Professor Eugen Gomringer und das Kunsthaus IKKP

Professor Eugen Gomringer  - Ines Brückle
Professor Eugen Gomringer - Ines Brückle
Gespräch mit dem "Vater der konkreten Poesie" über konstruktive Kunst, Kunstfeunde wie Max Bill und Hermann Hesse, und die Erreichbarkeit der Allgemeinheit.

Institut für konstruktive Kunst und konkrete Poesie – IKKP begrüßt die Eingangstafel den Neugierigen. Das ehemalige Schulhaus gegenüber der Pfarrkirche St. Jobst in Rehau beherbergt die Sammlung Professor Eugen Gomringers, des „Vaters der konkreten Poesie“. Davor stehen ein Holzkubus, Steinquader, Stelen, der Skulpturenpark. Modernste Kunst und Poesie in der Kleinstadt, auf dem Land, weit weg von Metropolen wie München, Berlin, Dresden oder Frankfurt. Dafür aber im geografischen Mittelpunkt Deutschlands. Eine interessante Symbiose. Interessant wie der Mensch Gomringer, der sich jovial, freundlich und offen auf ein Interview einlässt. Ihm zur Seite Ehefrau Dr. Nortrud Gomringer.

Gründung des IKKP im Jahr 2000

Ines Beatrix Brückle: Wie kam es zur Gründung des IKKP in Rehau?

Professor Eugen Gomringer: Ich wollte nach meinem 75. Geburtstag, nach Ende meiner Hochschultätigkeit noch einmal am Ruder reißen. Das erste Museum für konstruktive Kunst und konkrete Poesie wurde bereits 1972 in Ingolstadt gegründet, fußend auf der Sammlung Gomringer. Bis 1999 hatten sich aber schon wieder vielerlei neue Schätze angesammelt. Lichtbilder, Filme, Schriften. Der damalige Rehauer Bürgermeister Edgar Pöpel schlug dafür das alte Schulhaus gegenüber der Pfarrkirche in Rehau vor, in dem wir uns nun befinden. Bereits am 1. Juli 2000 war die Eröffnung.

Brückle: Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Kunsthaus?

Gomringer: Es soll ein Angebot an die Bevölkerung sein sich mit der konstruktiven Kunst und konkreten Poesie auseinander zu setzen. Das IKKP ist nicht nur Ausstellungshaus und Sammlung sondern lädt zum Dialog ein. Gerade die Skulpturen draußen sind ein guter Anstoß für Gespräche. Wir sind auch Herausgeber für literarische Schriften und Kataloge. Zudem sind wir in vielen Dingen regional tätig. Bieten hiesigen Künstlern ein Forum an.

Brückle: Wer sind Ihre Hauptbesucher?

Gomringer: Allen voran Schulklassen. Gerade die jüngeren, so ab 10 Jahre, sind sehr offen und interessiert. Es kommen aber auch Abiturienten, die Material für ihre Facharbeiten sammeln oder Studenten. Anmeldungen aus deutschen Großstädten, aber auch aus Kaliningrad oder Edinburgh gehen ein. Schweden, Franzosen und Österreicher zählen zu unseren Gästen. Durch unsere wechselnden Ausstellungen wollen wir eine möglichst breite Schicht ansprechen. Auch Klöppeln und Flechten z.B. gehören zur konstruktiven Kunst.

Professor Eugen Gomringer und die konkrete Poesie

Brückle: Warum ist für Sie die konkrete Poesie so wichtig?

Gomringer: Ich fühlte eine Notwendigkeit für das neue globale Weltverständnis, das nach dem 2. Weltkrieg aufkam eine neue Ausdrucksform zu finden. Konkrete Poesie ist allgemeingültig, ist flächig angelegt und sagt schon durch die Darstellung etwas aus. Bereits 1953 erschien mein erster Gedichtband „Konstellationen“. 1968 wurde ich erstmals in einer englisch-deutschen Anthologie als „Vater der konkreten Poesie bezeichnet“.

Nortrud Gomringer: Ja, und du sprichst meist für die ganze Gruppe. Da gibt es keine Eifersüchteleien, kein Hick-Hack. Das finde ich so gut.

Brückle: Wie stehen Sie zur konservativen Lyrik?

Gomringer: Ich habe selbst in jungen Jahren Gedichte geschrieben, denen „Uhlandsche Schönheit“ attestiert wurde. Ich habe viel Rilke gelesen, auch Mörike und andere. Dem Andenken an Jean Paul ist mein Buch „Himmel, Erde, Frankenland“, ein Foto- und Literaturband gewidmet. „Sprachkürze gibt Denkweite“ ist mein Lieblingszitat von Jean Paul. Mit Hermann Hesse stand ich in Briefkontakt.

Brückle: Was gefällt Ihnen an Rehau, an Oberfranken?

Gomringer: Mir gefällt die Gegend hier, das Hüglige. Da fühl ich mich zu Hause.

Brückle: Welches sind Ihnen die wichtigsten Ausstellungsstücke?

Max Bill und Otto Herbert Hajek

Gomringer: Ganz wichtig ist mir der Kubus von Max Bill. Auch der Wegweiser von Otto Herbert Hajek, das Gegenstück quasi, ist ein tragendes Objekt.

Dr. Nortrud Gomringer: Von Hajek hatten wir auch einmal eine „Goldausstellung“, lauter Stücke mit Gold. Das war sehr beeindruckend.

Gomringer: Ja, diese beiden Kunstwerke sind für uns Symbole: Wir müssen immer wieder zurückfinden von Aktivität und Bewegung (Wegweiser) zu Vakuum und Ruhe ( Kubus).

Brückle: Zum Abschluss interessieren mich noch Ihre ganz konkreten Assoziationen zu folgenden Begriffen: Künstlerleben, Lebenssinn, Sinnfrage.

Gomringer (nach einer Denkpause): Künstlerleben bedeutet Risiko und Konzentration. Der Lebenssinn ist es „Mit dem Leben zu leben“. Die Sinnfrage ist für mich: „Welche höchst mögliche Qualität kann ich wie erreichen“.

Nortrud Gomringer: Das Künstlerleben Eugen Gomringers können sie in „KOMMANDIER(T) DIE POESIE“ - Biografische Berichte – (ISBN 3-908141-35-4) nachlesen. Die sind ganz amüsant und locker geschrieben. Ein Kapitel beschäftigt sich zum Beispiel mit „Gänseleben in Wurlitz“.

Brückle: Danke für das Gespräch.

Kontakt: Kunsthaus Rehau , Kirchgasse 4, 95111 Rehau, Tel. 09283-899485, kunsthausrehau@freenet.de / Öffnungszeiten: Mittwoch-Samstag 14.00 – 18.00 / Eintritt 2 Euro

Winterkind 2.2.2010, Bernhard Brückle

Ines Beatrix Brückle - Schreiben, Radeln und Kinder sind meine Leidenschaft. Zur Entspannung höre ich auch gerne mal was Klassisches oder Filmmusik von ...

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