Im österreichischen Lehrsystem gibt es tausende ambitionierte, motivierte, gelehrte Menschen. Ein Gewinn für jeden Schüler einen dieser Menschen als Lehrer zu haben. Aber scheinbar auch ein Glücksfall.
Schulsystem und Außenwirkung
Was ist da los? Vor Jahren, man erinnere sich, war jeder Jungpädagoge froh, möglichst schnell nach abgeschlossenem Studium einen Posten zu ergattern, rasch den Schülern das eben selbst Anstudierte zu vermitteln. Nun scheint es so zu sein, dass man sich den Posten ein wenig aussuchen kann und auch - im Extremfall - unentschuldigtes Fehlen in Kauf nimmt. Die Außenwirkung ist katastrophal.
Früher kam der gewiefte Schüler selbst darauf, dass Schwänzen eine Möglichkeit ist, lästigen Prüfungen aus dem Weg zu gehen. Nun zeigt es der Pädagoge selbst vor, erscheint nicht und sagt damit sich und dem Rest der Welt: Ich habe keine Lust auf die Schule. Recht so.
Verständnis für Pädagogen
Unter den Gründen für die Absagen der Junglehrer steht ein zu langer Anfahrtsweg an erster Stelle. Das versteht man. Denn: Wer oft von Montag bis Freitag für Stunden – manchmal sogar einen ganzen Vormittag seinen Dienst tut, mit jungen Menschen seine Zeit verbringt und Sinnvolles vermitteln soll, der ist schon so überfordert und konzentriert, der will seine wertvolle Zeit nicht mit dem Vorfahren vergeuden. Dann, nach vollbrachter Arbeit wieder nach Hause, vielleicht einen mit Fehlern gespickten Aufsatz korrigieren, nein, man versteht das Fernbleiben. Auch die Bevölkerung, ohne Frage, hat größtes Verständnis. Die gestresste allein erziehende Mutter des Schulanfängers hat zwischen acht Stunden Job, Delegieren von Schulweg, Nachmittagsbetreuung und Haushalt größten Respekt vor den Leistungen der Lehrkörper. Schier in galaktische Höhen wird die Ehrfurcht gehievt durch den Mut der Jungpädagogen sich der Verantwortung nicht zu stellen.
Das Ansehen der Lehrer ist also hoch wie nie, das kompromisslose Abschmettern der Vorschläge der Unterrichtsministerin vor kurzer Zeit hat das Prestige noch erhöht, und es stimmt: “Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s wirklich ungeniert.“ Wie soll das weitergehen?
Das Jobprofil des österreichischen Lehrers
Das Werben um den österreichischen Pädagogen der Zukunft könnte also folgendermaßen lauten:
"Wollen Sie tun was immer Sie wollen, den Ihnen anvertrauten Jungmenschen ein Vorbild fürs harte Leben sein, außerhalb der gesetzlichen Ferien noch nach eigenem Gutdünken frei machen, einer starken Gewerkschaft angehören und dafür entsprechend einem hervorragend verhandelten Kollektivvertrag entlohnt werden? Dann sagen Sie Ja und erscheinen zu Schulbeginn oder auch nicht. Denn für das Leben leben wir und unsere Verantwortung biegen wir."
Die entnervten Direktoren und –innen werden zwar in den ersten Schulwochen angesichts der nicht eingehaltenen Lehrverpflichtungen im Kreis hüpfen, aber auch das wird sich einspielen und eigentlich ist es nur eine Sache der Einstellung, wird also weder Auswirkungen auf den Lernerfolg der Schüler noch auf die Zufriedenheit der Eltern mit den sorgfältig ausgewählten Pädagogen haben, hochbegabte Kinder werden von solch ambitionierten Lehrern sicher ebenso entdeckt wie auch schwächere Schüler gefördert. Und wie gesagt, die Vorbildwirkung sollte nicht unterschätzt werden. Denn jeder Wirtschafttreibende wird verstehen wenn der gerade aus dem Schulsystem entlassene Mensch ihm sagt: “Mein Lehrer ist auch gekommen wann er gerade wollte.“
Und bereits Thomas Bernhard schrieb in "Die Ursache": "Das Unterichtssystem muss grundlegend geändert werden, es genügt nicht, immer wieder nur da und dort etwas zu ändern, alles gehört an unserem Unterrichtssystem geändert, wenn wir nicht wollen, dass die Erde nurmehr noch von unnatürlichen und von Unnatur zerstörten und vernichteten Menschen bevölkert ist."
