Nach dem Anfang der Woche offenbar Zehntausende gegen das Mullah-Regime auf die Straße gegangen sind, und sich erneut Szenen wie bei der sogenannten "Grünen Revolution" im Jahr 2009 abgespielt haben, beginnen die Machthaber jetzt aktiv, diesen Entwicklungen gegenzusteuern. Regierungstreue Demonstrationen sollen nach dem heutigen Freitagsgebet der iranischen Oppositionsbewegung ihr angebliches Scheitern vor Augen halten. Hauptziel der Regierungs-Demonstrationen seien dabei Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karrubi, zwei Schlüsselfiguren der Opposition, die bereits unter Hausarrest stehen. Während der Proteste zu Beginn der Woche wurden ihre Telefonleitungen unterbrochen sowie ihre Häuser bewacht. Die beiden Symbolfiguren der sogenannten "Grünen Bewegung" werden als Verschwörer dargestellt, gegen die heute, nach dem Freitagsgebet, landesweit demonstriert werden müsse.

Die Schuldigen sind bereits gefunden

Das iranische Parlament hat bereits mit großer Mehrheit ein Papier ratifiziert, welches Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karrubi als leitende Köpfe einer Verschwörung bezeichnet. Es ist zwar richtig, dass die Stimmen der beiden Reformpolitiker von der Opposition sehr ernst genommen werden, doch die iranische Opposition ist vor allem die iranische Jugend, die das System nicht reformieren, sondern gänzlich abschaffen will. Im iranischen Parlament ließ man sich dennoch dazu hinreißen, in Sprechchören den Tod der beiden Reformer zu fordern. Aus westlicher Sicht ein unvorstellbarer Vorgang.

Das Regime in Teheran ist nervös

Obwohl Zustände wie in Ägypten vor der Revolution noch nicht erreicht sind, fürchten sich die Machthaber in Teheran sehr vor einer Revolte der Bevölkerung. Zum einen haben sie selbst mit der Hilfe breiter Massendemonstrationen im Jahr 1979 die Macht ergriffen, und wissen wie wirksam dieses Instrument ist. Und am Beispiel Ägypten und Tunesien musste ihnen klar werden, dass es den Menschen inzwischen vor allem um eins geht – Demokratie, Menschenrechte, Freiheit. Da derartige Forderungen den islamischen Staat ins Mark treffen, versuchte man die Ereignisse in Kairo einfach umzudeuten – als Fortsetzung der iranischen, islamischen Revolution. Eine leicht zu durchschauende Behauptung, die anhand der realen Ereignisse ad absurdum geführt wurde.

Die Opposition gibt nicht auf

Dies hat die iranische Opposition bisher nicht abschrecken können, ihren Kampf um Freiheit fortzuführen. Für den kommenden Samstag sind bereits weitere Demonstrationen gegen das Regime geplant. Nach der Ankündigung der Machthaber, regierungstreue Demonstranten zu mobilisieren, könnte es also wieder zu einem Schlagabtausch wie auf dem "Platz der Befreiung" in Kairo kommen, wo sich Regierungskritiker und Regierungsanhänger heftige Straßenschlachten lieferten. Aber die Entschlossenheit mancher Regierungsanhänger darf bezweifelt werden. Kürzlich haben Mannschaften der Revolutionsgarden, einer Eliteeinheit des Regimes, einen Brief an ihren Kommandeur geschrieben und Besorgnis geäußert, dass man ihnen den Befehl geben könnte, auf ihre Landsleute zu schießen. Dies sei gegen die Regeln des schiitischen Islam.

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