Propaganda und Kriegskochkurse in Oldenburg 1914 bis 1918

"Durchhalten". Bildpostkarte Erster Weltkrieg - Sammlung Giesbrecht
Während des Ersten Weltkrieges engagierten sich die zeitgenössischen Frauenvereine aktiv in der Nahrungmittelpropaganda.

In Oldenburg vereinigten sich der Vaterländische Frauenverein um Willa Thorade und der Hausfrauenverein während der Kriegszeit zum „Nationalen Frauendienst“ [1]. Rasch wurden sie in in der hauswirtschaftlichen Aufklärung aktiv.

Ernährungsvorträge der Frauenverbände

Einzelne Frauen hielten etwa hauswirtschaftliche Vorträge, z.B. Willa Thorade am 20. Februar 1915 in der „Union“ zum Thema „Belehrung über Volksernährungsfragen“ [2]. Ihr Vortrag richtete sich hauptsächlich an Lehrer, Pfarrer, Vereinsvorstände und bestimmte Einzelpersonen, „die geeignet und bereit sind, durch persönliche Einwirkung oder durch Vorträge im örtlichen Kreise der Bevölkerung auf die ungeheure Wichtigkeit der Ernährungs- und Wirtschaftsfragen für den glücklichen Ausgang des Krieges aufzuklären und praktische Fingerzeige zu geben“ [3]. Im März 1915 nahmen mit Hedwig Herford und der Hauswirtschaftslehrerin Anna Habben zwei weitere Oldenburgerinnen an einem Rednerinnenkursus teil, der von der Hamburger Oberschulbehörde, Sektion für Wissenschaftliche Anstalten, für TeilnehmerInnen aus Norddeutschland organisiert wurde [4]. Sie hielten ihre ersten fünf Vorträge in der Woche vom 23. - 27. März 1915 vor den Oberklassen der Stadtmädchenschule, der Volksmädchenschule, der Haarentor- und der Bürgerfelder Schule [5].

Kriegskochkurse des Nationalen Frauendienstes

Der Oldenburger NF. organisierte seit Anfang 1915 Kriegskochkurse in städtischen Schulküchen, deren hauptsächlicher Nutzen darin bestand, „dass die Notwendigkeit des Sparens mit Lebensmitteln, das Nachdenken über vernünftiges Kochen in eindringlicher und anschaulicher Weise weiten Kreisen unserer Frauenwelt zum Bewußtsein gekommen ist“ [6]. Vom 25. Januar bis zum 14. April zählte der Kurs 477 Teilnehmerinnen, von denen jede an drei Abenden kochte. 30 weitere Frauen beteiligten sich an einem Probekochen für Klippfischgerichte, andere besuchten eine von der ZEG in Oldenburg organisierte Kochvorführung. Nach Abschluss der Kurse richtete Anna Habben einen Sonderlehrgang in der Schulküche an der Milchstraße ein, „wo den Müttern ihrer Schülerinnen das Kochen einfacher, kriegsmäßiger Gerichte gezeigt wird und Kostproben gegeben werden“, wofür der NF. wiederum die Kosten übernahm [7].

Ausstellungen „kriegsmäßiger“ Gerichte

Mit zunehmender Nahrungsmittelverknappung und beginnender Rationierung veränderten sich die Formen und Themen der Ernährungsaufklärung. Der Hausfrauenverein für Stadt und Umland etwa veranstaltete seit Dezember 1915 Ausstellungen „kriegsmäßiger“ Gerichte [8]. Eine Ausstellung am 9. Februar 1916 diente angesichts des akuten Fleischmangels dem Zweck, „den Hausfrauen, die sich nur schwer mit ihrem Küchenzettel den fleischlosen Tagen anpassen können, eine Auswahl von solchen Gerichten an die Hand zu geben, die, ebenso nahrhaft und schmackhaft wie Fleisch, dieses voll ersetzen können“ [9]. Zudem sollte die Ausstellung zeigen, „daß auch wir Oldenburger es verstehen und immer mehr lernen werden, uns den Bedingungen der heutigen Zeit anzupassen“ [10].

Frauenvereine in der Kriegsfürsorge

Tatsächlich engagierten sich die städtischen Frauenvereine nicht allein in der Lebensmittelpropaganda. In Oldenburg gründeten sie etwa große Massenspeiseeinrichtungen – die Oldenburger Volksküche sorgte täglich für Hunderte von Mahlzeiten. Eine speziell eingerichtete Kinderküche wurde geschaffen, dazu engagierten sich die Frauenvereine in der Säuglingsfürsorge, in der Erziehungsberatung und auf vielen weiteren sozialpolitisch relevanten Gebieten mehr. Tatsächlich gelang es ihnen auf diesem Wege, zu relevanten, ja unverzichtbaren Stützen der lokalen Gesellschaft im Krieg zu werden.

[1] Zur Entstehung und Entwicklung des NF. vgl. u. a. Jahrbuch des Bundes Deutscher Frauenvereine, Kriegsjahrbuch 1915, S. 26-33; Ebenda 1916, S. 1-12, S. 141-157; Ebenda 1919, S. 115 f. Zur Rolle des NF. in der Hauswirtschaftsaufklärung im Kriege vgl. bes. A. Roerkohl, Hungerblockade und Heimatfront, S. 200-216.

[2] Vgl. Stadtarchiv Oldenburg, Best. 262-1J, Nr. 38, MdI. an Ämter, 13.02.1915. Thorade nahm unter Vermittlung des Staatsministeriums als erste Oldenburgerin im Winter 1914/15 an einem Rednerkurs zur Volksernährung teil.

[3] Ebenda, Notiz zur Einladung, o.D.

[4] Vgl. Ebenda, Oberschulbehörde Hamburg an Lehrerinnenverein Oldenburg. Der Magistrat unterstützte die Teilnahme der Damen durch einen Zuschuss von 30,- M. (für H. Herford) bzw. 70,- M. (für A. Habben).

[5] Vgl. Ebenda, Schriftwechsel Mag. und Schulen, 16.03. bzw. 22.03.1915.

[6] Best. 262 1J Nr. 39, NF. (Henny Böger) an Mag., 03.05.1915. Der Gesamtstadtrat bewilligte zur Kostendeckung 600,- M., von denen aber nur 340,- M. verbraucht wurden.

[7] Ebenda.

[8] Vgl. Nachrichten für Stadt und Land, Nr. 344, 16.12.1915, S. 838. Die erste, nur zweistündige Ausstellung im kleinen Saal der Union wurde gut besucht.

[9] Ebenda, Nr. 35, 06.02.1916, S. 349.

[10] Ebenda, Nr. 37, 08.02.1916, S. 365.

Dr. Richard Sautmann, Dr. Richard Sautmann

Richard Sautmann - Dr. Richard Sautmann, von Beruf Historiker und freiberuflicher Autor. Nach dem Magisterstudium an der Universität Oldenburg und ...

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