
- Mobbing - Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Mobbing lässt sich kurz gefasst als psychische Gewalt beschreiben, die sich bewusst meist gegen eine alleinstehende Person richtet und zur sozialen Isolierung führen kann. Diese abweisende Haltung kann in vielen diversen Lebensbereichen zu finden sein, wie beispielsweise am Arbeitsplatz, im Internet oder in der Schule. Die Folgen dieser ständigen psychischen Gewalt werden oft unterschätzt. Die Auswirkungen können Depressionen, Angststörungen, Süchte und psychosomatische Erkrankungen sein.
Diese schwerwiegende Art der Gewaltausübung scheint besonders in den Schulen immer populärer zu werden.
Die Opfer können sich meist nicht wehren und auch die Suche nach Hilfe fällt oft schwer. Vor allem der Unterschied zwischen Mädchen und Jungs ist gravierend, da das „starke Geschlecht“ häufig keine alternativen Hilfen akzeptiert. Auch scheint die Hilfe bei Mitschülern oder Lehrkräften oft nicht vorhanden zu sein. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler treffen immer wieder auf Missverständnis und fühlen sich nicht akzeptiert, teilweise auch bloßgestellt und in verletzbaren Situationen, wie beispielsweise bei einem klärenden Gespräch, erniedrigt. Gleiche Erfahrungen schildert autobiografisch auch Sylvia Hamacher.
Die 17 jährige Jungautorin aus Nordrhein-Westfalen verarbeitet ihre negativen Erlebnisse des Themenkomplexes Mobbing in ihrem Buch mit dem Titel “Tatort Schule- Gewalt an Schulen“
Die fast schon fiktiv klingende Beschreibung, welche die Protagonistin in ihrem Werk aufführt, ist leider Realität. Durch einen geradezu obsolet klingenden auslösenden Faktor beschreibt die Jungautorin, wie sich der ganz normale Schulalltag allmählich in eine Höllenfahrt entwickelt. Die sonst immer beliebte Schülerin wird gemobbt, beschimpft und teilweise missachtet, bis ihr Schulalltag unerträglich scheint.
Sie sucht Hilfe bei ihrem Lehrer, der durch ein offenes Gespräch mit der gesamten Klasse eine Lösung für das ernstzunehmende Problem finden soll. Doch die erhoffte Hilfe entwickelt sich zu einem nicht enden wollenden, erniedrigenden Prozess. Das Gespräch beginnt relativ zurückhaltend. Kaum ein Schüler möchte sich über das angeführte Problem äußern. Wegschauen wird auch hier wieder in den Mittelpunkt gestellt. Genau so abrupt, wie das Desaster angefangen hat, entwickelte sich auch das Gespräch zu einer äußerst negativen Wende. Das Opfer wird mit einer derben Fäkalsprache von ihren Mitschülern beschimpft. Die gesamte Tragödie spielt sich direkt vor den Augen ihres Lehrers ab.
Diese schier endlos erscheinende Erniedrigung führt bei der Betroffenen zu einer kurzzeitigen Demenz. Sie möchte das Erlebte einfach vergessen, schaltet vollkommen ab. Dieses drastisch beschriebene Bild ist eines der einschneidenden Erlebnisse, welche die Jungautorin in ihrem Werk verarbeitet.
Doch wie soll man in Zukunft mit dem Thema umgehen? Wer schlägt Alternativen vor?
Eine Möglichkeit bietet eine aktuelle Parlamentsinitiative im nordrhein-westfälischen Landtag gegen Mobbing und Gewalt an Schulen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Ralf Witzel, nimmt dieses Thema äußerst ernst. Bereits im Juli diesen Jahres trifft dieser sich mit der 17-jährigen Schülerin, um mit ihr über das Problem zu sprechen und näheres über ihr Buch zu erfahren.
Die Folgen lassen den FDP Politiker nicht unberührt.
Er spricht das Problem im Düsseldorfer Landtag offen an, um eine Lösung zu finden. Daraus ergeben sich Ansätze einer Parlamentsanfrage an die verantwortliche Landesregierung wie: „Wie beurteilt die Landesregierung die in der erwähnten Buchpublikation "Tatort Schule" beschriebenen Sachverhalte einer Schule im Ruhrgebiet und deren Repräsentativität für viele weitere Mobbingopfer unter unseren Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen?“ oder „Welche Erkenntnisse liegen der Landesregierung angesichts der sicher hohen Dunkelziffer von aus Angst und Scham unterblieben förmlichen Strafverfahren zu den Erscheinungsformen, der Verbreitung und der tatsächlichen quantitativen Betroffenheit von Mobbing unter nordrhein-westfälischen Schülern vor?“.
Dadurch, dass mutige Opfer wie Sylvia Hamacher über das Problem offen sprechen können und sich jemand dem Problem annimmt, wie beispielsweise im nordrhein-westfälischen Landtag, lässt sich in naher Zukunft eine Lösung dieser „sozialen Schwäche“ finden. Trotzdem heißt es für alle Betroffenen:
