Qin Cheng, Chinesischlehrerin

28-Jährige aus Guangzhou unterrichtet Chinesisch an TU Dresden

Qin Cheng mit chinesischer Grafik - Beate Diederichs
Qin Cheng mit chinesischer Grafik - Beate Diederichs
Chinesisch zu lernen ist eine mutige Entscheidung. Denn die Muttersprache von 1,2 Milliarden Menschen gilt zu Recht als schwierig. Qin Cheng vermittelt die Grundlagen.

Was haben "Mutter", "Pferd", "schimpfen" und "wischen" gemeinsam? Wer dabei an seine arbeitsreiche Kindheit auf dem Bauernhof denkt, liegt falsch. "Im Chinesischen werden diese vier deutschen Wörter alle mit der Silbe "ma" übersetzt. Nur die Tonhöhe entscheidet, welche der vier Bedeutungen der Sprecher wählt." Qin Cheng lächelt. Nicht schadenfroh, sondern ermunternd. Die 28-jährige Chinesin aus Guangzhou, deren Namen man "Tschin Tschang" ausspricht, freut sich über jeden Fortschritt ihrer Schüler. Auch wenn sie ihre Anfängerkurse an der TU Dresden stets mit den Worten beginnt: "Chinesisch zu lernen ist eine mutige Entscheidung."

Viele Chinesen lernen Deutsch

Aber eine lohnende, zumindest was die Zahl der potentiellen Gesprächspartner angeht: Rund 1,2 Milliarden Menschen auf der Welt sprechen Chinesisch. Die meisten davon in China und Taiwan, dazu große Minderheiten in anderen Ländern. "Die Schüler hier lernen Hochchinesisch, auch Mandarin genannt. Das beherrschen fast alle Chinesen, obwohl sie sich sonst in einem der vielen Dialekte verständigen", sagt Qin Cheng. Der Dialekt der südchinesischen Region, aus der sie stammt, heißt Kantonesisch. Cheng hat dort vier Jahre Germanistik studiert, bevor sie nach Dresden kam. "Doch ich war mit meinem Deutsch nicht zufrieden und wollte es in Deutschland verbessern." Nach über fünf Jahren hier und einem Aufbaustudium spricht Qin Cheng unsere Sprache nahezu perfekt. "In China wird Deutsch immer wichtiger", sagt sie. Englisch und Japanisch seien dort die am weitesten verbreiteten Fremdsprachen, danach kämen Deutsch und Französisch. "Der wirtschaftliche Austausch mit Deutschland gewinnt an Bedeutung. Man hat in China ein positives Bild von diesem Land."

Nach drei Semestern können die Studenten einfache Alltagsgespräche auf Chinesisch führen

Im Wintersemester 2007/08 begann Qin Cheng, Studenten der TU Dresden zu unterrichten. Sie übernahm zwei Anfängergruppen und lehrt sie in je zwei wöchentlichen Doppelstunden, was es mit chinesischen Schriftzeichen, Phonetik und Grammatik auf sich hat. Rund 100 Studenten lernen an der TU bei Cheng und ihrer taiwanesischen Kollegin Su-jen Chen Chinesisch. "Nach Stufe drei beherrschen sie fast tausend Schriftzeichen und können über Alltagsthemen sprechen." Wenn sich Cheng und die Studenten im ersten Semester einander vorstellen, fragt die Chinesin, warum die jungen Frauen und Männer ihre Muttersprache lernen möchten: "Alle wollen irgendwann nach China fahren, egal ob es nur eine kurze Reise ist oder ein Austausch von zwei Semestern." Manchmal ist auch der Zufall schuld. Eine Studentin wohnte im Wohnheimzimmer mit einer Chinesin zusammen, die sie sympathisch fand. So wollte sie unbedingt mehr über Chinas Kultur erfahren. In Dresden gibt es viele chinesische Studenten. "Man kennt sich und freut sich natürlich, mal wieder Chinesisch sprechen zu können."

Es dauert lange, sich zwischen Schriftzeichen, Silben und Tonhöhen zu orientieren

Qin Chengs Muttersprache ist nicht nur für Europäer schwierig, keine Frage. Über 10 000 Schriftzeichen, 100 Silben, fünf Tonhöhen, bei denen man auch nach Jahren gerne noch eine der vier falschen erwischt. "Im Vergleich dazu ist die Grammatik relativ einfach. Substantive und Verben werden kaum gebeugt. Man zeigt durch Adverbien, ob die Handlung im Präsens oder in der Vergangenheit stattfindet. Und am Anfang umschreiben wir die Schriftzeichen mit dem lateinischen Alphabet, um uns zu merken, was sie bedeuten." Cheng erklärt klar und strukturiert, illustriert mit knappen Gesten. Eine gute Lehrerin. "Ich bin so kommunikativ, dass es mir zu ruhig wäre, nur zu übersetzen." Das macht sie nebenbei aber auch noch. In China könnte sie als Germanistin Deutschkurse geben oder bei einer deutschen Organisation wie dem TÜV arbeiten. "Ich hatte bisher immer beabsichtigt zurückzugehen. Aber jetzt habe ich einen deutschen Freund hier... Mal sehen. Für die nächsten zehn Jahre kann ich noch nicht planen."

Passbild Beate Diederichs, Rechte bei Beate Diederichs

Beate Diederichs - Auf zwei Beinen steht man besser ..... deshalb arbeite ich in zwei Berufen. Vormittags lehre ich Schüler die Feinheiten der ...

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