Psychologische Beratung in einem Urlaubsaufenthalt hat Vorteile

Psychologie im Tourismus - Sabine Kranich
Psychologie im Tourismus - Sabine Kranich
Wer sich entschließt, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen in Verbindung mit einem Urlaubsaufenthalt, kann von positiven Begleitfaktoren profitieren

Inhaltlich sind für ein Angebot „Urlaub und Psychologie“ alle Kurzzeittherapien geeignet, Entspannungsverfahren, zielorientierte Gespräche oder psychologische Lebensberatung. Ziel ist es, einen Problembereich innerhalb eines zeitlich begrenzten Urlaubsaufenthalts so weitgehend wie möglich aufzuarbeiten und mögliche Lösungsstrategien zu entwickeln. Eine Zielgruppe sind Personen, die für eine Zeit lang an einem attraktiven Reiseziel aus ihrer alltäglichen Lebenssituation aussteigen wollen und dabei mehr über sich selbst erfahren oder etwas aufarbeiten wollen.

Anonymität und eine veränderte Beziehungsdynamik der Daheimgebliebenen

Anders als in den USA ist es in Deutschland nach wie vor nicht alltäglich, bei Lebensproblemen einen Psychologen aufzusuchen. Hier kann auch die Überlegung eine Rolle spielen, wie Freunde und Bekannte auf einen solchen Entschluss reagieren werden. Ein psychotherapeutisches Angebot im Urlaub zu nutzen, sichert Anonymität, nur Mitmenschen, die man selbst bestimmt, werden davon informiert. Bei Partnerschaftskonflikten kann es einen weiteren Vorteil darstellen, wenn einer der Partner für einen fest umrissenen Zeitraum das Spannungsfeld verlässt. Dies kann sich durchaus auch auf familiäre Probleme auswirken: Systemisch betrachtet, ändert sich die Dynamik in einem Familien- oder Beziehungsverband, wenn eines der Familienmitglieder fehlt, sei es auch nur für die Dauer eines Urlaubsaufenthalts. Indem sich die familien- oder partnerschaftliche Beziehungsdynamik ändert, bekommen die Probleme im Beziehungs- oder Familiensystem unter den Daheimgebliebenen eine andere Wertigkeit. Die „Daheimgebliebenen“ müssen sich neu orientieren und untereinander anders organisieren. Die „weggegangene Person“ hat dagegen eine „Auszeit“, Zeit für sich selbst, Ungestörtheit und das alles noch in einem attraktiven Urlaubsgebiet, mit einem eigenen Therapeuten.

Eins-zu-Eins-Beratung: eine individuell ausgerichtete, psychologische Intervention

Bucht ein Klient vorab psychologische Beratung an seinem Urlaubsort, ist es möglich, für die Dauer des Urlaubsaufenthalts einen Therapieplan aufzustellen, der in großem Ausmaß auf die vorhandene Problemstellung eingeht. Dies betrifft sowohl die Anzahl der Beratungsstunden als auch die Methodik. Verhaltenstherapeutische Methoden sind für eine Kurzzeittherapie ebenso geeignet wie zielorientierte Gespräche oder kreative Arbeit in Trance. Klient und Therapeut können vor Ort individuelle Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigen. Wohnen Klient und Therapeut am gleichen Ort, ist die Ansprechbarkeit einer Vertrauensperson gewährleistet, der Therapeut ist in Reichweite und kann auch außerhalb der psychologischen Beratungsstunden im Notfall kontaktiert werden. Der Klient kann sich geborgen fühlen, abgeschottet von seinem Alltag, es wird ihm unter anderen Rahmenbedingungen Zeit für sich selbst gegeben. Das Beratungsangebot muss auch nicht zwangsläufig immer in einem Therapieraum ablaufen, möglich sind durchaus auch gemeinsame Naturspaziergänge oder Ausflüge zwischen dem Psychologen und dem Ratsuchenden; dabei können beispielsweise Elemente der Gestaltpsychologie einfließen.

Sonne, Natur und Tiere als hilfreiche Co-Therapeuten

In einer 1987 durchgeführten Reiseanalyse bevorzugten die Befragten das Meer im Süden, Seen und Inseln im Süden. Schon der in südlichen Ländern regelmäßig vorhandene Sonnenschein kann über ein erstes, eventuell mitgebrachtes Stimmungstief natürlich hinweg helfen. Auf jeden Fall ist gutes Wetter hilfreich in einem co-therapeutischen Sinne. Dieser Effekt kann auch auf einen Aufenthalt in der Natur mit Tieren und Pflanzen zutreffen. Diese Elemente der Natur – Tiere und Pflanzen – werden in vielen Lebensphilosophien für Menschen als heilend angesehen, die wieder zu sich selbst und den Werten ihres Lebens zurückfinden wollen.

Quellen:

Sabine Kranich, Tourismuspsychologie in Schorr, A. (Hsgb), Psychologie als Profession, Das Handbuch, 2003, S. 584-589

Wohlmann, R., Entwicklung des Tourismus 1954-1991, 1993

Sabine Kranich, Foto: Dietfrid Kranich

Sabine Kranich - Als Diplom-Psychologin, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin interessiere mich für andere Menschen und deren Ideen und Strategien, ...

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