wie geht das?

Kaum ein Film kommt ohne Autos aus. Die Produktionsfirma oder der Regisseur ordnen ein spezielles Fahrzeug einer bestimmten Rolle zu und übersenden den Herstellern der in Frage kommenden Typen oder bestimmten Agenturen, die Product Placement für Autohersteller durchführen, ein Drehbuch mit einer entsprechenden Anfrage. Diese Agenturen oder auch hausintern zuständige Mitarbeiter achten bei der Prüfung eines Drehbuches sehr penibel darauf, daß das jeweilige Auto einer sympathischen Figur beigestellt (Fachjargon) wird.

Die Marke aus Stuttgart mit dem springenden Pferd im Wappen wäre kaum davon begeistert, wenn im Film ein Vergewaltiger einen ihrer Sportwagen fährt. Genau so halten es alle anderen Autohersteller. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, daß europäische – meist deutsche – Autos in den USA den "bösen" Figuren zugeordnet werden, während die guten Amerikaner natürlich gute amerikanische Autos fahren. Nur Dallas hat das etwas anders gehalten – da fuhren die Söhne der Familie Ewing ungeachtet der charakterlichen Eigenschaften Mercedes.

Ist seitens der Autoherstellers oder dessen Agentur eine Entscheidung gefallen, das jeweilige Filmprojekt zu unterstützen, schickt man eines der entsprechenden Autos per Kurier an den Drehort; meistens neben einer kleinen Flotte an Produktionsfahrzeugen, die zur finanziellen Entlastung des ansonsten anzumietenden Fuhrparks der Produktion gratis beigesteuert werden. Der Film wird gedreht und die Autos gehen zurück an den Hersteller. Bargeld fließt weder von der Produktion an den Autohersteller noch umgekehrt, weil bezahlte Produktplatzierung in Deutschland erst ab Ende 2009 legal ist.

Welche Nutzen haben die Parteien dennoch von Product Placement?

Der Produzent braucht Kraftfahrzeuge, um seine Filme realitätsnäher zu gestalten und die Figuren sowie deren Charakter bzw. soziale Stellung im Film zu unterstreichen. Er hat oft nicht die Möglichkeit, passende Autos für jeden Film zu erwerben. Dies würde das Budget eines Filmes sprengen. Einen passenden Mietwagen zu finden, ist nicht immer möglich. Also nutzt der Produzent Product Placement, um seinen Film mit passenden Fahrzeugen optisch wie inhaltlich abzurunden.

Der Autohersteller hat jedoch einen erheblich höheren Nutzen vom Placement. Kein Werbespot im deutschen Fernsehen erreicht die Reichweite, wie sie von dem Film "Schwarzwaldklinik – Die zweite Generation" erzielt wurde. Wenn 12,57 Millionen Zuschauer dabei zusehen, wie Dr. Brinkmann junior, gespielt von Sascha Hehn, im Porsche 911 Cabrio durch den Schwarzwald braust oder Pfleger Mischa im stylischen Citroen Pluriel vorfährt, ist das eine unbezahlbare Werbung.

Auch wenn die Verkaufszahlen von Neunelfern und Pluriels am nächsten Morgen nicht sprunghaft ansteigen, sind Platzierungen in diesem Umfeld wertvolle Sympathiefaktoren und dem Markenimage sehr zuträglich. George Clooney fährt Mercedes C-Klasse, Professor Boerne im Tatort Porsche Cabrio, Derrick einen Siebener von BMW - die Liste fantastisch inszenierter Automobile ist lang. Doch eine Feststellung bleibt: Der Autohersteller profitiert in weit höherem Umfang vom Placement, als die Produktionsfirma. Oft genug ein Grund, einem Hauptdarsteller oder einem Produzenten auch mal eine Luxuslimousine für einen bestimmten Zeitraum gratis zu überlassen – doch darüber wird nicht gesprochen.

Was wird sich ändern?

Die EU hat Product Placement mit Auflagen künftig erlaubt. So muß der Zuschauer durch entsprechende Kooperationshinweise im Vor- und Abspann auf Placement hingewiesen werden. Schon heute weisen "Wetten, daß...?" und "Unser Charly" im ZDF auf Kooperationen mit der Audi AG und der Volkswagen AG hin. Doch das sollte in Zukunft nicht reichen. Denn im Zeitalter steigender Produktionskosten und sinkender Schauspielergagen sehen Fachleute wie Günter Felbert, ehemaliger Placementagent einer Kölner Agentur, es als unverantwortlich an, daß Autohersteller ihre Produkte mit so geringem finanziellen Aufwand dermaßen prominent ins Bild setzen können.

Autos aus dem Pressefuhrpark machen sich in der Bilanz des Autoherstellers kaum bemerkbar, wenn sie für einen Film ausgeliehen werden. Sie erreichen aber Millionen von Zuschauerkontakten – ein deutliches Mißverhältnis zu dem, was der Produzent davon hat. Wenn also künftig die Daimler AG ihre Autos in Filmen zeigen will, die wie beispielsweise ein "Tatort" rund 9 Millionen Zuschauer haben, sollte sie dafür mehr als kräftig zur Kasse gebeten werden.

Werbespots werden selten gesehen; der Zuschauer geht an den Eisschrank oder an’s stille Örtchen. Wenn der Benz aber durch das Bild des Krimis fährt, sollte nach Felberts Ansicht sehr viel mehr Geld an die Produktionsfirma bezahlt werden, um durch höhere Budgets noch bessere Filme und Serien gestalten zu können. Im den USA ist das seit langem üblich; nur hierzulande stand die Gesetzgebung diesen Forderungen im Wege. Doch das hat die EU nun geändert; Anlaß für die Produzenten, ordentlich die Hand aufzuhalten!

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