Psychology of Vision – gelebte Spiritualität

Pagoda of Six Harmonies, Hangzhou - Sonja Eliane Stenek
Pagoda of Six Harmonies, Hangzhou - Sonja Eliane Stenek
Chuck Spezzano hat mit der Psychology of Vision eine Methode entwickelt, die Psychologie und Spiritualität vereint. Wozu kann dieses Modell genutzt werden?

Ausgehend von der Annahme, dass unsere inneren Themen uns im Außen konfrontieren, hat Chuck Spezzano die Psychology of Vision entwickelt. Ursprünglich hat der Psychologe und Theologe eine Möglichkeit gesucht, um seine schmerzvollen Beziehungserfahrungen zu durchschauen und zu durchbrechen.

Liebe oder Angst: Einer der beiden Zustände ist immer präsent

Die Annahme, dass entweder Liebe oder Angst vorherrscht, zeigt sich in verschiedenen spirituellen als auch esoterischen Disziplinen. Im Buddhismus wird dem Thema mit der Qualität von Metta begegnet: Die wohlwollende Güte ist ein Prinzip, das jedem Menschen innewohnt und letztlich zu Glückseligkeit führen soll. Durch das Öffnen des Herzens für das, was ist – auch Bodhichita (das erwachte Herz) genannt – wird Glück erfahren. Die Technik von Metta lebenspraktisch anzuwenden, heißt nichts anderes, als den Lebensumständen ein tiefes „Ja" zu widmen und sich den Gegebenheiten hinzugeben. Durch ein Zulassen von dem, was das Leben gerade präsentiert, entsteht ein Fließen der Energie, was ein zutiefst menschlicher Urzustand ist. Ausgehend davon, dass jeder Mensch die Fähigkeit zur All-Liebe in sich trägt – im Buddhismus wird auch von Buddha-Natur oder Zen-Geist gesprochen – soll versucht werden, diesen Zustand wieder zu erreichen.

Liebe ist immer und überall vorhanden

Oftmals fällt es schwierig zu erkennen, dass in jeglicher Lebenssituation, auch wenn diese noch so schwierig und verdrießlich erscheint, Liebe steckt beziehungsweise zumindest die Möglichkeit vorhanden ist, Liebe zu erleben. Letztlich passiert es durch unliebsame Situationen und Emotionen, dass der Fluss der Liebe durch das Nicht-Wollen unterbrochen wird. Dieses Prinzip ist ein zutiefst menschliches, da versucht werden möchte, jegliche Situation unter Kontrolle zu halten und durch das Bewerten in „erwünscht" und „unerwünscht" eine Klassifizierung passiert. Unerwünschtes wird bekämpft, was jedoch zu verstärkten Problemen führt. Die Tatsache, dass manche Situationen einfach da sind und nicht bekämpfbar sind, gilt es anzuerkennen und anzunehmen. Das Loslassen und Zulassen von allem, was kommt stellt eine große Herausforderung dar, führt aber letztlich in die Heilung von Herz, Geist und Seele. Die Kraft, die aufgewendet wird, um gegen einen Zustand, eine Situation oder Eigenschaften eines Gegenübers geht, die in die Kategorie „unerwünscht" fällt, geht nur an unsere Ressourcen und verändert nichts. Die Macht der Veränderung liegt im Fließen-Lassen und dem Sich-Stellen, was das Leben an Entwicklungspotential in sich birgt.

Die Erkenntnis zu entwickeln, dass im Leben alles seinen Sinn und Zweck er füllt, aber manchmal im Moment selbst noch nicht gesehen werden kann, hat eine zutiefst befreiende Wirkung. Das Ankämpfen bringt Energieverlust, psychosomatische Krankheiten und Unwohlsein. Warum sollte dies also fortgesetzt werden? Leben integriert immer positive als auch negativ bewertete Umstände, die jedoch alle zur persönlichen Weiterentwicklung dienen können, sobald dies auch erkannt wird.

Quellen:

Heiler der gebrochenen Herzen

Spezzano, Chuck: Wenn es verletzt, ist es keine Liebe. Die Gesetzmäßigkeiten erfüllter Partnerschaft. Goldmann Arkana Verlag. München, 2005. 6. Auflage

Stenek, Sonja Eliane: Buddhistische Ethik - Heilsame und unheilsame Handlungen

Stenek, Sonja Eliane: Wege zum Glück – ein Blick auf die buddhistische Lebensphilosophie

Stenek, Sonja Eliane: Umgang mit Angst und Sorgen in der Buddhistischen Psychologie

Mag. Sonja Eliane Stenek, Mag. Sonja Eliane Stenek

Sonja Eliane Stenek - Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Psychosomatik, depressive Erkrankungen, Angststörungen, Begleitung in Krisen insbesondere bei ...

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