Qmilch – Mode aus Milchfaser

Mode aus Milchfasern - Lucy M. Laube
Mode aus Milchfasern - Lucy M. Laube
Eine neue Modelinie aus Milch will nachhaltig, bio, antiallergisch, umweltbewusst, antibakteriell sein - und einen Anti-Aging-Effekt haben.

Q-tips kennen wir alle, sie sind zum Synonym für Wattestäbchen geworden wie Tempo für das Papiertaschentuch. Aber Qmilch? Kuhmilch in der Kleidung? Ja! Die Idee der Milchfaser zur Herstellung von Kleidung ist nicht neu, sie stammt aus den 1930er Jahren. Die Bremer Unternehmerin Anke Domaske hat das Verfahren nun unter Umweltgesichtspunkten verfeinert.

Nachhaltige Kleidung aus Milchfasern

Wer heute als Modelabel etwas auf sich hält, hat auch eine Bio-Linie im Programm, zumeist aus Bio-Baumwolle. Seien es große Versandhäuser oder Ketten wie H&M, die andererseits gern Shirts und Kleider für zwei Euro unter das zumeist jugendliche Volk bringen. Da an eine nachhaltige Produktion zu glauben, fällt schwer.

Nun also kommt zur Bio-Baumwolle und Bio-Seide die Bio-Milchfaser aus Casein. Schon in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Stoff aus Milch produziert – seinerzeit war das aber nur unter Verwendung großer Mengen an Chemie und Wasser möglich. 4.000 Litern Wasser für ein T-Shirt stehen laut Domaske zwei Liter für ein Kilogramm Milchfasern gegenüber; Chemie sei gar nicht nötig. Zudem sei der Stoff biologisch abbaubar.

Bio-Milchfaser statt Körperlotion und Lifting?

Und die Kleidung aus Milch punktet nicht nur mit der Einsparung von Ressourcen und Chemikalien. Wegen ihrer antiallergischen Eigenschaft soll sie eine Alternative für Menschen mit Textilallergien sein. Zudem ist der Stoff antibakteriell, ist auf der Homepage zu erfahren, hilft dabei gegen Schweißgeruch und Hitzewallungen während der Wechseljahre. Reißfest soll sie sein, die Milchproteinfaser, farbecht, saugfähig, atmungsaktiv und leicht zu trocknen. Der ganz besondere Hit aber: die Faser hat den gleichen pH-Wert wie die Haut, versorgt diese mit Feuchtigkeit und soll sogar gegen Falten und Hautalterung helfen. Schon Kleopatra badete in Eselsmilch – die Frau von heute trägt Milchfaser.

Die Frau hinter der Milch-Mode

Erst 28 Jahre alt ist Anke Domaske, Mikrobiologin, Designerin, Unternehmerin und "Mutter" der patentierten Milchfaser Qmilch. Erst vor wenigen Jahren hörte die aus Ostdeutschland stammende Domaske von der Milchfaser – und begann vor dem Erfahrungshintergrund der Knappheit in der DDR und eines selbst geschneiderten Marienkäferkostüms gemeinsam mit dem Faserinstitut Bremen, an einem Verfahren zur Herstellung von Milchfasern zu arbeiten.

Und aus dem Milch-Stoff kreiert sie Mode für ihr eigenes Label Mademoiselle Chi Chi (MCC), das sie bereits mit 19 gegründet hat. Der Erfolg spricht für die junge Frau: "Rund 70 Hersteller testen derzeit meine Faser", wird Domaske im Weser Report zitiert. Die Hollywood-Stars Mischa Barton und Ashlee Simpson fungieren als Werbeträger auf der Homepage von MCC und zeigen sich begeistert von der "einzigartigen" Mode. 400.000 Euro sollen in die neue Produktionslinie fließen – und schon winken neue Geschäftsfelder: "Wir haben nicht nur Interessenten aus der Textilindustrie, sondern auch aus der Automobilbranche und der Medizintechnik" (Weser Kurier).

Anke Domaske ist bereits mehrfach mit Innovationspreisen ausgezeichnet worden. Auch Erfolg kann zellerneuernd wirken.

Quellen:

Weser Kurier vom 2. Oktober 2011: "Mode aus Milch – Unternehmerin entwickelt neuartige Faser"

Weser Report vom 6. November 2011: "Anke macht Mode aus Milch"

Internetpräsenz Qmilch

Internetpräsenz Mademoiselle Chi Chi (MCC)

NDR Fernsehen: Markt vom 30. Mai

Lucy M. Laube, Foto: Marc Mußmann

Lucy M. Laube - Ich liebe es, wenn Menschen auf enthusiastische Weise absurde Dinge verkünden. Diese sammle ich, leider an verschiedensten Orten, so ...

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