
- Frührente durch seelische Störungen. - Ruth Weitz
"Burn out" ist der Anglizsmus für "ausgebrannt sein". Immer mehr Menschen leiden unter dem "Burn-out-Syndrom", sind dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen, der im Arbeitsleben auf ihnen lastet. Wie die aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) dokumentieren, gehen immer mehr Arbeitnehmer vorzeitig in Rente, weil sie psychisch krank sind.
Seelische Störung führt zur Erwerbsminderung
Die von der DRV ermittelten Daten wurden am 17. Oktober 2011 veröffentlicht. Sie setzen sich aus den statistischen Zahlen des Jahres 2010 zusammen. Wie aus der Studie der DRV hervorgeht, wurden 71.000 Männer und Frauen wegen seelischer Störungen vor Erreichen des Rentenalters von 65 Jahren frühzeitig in den Ruhestand geschickt. Das ist ein deutlicher Zuwachs gegenüber den Zahlen von 2009, wo 64.500 Sozialversicherungspflichtige eine Erwerbsminderungsrente beanspruchten.
Frühverrentung durch psychische Erkrankung Hauptursache
Es gibt verschiedene Formen von seelischen Störungen, die unter das "Burn-out-Syndrom" fallen. Depressionen und Phobien, begleitet von Panikattacken, haben laut DRV in den letzten zehn Jahren den Hauptanteil am vorzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben und führten zur Frührente. Im Jahr 2010 betrug der prozentuale Anteil von psychischen Erkrankungen als Hauptgrund für die Frührente 39,3 Prozent. Von den insgesamt 181.000 Arbeitnehmern, die vorzeitig in den Ruhestand gingen, sind laut DRV die meisten psychisch krank. Erst an zweiter Stelle rangieren Erkrankungen des Bewegungsapparates. Rang Drei belegen die Herz-Kreislauferkrankungen als Ursache für eine Erwerbsminderung.
Altersdurchschnitt der Frührentner sinkt
Erschreckend hoch ist der Anteil von jüngeren Menschen, die nicht mehr arbeitsfähig sind. Der Vergleich mit den Zahlen von 1980 spricht eine deutliche Sprache. Damals waren die Arbeitnehmer, die durch Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit eine Frührente erhielten, im Durchschnitt 56 Jahre alt. Zwanzig Jahre später beträgt der Altersdurchschnitt knapp über 50 Jahre. Bei Sozialversicherungspflichtigen, die wegen seelischer Krankheit aus dem Berufsleben ausscheiden, liegt der Altersdurchschnitt noch darunter, nämlich bei 48,3 Jahren. Angesichts der Debatte über die Rente mit 67 und darüber hinaus konterkariert die Realität das Bestreben der Politik, die Menschen immer länger arbeiten zu lassen. Die Vorstandsspitze der Bundesagentur für Arbeit hat sich dafür stark gemacht, die Frührente ganz abzuschaffen, um dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken.
Fehlzeiten im Job durch "Burn out" nehmen zu
Wie die Süddeutsche Zeitung bereits im Juli 2010 berichtete, sind immer mehr Arbeitnehmer krank gemeldet, weil sie am "Burn-out-Syndrom" leiden. Laut einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK wurden deutschlandweit die Daten von 9,2 Millionen Mitgliedern ausgewertet, die in der AOK krankenversichert sind. Im Jahr 2009 betrug die Diagnose"psychische Störungen" als Ursache der Krankmeldung 8,6 Prozent bei den AOK-Mitgliedern. Ein Jahr zuvor lag die Zahl bei 8,3 Prozent.
Quellen:
- Süddeutsche Zeitung
- Stern online
- Deutsche Rentenversicherung (DRV)
