Ton wird seit ca. 150 Jahren von einem Trägermedium auf das nächste geschoben. Von der Stiftwalze, über das Tonband bis zum Music Video Interactive. Einen großen Bruch in der Entwicklung stellte die Umstellung von analogen auf digitale Medien Anfang der 1980er Jahre dar. Die CD ersetzte Schallplatte und Audiocassette und bot brillanteren Ton und geringere Abnutzung. Doch bei jeder Medienrevolution blieben die Liebhaber zurück. Die, die das Knacksen des Plattenspielers so lieben oder vom Umdrehen einer Cassette und Drücken der mechanischen Knöpfe am Player an früher erinnert werden.
Qualität des Tonträgers
Durch jede Art von Aufnahme wird die Qualität der aufgenommenen Musik gemindert. Je nach Medium auf verschiedene Weise. Rauschen und Verzerrung auf Band, Ungenauigkeit der Speicherung bei den Digitalen, Knistern bei der Schallplatte. Natürlich kommt kein Verfahren an ein Live-Erlebnis heran, was aber in Kauf genommen werden muss, wenn man nicht immer und überall seine eigene Band dabei haben kann.
Zugegeben, die Tonqualität, zum Beispiel der CD, übertrifft das Dagewesene in gewisser Weise. Und doch gibt es eine nicht zu vernachlässigende Menge an Menschen, die auf analoge Aufnahmen schwören. Grund dafür ist das Prinzip der Speicherung. Beim digitalen Festhalten der Toninformation wird in sehr kurzen, gleichbleibenden Abständen das Signal gemessen und festgehalten. Durch dieses sogenannte "Sampling" gehen die Informationen zwischen den erhobenen Werten verloren. Analog wird das gesamte Signal aufgezeichnet.
Quantität durch digitale Tonträger
Ein Vorteil der digitalen Speicherung ist jedoch die hohe Verfügbarkeit von Musik und ihre problemlose Sammlung. Wer die Datenmenge eines mit Musik bespielten MP3-Players von der Größe einer Streichholzschachtel auf Schallplatten festgehalten unterbringen möchte, wird um einen Hausanbau nicht herum kommen.
Sentimentalität für Tonträger
Mit der verfügbaren Masse an Tonmaterial verliert sich jedoch auch der persönliche Bezug zum Träger und damit ein klein wenig auch zur Musik. Gerade die relativ kurze Ära der Cassetten brachte dem Nutzer die Freiheit, seine eigene Songmischung aufzunehmen. Das Mixtape. Das funktioniert auch mit CD oder MP3, jedoch ist das Erstellen nicht damit verbunden, stundenlang vor dem Plattenregal zu sitzen, die richtigen Songs auszuwählen und nacheinander in Echtzeit auf ein Medium zu bringen.
Das klingt nicht nach einem Vorteil, aber durch die Arbeit, die in die Aufnahme investiert wurde, entsteht zugleich eine Bindung zum Tonträger. Und was die Qualität betrifft, muss beachtet werden, dass ein Lieblingsmixtape vom Walkman durchaus seine Vorzüge gegenüber dem MP3 aus Miniatur-Handyboxen hat. Da entsteht nämlich seit Jahren ein Phänomen. Es gab nie bessere Möglichkeiten, Ton zu konservieren als heute und nie bessere Wiedergabetechnik und doch hört man diese, mit viel Aufwand produzierte, Musik allerorts sich aus kratzigen, basslosen Spielzeugboxen überschlagen.
