
- Bastion Sowia in Pyrzyce - Harald Rossa
Die auf drei Seiten von großen Feuchtgebieten umgebene Kreisstadt Pyrzyce, deutsch Pyritz genannt, in der polnischen Woiwodschaft Westpommern wurde vor dem Zweiten Weltkrieg auch als das Rothenburg Pommerns bezeichnet. Viel von der historischen Substanz wurde zerstört.
Sehenswürdigkeiten in Pyrzyce
Die Reste der Stadtmauer mit ihren Türmen sind noch immer sehenswert. Das sind Backsteinbauten mit einem Fundament aus Feldsteinen. Die Stadtbefestigung entstand in vier Schritten: 1301 wurde erstmals von einer Stadtmauer berichtet. In der Mitte 14. Jahrhunderts wurden zwei Pforten zu Toren umgebaut und drei Wachtürme wurden zu Wehrtürmen. Im 15. Jahrhundert entstanden drei weitere Wehrtürme und die Mauern wurden verstärkt. Noch im 16. Jahrhundert erfolgten weitere Verbesserungen der Stadtbefestigung
Die Pyritzer Stadtbefestigung erreichte eine Länge von 2.250 Metern. Die Wehrmauer war zwischen sieben und neun Metern hoch und hatte zwei Tore, 44 Wachtürme, 8 Wiekhäuser und 6 Wehrtürme. Vor den Mauern war eine Doppelwallanlage mit bis zu 25 Meter breiten Festungsgräben angelegt. Dazu gehörten vier künstlichen Seen. Aus denen konnten die Gräben bei Bedarf geflutet werden.
Jezioro Miedwie
Der Jezioro Miedwie, deutsch Madüsee genannt, gehört zur Pommerschen Seenplatte und liegt etwa 10 Kilometer nördlich von Pyrzyce. Die Uferlinie des Sees misst rund 39 Kilometer. Am See finden sich Moore und hier ist ein wichtiges Brutgebiet für die Bartmeise. Der Miedwie ist bei Surfern und Seglern beliebt und bietet etliche Badestellen.
Der See wurde 1220 erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit lag der Wasserspiegel etwa 4 Meter höher als heute. Die Mönche des Klosters Kolbatz stauten den Abfluss, die Plonia, des Sees. Dieser Stau wurde 1770 unter der Leitung des Landbaumeisters David Gilly beendet. Dadurch konnten für den preußischen König Friedrichs II. etwa 575 Hektar Land trockengelegt werden. Rund 150 Familien wurden auf dem Neuland angesiedelt. Im Zweiten Weltkrieg wurde am See eine Torpedoversuchsanstalt eingerichtet. Deren Reste sind ein beliebtes Ziel für Taucher.
Zur Geschichte von Pyrzece
Der Bischof Otto von Bamberg taufte 1125 bei Pyritz die ersten Pommern. Bereits 1250 wurde von einer Kirche in dem Ort berichtet. 1256 wurde das Augustinerinnenkloster und 1281 das Franziskanerkloster erstmals erwähnt. 1263 erhielt Pyritz das Stadtrecht.
1493 schloss Herzog Bogislaw mit den Kurfürsten von Brandenburg den Vertrag von Pyritz. Darin wurde die Lehnshoheit Brandenburgs durch Erlass der Lehnshuldigung eingeschränkt. Die Gegenleistung war der Erbanspruch der Hohenzollern auf Pommern für den Fall, dass das pommersche Herzogshaus ausstirbt.
Ein Brand zerstörte 1496 große Teile der Stadt. Eine weitere Feuerkatastrophe gab es 1596. 1634 wurde die Stadt im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges noch einmal durch ein Feuer zerstört.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Teile der Befestigungsanlagen beseitigt.
Ab 1848 war Pyritz Sitz des Landrates für den Landkreis Pyritz.
Ende Januar 1945 verlief die Front zwischen deutschen und sowjetischen Truppen am Stadtrand von Pyritz. Es kam hier zu heftigen Gefechten und erheblichen Zerstörungen in der Stadt, die Ende Februar 1945 von sowjetischen Truppen eingenommen wurde. Im Juli 1945 wurde die Stadt an Polen übergeben und erhielt den Namen Pyrzyce.
Lage und Anreise
Durch Pyrzyce führt die Nationalstraße 3 von Szczecin (Stettin) bzw. Swinoujscie (Swinemünde) nach Gorzow Wielkopolski (Landesberg a. d. Warthe).
Steckbrief von Pyrzyce
- Staat: Polen
- Woiwodschaft: Westpommern
- Landkreis: Pyrzyce
- Gemeindetyp: Stadt und Landgemeinde
- Höhe: 44 Meter über Normal Null
- Fläche: 38,8 Quadratkilometer Stadt, 204,4 Quadratkilometer Gemeinde
- Einwohner am 31.12.2010: 12.693 in der Stadt, 19.520 gesamt
- Gemeindegliederung in 21 Schulzenämter und 3 weitere Ortschaften: Brzesko (Brietzig), Brzezin (Briesen), Czernice (Semsdorf), Gizyn (Giesenthal), Krzemlin (Kremlin), Letnin (Lettnin), Mechowo (Megow), Mielecin (Mellentin), Mlyny (Möllendorf), Nieborowo (Isinger), Nowielin (Naulin), Obromino (Wobbermin), Okunica (Friedrichsthal), Pstrowice (Pitzerwitz), Pyrzyce (Pyritz), Rysewko (Klein Rischow), Ryszewo (Groß Rischow), Rzepnowo (Repenow), Strozewo (Strohsdorf), Turze (Horst), Zabow (Sabow)
- Anschrift der Gemeindeverwaltung: pl. Ratuszowy 1, PL 74-200 Pyrzyce
- Städtepartnerschaften: Bad Sülze in Mecklenburg-Vorpommern, Korbach in Hessen, Vysoke Myto in Tschechien sowie Goleniow (Gollnow) und Zlocieniec (Falkenburg) in Polen
Quellen
- Gmina Pyrzece
- Pommersche Ahnenforschung im Weizackerkreis: Pyritz
- Miedwianski Serwis Internetowy
