
- Tannhäuser für Kinder - adlugo
Bayreuth, 21. Juli 2010 | Morgens um zehn Uhr ist Einlass für das "3. Public Viewing der Bayreuther Festspiele", und viele Kinder in Begleitung ihrer Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel nutzen es.
Public Viewing bei den Bayreuther Festspielen
Das Wetter ist schön – zu schön und zu heiß. Zwei Wochen lang hatte es vorher geregnet. Boden, Bäume, Luft speichern viel Feuchtigkeit. Die Tröpfchen wirkten bei plötzlichen 30 Grad im Schatten wie Brenngläser auf der Haut. Die Sonne brennt unbarmherzig auf die Zuschauer, die sich teils mit selbst gebastelten Zeitungshüten, gesponserten Kappen oder gekauften Bayreuth-Schirmen schützen. Leider scheint die Sonne auch auf die riesige, neunzig Quadratmeter große Leinwand. Dadurch sind die Szenen im „Tannhäuser“, der Opernfassung für Kinder, manchmal schwer zu erkennen.
Auch die Pausen gehören zu einem Opernbesuch, besonders im Bayreuther Festspielhaus
So richtig los geht es für die Kinder nach der Vorstellung, denn da dürfen sie sich schminken lassen, verkleiden, eine Wand mit ihren Eindrücken aus der Oper bemalen. Die Rüstmeisterei ist anwesend und auch Orchestermusiker, die ihre Instrumente vorstellen.
Allmählich füllt sich der Volksfestplatz mit Besuchern, von denen einige ihre Klappstühle, Sonnenschirme, Decken für den Abend, Picknickkörbe und Kühlboxen mitbringen. Ganze Familien oder Freunde sitzen zusammen, feiern ihre Party im kleinen Kreis und freuen sich auf die Opernübertragung.
Kulinarische Genüsse auf dem Volksfestplatz in Bayreuth
Gezählt werden insgesamt 40.000 Zuschauer, von denen allerdings nicht immer alle anwesend sind. Eltern mit ihren Kindern verlassen den Platz schon früher. Andere kommen erst zum zweiten oder dritten Akt.
Hungern und Dursten muss keiner während dieses Tages, denn am Rande sind Restaurants in Zelten aufgebaut. Von mexikanischen Burritos bis fränkischen Schäufele mit Kloß, von Kaffee und Kuchen bis Antipasti und Cuba Libre reicht das Angebot – und nicht zu vergessen die Spezialitäten aus dem Eiscafé.
Bayreuther Festspiele 2010: Einmalig gespannte Stimmung in der Siemens Festspielnacht
So bunt und fröhlich es in der Pausen zugeht, so konzentriert verfolgen die Zuschauer die Aufführungen. Es herrscht eine ähnliche Stille wie im Opernhaus. Je später der Tag, umso besser ist die Bildübertragung der Oper "Walküre" auf der Leinwand zu sehen. Im dritten Akt, als es schon dunkel ist, kommen die Bilder brillant herüber. Der Ton hat sich gegenüber den letzten Jahren deutlich gebessert. Die unvergleichliche Akustik des Festspielhauses allerdings ist durch keine Technik zu ersetzen.
Musikalische (Festivalnight) Sternstunden in der Walküre am 21. August 2010
Wie bei jeder Life-Vorstellung ist keine Aufführung wie die andere. Es ist immer ein neues Zusammenspiel von der Tagesform aller Beteiligten – Solisten, Chor, Dirigent, Orchester, Technik...
Mit dieser Walküre erleben die Zuschauer eine musikalische Sternstunde. Im Festspielhaus lässt Johan Botha seine „Jahrhundertstimme“ besonders farbenfreudig erstrahlen. Durch einen technischen Fehler, der nach dem ersten Akt behoben ist, kommt es auf dem Volksfestplatz nicht so genau an. Alle können allerdings das hervorragende Zusammenspiel des Festspielorchesters unter der Leitung von Christian Thielemann hören. Selbst für die über-kritischen Musiker, für die ein verpasster Einsatz oder eine Differenz von einem Sechzehntelton schon fast ein Weltuntergang bedeutet, ist diese gelungene Vorstellung ein Grund zum Feiern. In unterschiedlichen Formationen bevölkern sie die Bayreuther Gaststätten. Währenddessen feiern die Besucher mit den Solisten, die nach der Vorstellung noch auf auf den Volksfestplatz kommen.
Kompliment an die Veranstalter der Siemens Festspielnacht für diesen gelungenen Tag
Die vorbildliche Organisation der Siemens Festspielnacht fängt schon am Eingang an. Freundliche Wachposten fragen nach Glasflaschen oder Messern. Damit werden schon einmal störende Randalierer ferngehalten. Auf dem Festspielplatz laufen überall Frauen und Männer mit farbigen T-Shirts herum, schwarz mit der Aufschrift "Walküre", grün mit dem Logo des Sponsers. Letztere kümmern sich um die Kinder. Alle "Ordner" geben freundlich Auskunft vom Toilettenwagen bis zu Anfangs- und Schlusszeiten.
Zwei lebende Opernführer erklären alles rund um die Walküre, den Ring, Richard Wagner und seine Musik, die Bayreuther Festspiele.
Der Moderator Axel Brüggemann führt in den Pausen und vorher und nachher durch das Programm. Er führt in die Zelte der Theaterpädagogen, lässt sich schminken, spricht mit Besuchern und zum Abschluss mit den Sängern. Als er (fix und) fertig ist, kann auch die Festivalnight als beendet betrachtet werden.
