Punktesystem zur Belohnung

Erziehung durch positive Anreize für das Kind

So könnte ein Punkteplan aussehen - Elvira Lauscher
So könnte ein Punkteplan aussehen - Elvira Lauscher
Lob bewirkt mehr als Tadel. Dies gilt besonders bei der Erziehung. Wenn das Kind mit eingebunden wird und selbst seine Belohnung bestimmen darf, motiviert das zusätzlich.

Bei jedem Kind gibt es Dinge, die nicht reibungslos ablaufen. Sei es das Zähneputzen ohne fünfmalige Aufforderung, das Zimmeraufräumen oder bei Grundschulkindern das rasche Erledigen der Hausaufgaben. Regelmäßig gibt es dabei Stress in der Familie und die Fronten verhärten sich bei jedem Streit aufs Neue. Hier kann der Punkteplan eingesetzt werden und nützliche Dienste erweisen.

Für Belohnungen selbst verantwortlich sein

Das Prinzip ist einfach. Für Dinge, die gut funktionieren, gibt es eine Punkte-Belohnung. Dinge, die nicht so gut funktionieren, erhalten keine Punkte. Die Punkte lassen sich für besondere Dinge sammeln. Das Kind ist also selbst dafür verantwortlich, wenn es sich bestimmte Sachen oder Freiräume „erarbeiten“ will. Strafpunkte gibt es nicht. Der Punkteplan kann auch schon bei sehr kleinen Kindern eingesetzt werden.

Die Wünsche des Kindes herausfinden

Damit das Prinzip wirklich gut funktioniert, müssen sich Eltern und Kind gemeinsam über die Belohnungen und die Punktevergabe einig sein. Wenn auch der Anstoß von der Mutter oder dem Vater kommen muss, so sollte nichts über den Kopf des Kindes hinweg entschieden werden. Begonnen kann ein solches Gespräch mit der Frage, was das Kind denn gerne mag. Die Wünsche ändern sich natürlich mit dem entsprechenden Alter.

Belohnung festlegen

Während Kindergartenkinder noch oft Süßigkeiten, ein Eis oder Fernsehen sagen, werden ältere Kinder Nintento-DS, Computer spielen oder ins Schwimmbad gehen wollen. Wichtig ist, dass gemeinsam verschiedene Belohnungen überlegt werden. Ausschließlich Süßes ist natürlich ein ebenso falscher Ansatz, wie nur ein erweitertes Medienangebot. Sinnvoll wäre ein gutes Mischverhältnis zwischen kleinen Belohnungen (Süßigkeiten, Gameboy-Zeiten etc.) und großen Belohnungen, auf die man sparen muss. Das kann ein Schwimmbad- oder Kinobesuch sein, aber auch mal eine Stunde Spielzeit mit Papa oder Mama oder gar der Besuch eines Freizeitparks. Dies sollte auf einer vom Kind lesbaren Liste (bei Vorschulkindern die Liste oft vorlesen!) aufgeschrieben werden. Besondere Wichtigkeit bekommt dieses Blatt auch, wenn sowohl das Kind, als auch alle anderen im Haushalt lebenden Personen dieses unterschreiben wie einen wichtigen Familienpakt.

Punkte einlösen und durchstreichen

Dann müssen natürlich die Dinge besprochen werden, die geändert werden müssen. Der Erwachsene sollte klar festlegen, was er erwartet: „Ich möchte, dass du dir gleich die Zähne putzt, wenn ich dies das erste Mal sage.“ Jedes Mal wenn es funktioniert, gibt es Punkte, die auf eine monatliche Liste gezeichnet oder aufgeklebt werden. Werden Punkte eingelöst, werden diese durchgestrichen.

Monatsplan und Punkteplan für das Kind sichtbar aufhängen

Die Liste mit den Punkten (siehe Muster unten) und die Liste der festgelegten Punkt-Wertungen sollte für das Kind immer zugriffsbereit sein, am besten an einer Tür auf Augenhöhe festgeklebt sein. So kann das Kind immer seinen genauen Stand überprüfen. Sehr viel mehr Spaß als Punkte zu malen, machen Klebepunkte aus dem Schreibwarenhandel. Die meisten Kinder kleben sehr gerne Aufkleber auf und so ist der Anreiz, Punkte zu notieren, noch größer. Es können auch Punkte gesammelt und in den nächsten Monat genommen werden, doch es sollte immer darauf geachtet werden, dass zwischendurch Punkte eingelöst werden, damit dauernde Erfolgserlebnisse für das Kind fühlbar sind.

Jeden Monat Punkteplan aufs Neue prüfen

Die Einteilung funktioniert meist nicht auf das erste Mal. Manchmal sind die Erwartungen an das Kind zu hoch gesteckt und man geht davon aus, dass es nun aber „klappen“ muss und manchmal ist ein Kind so angespornt, dass es einen positiv überrascht und sich so viele Punkte erarbeitet, dass der Reiz durch die Fülle an Belohnungen auch wieder ins Schwanken kommt. Die Punkte sollten am Ende des Monats so etwa aufgebraucht sein und nur wenige für große Aktivitäten übrig bleiben. Jede Veränderung an der Punkteeinteilung muss in jedem Fall mit dem Kind abgesprochen und auch neu notiert werden. Es darf keine Unklarheiten geben und kein Streit um die Punkte entstehen.

Besonders erfolgreich bei ADS/ADSH-Kindern

Unter ADS (AufmerksamkeitsDefizitSyndrom) und ADSH (AufmerksamkeitsDefizit-/HyperaktivitätsSyndrom) versteht man eine Verhaltensweise, bei der Kinder durch Aufmerksamkeitsstörungen und Unruhe oder starke Verträumtheit auffallen. Diese Kinder brauchen besonders viele klare Regeln und Anweisungen, da sie meist ein gestörtes Zeit-Verhältnis haben. Je mehr Strukturen im Tag eingebaut sind, desto einfacher können sie diesen bewältigen. Der Punkteplan kann eine wirkliche Hilfe und eine gute Bestätigung für das Kind sein, wenn er konsequent benützt wird.

Elvira Lauscher, Elvira Lauscher

Elvira Lauscher - Schreiben ist meine Leidenschaft, mein Beruf und meine Berufung. Ich war 28 Ausgaben für ein Ulmer Magazin Chefredakteurin und habe ...

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