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"Punch-Drunk Love": Märchenhaft-grotesker Liebesfilm

Punch-Drunk Love mit Adam Sandler und Emily Watson - Senator Film
Punch-Drunk Love mit Adam Sandler und Emily Watson - Senator Film
Der Liebesfilm von P.T. Anderson mit Adam Sandler und Emily Watson ist eine wunderbare Melange von Komödie, Groteske, Satire und Drama

Es gibt nur sehr wenige Liebesfilme, die die reine Schönheit der Liebe propagieren, wie sie einst Shakespeare in "Romeo und Julia" verewigte. Die eine Liebe darstellen, die weit über eine weltliche Beziehung hinausgeht. Die die Geborgenheit, den Schutz, den die Liebe bieten kann, porträtieren. Die eine Liebe zeigen, die Leben retten, Schwache stark machen kann. "Punch-Drunk Love" ist so ein Liebesfilm, der die reinste Form der Liebe zeigt, die naiv und hoffnungsvoll und zutiefst berührend, aber niemals kitschig ist, sondern wahrhaftig und so schön, dass die Realität sie lügen strafen muss und dennoch möchte man als Zuschauer so gerne daran glauben.

Adam Sandler als traurigster Mann der Welt in "Punch-Drunk Love"

"Punch-Drunk Love" zeigt den traurigsten Mann der Welt. Barrys (Adam Sandler) Leben ist so wie sein blauer Anzug: öde und geschmacklos. Er arbeitet in einer kahlen Firma, die irgendetwas Sinnloses herstellt. Er kauft aus unerfindlichem Grund Tonnen von Pudding, der ihm Bonusmeilen einbringt (bald wird ein Grund dafür da sein). Manchmal, wenn er seine sieben Schwestern auf einmal trifft, rastet er aus und zerschlägt Scheiben. Man kann es ihm nicht verdenken. Immer ist er nur der Loser, wird schamlos und hysterisch von seinen Schwestern als solcher bezeichnet, und immer duldet er stillschweigend und zu nett für diese Welt. Doch irgendwo, verborgen, liegt großes Potenzial unter dieser unauffälligen, schüchternen Fassade. Nur ist da zunächst niemand, der es erkennt und weckt.

Dann ändert sich sein Leben. Er stößt auf ein Harmonium, ein paar brutale Sex-Hotline-Gangster (u.a. Philip Seymour Hoffman) und auf Lena (Emily Watson). Lena geht mit Barry essen, Lena bittet Barry, sie zu küssen, Lena liebt Barry. Und Barry liebt Lena. Das macht ihn stark, so stark, dass er den Gangstern furchtlos entgegen tritt, mutig eine seiner Schwestern anschreit und seinen Job schließlich einfach links liegen lässt, um zu Lena zu fliegen.

"Punch-Drunk Love" von Paul Thomas Anderson als wunderschöne Liebesgeschichte zwischen Groteske und Tragikomödie

Sehr simpel erscheint diese Geschichte, doch ist sie von Regisseur Paul Thomas Anderson wunderschön umgesetzt. Sein Film "Punch-Drunk Love" ist von Zeit zu Zeit eher als Groteske denn als Tragikomödie zu sehen. Blütenreine Liebe steht oft zügelloser Gewalt gegenüber, manchmal verschränken die beiden sich gar. Manche dieser Ideen und Bilder voll Innovation und atemberaubender Schönheit können ihren Ursprung nicht in dieser Welt haben – und das ist gut so. Wie sonst könnte man eine Liebe als Kontrast zu Formlosigkeit und Kälte darstellen? So ist vor allem die Fantasie des amerikanischen Independentgenies Paul Thomas Anderson ("Magnolia", "There Will be Blood") hervorzuheben, die unerschöpflich zu sein scheint und jede schon perfekte Szene mit einem optischen und inhaltlichen Sahnehäubchen garniert, das noch mehr Tiefe und Schönheit herstellt.

So gibt es Szenen wie die, in der Barry verzweifelt durch die verwirrenden Gänge in Lenas Wohnhaus irrt, um ihre Tür zu finden und sie endlich zu küssen, zum ersten Mal. Oder die, als sie sich in Hawaii wiedertreffen und sich ihre umschlungenen Gestalten nur als schemenhafte Schatten in einem Torbogen abzeichnen, während Menschenmassen um sie herumtreiben.

Die unerwartet wunderbaren Darsteller von "Punch-Drunk Love"

All das ist so unglaublich schön, dass sogar Adam Sandler, der Pausenclown, einen unerwartet tiefgründigen Platz darin findet. Sehr zurückhaltend spielend, so dass der Komiker in ihm zurücktritt, passt sein regungsloses Dumpfpacken-Gesicht seltsam wunderbar in diese Geschichte, diese Szenerie, diese Dialoge und zu Emily Watson, die schon so mancher außergewöhnlichen Figur ihre Gestalt lieh. Sie ist wie immer liebenswert, hinreißend schüchtern, tief im Innern sehr traurig und wundervoll. Der großartige Anderson-Stammschauspieler Philip Seymour Hoffman tut dabei als brutaler Gangster nur noch sein Übriges.

Eine Konsum-Satire über die befreiende Wirkung der Liebe

Dabei wagt der Film "Punch-Drunk Love" neben der süßlichen Liebesgeschichte, die ganz auf die befreiende Kraft der Liebe setzt, die ihre Protagonisten aus allen Gefängnissen des Lebens erlöst, und der brutal-komischen Gangster-Geschichte noch zusätzlich eine zarte, satirische Kritik der amerikanischen Gesellschaft. Er porträtiert ein Land, das aus Absurditäten, aus hässlichen, kahlen Lagerhallen, aus grellen, aufdringlichen Supermärkten und aus hysterischen, aber gefühllosen und dumpfen Menschen besteht, all das kameratechnisch herrlich in grell-kahlen Kulissen eingefangen.

Originaltitel: "Punch-Drunk Love“

Regie: Paul Thomas Anderson

Produktionsland und -jahr: USA 2002

Filmlänge: ca. 95 Minuten

Verleih: Senator Film

Darsteller: Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Guzmán