In vielen Talksshows werden Menschen präsentiert, die sich mit ihrer Arbeitslosigkeit gut arrangieren – oder diese sogar noch genießen. Sie verkörpern das Bild der sogenannten Sozialschmarotzer, die eigentlich gar nicht arbeiten wollen und dem Steuerzahler nur auf der Tasche liegen. Die Zuschauer neigen dann dazu, diese Talkgäste als Bruttotypen des Arbeitslosen anzusehen. Doch dies ist nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich bei diesen Menschen eher um Ausnahmen. Denn für die meisten Betroffenen ist Arbeitslosigkeit kein erstrebenswerter Zustand, der sich sogar negativ auf die Psyche auswirken kann.

Die Kündigung – ein Schock

Wem gekündigt wird, erlebt das häufig wie einen Schock. Selbst wenn man schon mit einer Kündigung gerechnet hat, bleibt der Schreck nicht aus. Daneben gibt es auch ein Gefühl des Abgeschobenwerdens. Betroffene schwanken dann zwischen Zukunftsangst und selbstmotivierenden Gedanken wie: Ich finde schon was Neues. Oft erleben sie all diese widersprechenden Gefühle und Gedanken mehrmals am Tag, was emotionalen Stress bedeutet. Sie wollen nicht in Panik verfallen, können sich aber nicht immer dagegen wehren. Auch die Selbstmotivation und Zuversicht halten nicht ununterbrochen an.

Die erste Zeit der Arbeitslosigkeit

Neben den vielen Behördengängen stehen Arbeitslose nun vor dem Problem, keinen festen Tagesablauf zu haben. In der ersten Zeit gehen manche dazu über, weiterhin jeden Tag zur selben Zeit aufzustehen, Bewerbungen zu schreiben oder liegen gebliebene Hausarbeit zu erledigen. Kräfte werden mobilisiert, um den Zustand der Arbeitslosigkeit schnell zu beenden. Andere wiederum nutzen die Gelegenheit, sich mal richtig auszuschlafen. Sozusagen ein Zwangsurlaub, der sicher nicht lange anhalten wird. Doch wenn einige Zeit vergangen ist und noch immer keine neue Stelle gefunden wurde, zeigt sich, dass diese Hilfskonstrukte die Folgen der Arbeitslosigkeit nicht ewig aufheben können. Die Optimisten beginnen langsam an ihren Chancen zu zweifeln und die Zwangsurlauber erkennen, dass man sich nicht wochenlang einfach nur erholen kann. Ständige Entspannung führt zu einem Stress besonderer Art.

Die Arbeitslosigkeit wird zum Stress

Arbeitslose beginnen ihre Situation immer mehr als übergroße Belastung wahrzunehmen. Gerade für die ältere Generation 50plus erweist sich die erzwungene Untätigkeit unerträglich. Wer sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, fühlt sich plötzlich ausgegrenzt und entwertet. Das Selbstbewusstsein sinkt und ist meist gekoppelt mit einem Gefühl der Nutzlosigkeit. Alleinstehende haben darüber hinaus oft noch das Problem, dass sie weniger emotionale Unterstützung erfahren. Neben der finanziellen Absicherung durch einen Partner fehlt ihnen auch die Art an menschlicher Hilfe, welche die Krise erleichtern würde.

Der Wunsch, die Situation zu ändern wächst immer weiter. Doch die mittlerweile immer hoffnungsloser erscheinende Arbeitsmarktsituation scheint jede Bemühung zunichte zu machen. Dies bedeutet Stress. Hier zeigt sich deutlich, dass nicht nur ein zu großes Arbeitsengagement belastend sein kann, sondern auch die erzwungene Untätigkeit. Hinzu kommt, dass Betroffene ihre Arbeitslosigkeit häufig als gesellschaftliches Stigma erleben. Kaum jemand gibt gern zu, ohne Arbeit zu sein. Außerdem zeigt sich, dass die Gesellschaft scheinbar sozial unangemessene Bewältigungsformen der Betroffenen diesen anlastet. Wer zu schlecht mit seiner Arbeitslosigkeit zurechtkommt, erhält häufig den Stempel „nicht arbeitsfähig oder -willig“. Wer hingegen nach außen hin zu gut mit seiner Arbeitslosigkeit leben kann, dem wird ein Selbstverschulden an seiner Situation vorgeworfen.

Der Stress hat psychische Folgen

Wer nach einiger Zeit noch immer keine neue Anstellung finden konnte und sogar in den Hartz-IV-Bezug abgerutscht ist, ist meist in einer Situation der Hoffnungslosigkeit, Resignation oder Wut gefangen. Das Selbstbewusstsein ist nun am Boden, da scheinbar niemand an einem interessiert ist. Hinzu kommen die immer größer werdenden finanziellen Ängste. Jeder Betroffene reagiert unterschiedlich darauf, doch ist es auffällig, dass ein hoher Teil der depressiven Patienten von Arbeitslosen gestellt wird. Auch ein steigendes Suchtverhalten als Ablenkung von der hoffnungslos erscheinenden Situation ist zu beobachten. Natürlich trifft dies nicht auf alle Betroffenen zu, doch der Prozentsatz ist recht hoch.

Wer die Folgen der Arbeitslosigkeit so intensiv spürt und vielleicht sogar psychosomatische Krankheitsbilder entwickelt, ist meist aktuell sowieso nicht arbeitsfähig. Und dies bewirkt einen Teufelskreis, aus dem der Betroffene nicht von selbst wieder heraus kommt. Professionelle Hilfe in Form von Betreuungen, ärztlichen Behandlungen und arbeitsmarktintegrierenden Maßnahmen sind mitunter nötig, um den arbeitslosen Menschen psychisch wieder so weit zu stabilisieren, damit er überhaupt wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat.

Quellen: wissenschaft-online.de

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