Immer häufiger werden Urlauber auf Mallorca und anderen Feriengebieten des Mittelmeerraums von Quallenalarmen aufgeschreckt. So schön und geheimnisvoll die zarten Medusen im freien Ozean schwebend wirken, so wenig Begeisterung lösen sie aus wenn sie in die Nähe der Badestrände kommen. Und genau das tun sie gelegentlich in Scharen. Trotz der bisweilen fast unheimlichen Glibberflut sind nur die wenigsten der im Mittelmeer vorkommenden Quallenarten für den Menschen gefährlich.

Ohrenquallen im Mittelmeer (Aurelia aurita)

Gefahr für Menschen: Keine

Die Ohrenqualle ist nicht nur dem Mittelmeerurlauber wohl bekannt, sondern auch jenen, die es eher in heimische Gefilde an Nord- und Ostsee zieht. Die flache Aurelia ist mit ihren vier violetten Ringen im Inneren, die übrigens Geschlechtsorgane, Mundlappen und Magensäcke darstellen, und den sehr kurzen Tentakeln unverwechselbar. Sie kommt oft in Schwärmen vor, bei denen die größten Exemplare einen beeindruckenden Durchmesser von 40 Zentimetern erreichen. Ohrenquallen können lästig werden, wenn sie in großer Anzahl die Küstenregionen schwärmen, sind aber für Menschen völlig ungefährlich.

Gelbe Haarquallen oder „Feuerquallen“ im Mittelmeer (Cyanea capillata)

Gefahr für Menschen: Mittel

Die gelbe bis dunkelrote Qualle kommt häufiger in Nord- und Ostsee vor, im Mittelmeer ist sie eher selten. Trotzdem wurde in den letzten Jahren eine Zunahme dieser Art beobachtet. Der Beiname „Feuerqualle“ ist eher volkstümlich, die Haarqualle teilt ihn sich außerdem mit der Leuchtqualle (siehe unten), was zu Verwechslungen führen kann.

Die Tentakel der Gelben Haarqualle erreichen eine Länge von bis zu zwei Metern. Der Kontakt mit menschlicher Haut hat sehr unangenehme und nicht ungefährliche Rötungen zur Folge.

Leuchtquallen oder „Feuerquallen“ im Mittelmeer (Pelagia noctiluca)

Gefahr für Menschen: Mittel

Diese Schirmqualle gehört zu den unbeliebtesten Medusen an den Küsten des Mittelmeers. Ihre Nesselkapseln können die menschliche Haut durchdringen, was ein heftiges Brennen mit Bläschenbildung zur Folge hat. Der sehr runde Schirm mit rosafarbener fluoreszierender Zeichnung ist charakteristisch und erreicht einen Durchmesser von maximal 10 Zentimetern.

In den letzten Jahren wurden immer häufiger enorme Schwärme von Leuchtquallen im Mittelmeer und selbst in nördlicheren Gewässern beobachtet.

Segelquallen im Mittelmeer (Velella velella)

Gefahr für Menschen: Keine

Diese nur wenige Zentimeter große Quallenart begegnet den meisten Menschen als glibberiges Strandgut mit blauem Schimmer, wenn bei Sturm große Mengen der selbst nicht schwimmfähigen Wesen an den Strand gespült werden. Segelquallen sind im eigentlichen Sinne Tierkolonien aus Geschlechts- und Fangpolypen. Menschen fügen sie keinerlei Schaden zu.

Portugiesische Galeeren im Mittelmeer (Physalia physalis)

Gefahr für Menschen: Sehr hoch

Bei der Portugiesischen Galeere aus der Gattung der Staatsquallen handelt es sich in Wirklichkeit um einen raffinierten Verband aus einer Vielzahl von Polypen, die auf unterschiedliche Aufgaben spezialisiert sind. Die Fangpolypen unter ihnen bilden Tentakel von bis zu 50 Metern Länge aus. Ein anderer Polyp bildet das luftgefüllte Segel, das der Navigation dient und gestrandete Staatsquallen wie schillernde Aliens wirken lässt.

Im Mittelmeer kommt die Portugiesische Galeere nur sehr selten vor. Sie bevorzugt die Hochsee des Atlantiks. Für Badeurlauber ist das auch gut so, denn die Tentakel des Tieres sind auch für Menschen hochgiftig und können im schlimmsten Fall sogar einen Herzstillstand verursachen.

Trotz der Seltenheit der Galeeren im Mittelmeer kommt es gelegentlich zu einem gehäuften Vorkommen. Im Sommer 2009 beispielsweise wurden in Südspanien Warnungen herausgegeben, weil sich hunderte Portugiesische Galeeren der Küste bis auf 700 Meter genähert hatten. Badende wurden nicht verletzt.

Spiegeleiquallen im Mittelmeer (Cotylorhiza tuberculata)

Gefahr für Menschen: Keine

Die exotische Spiegeleiqualle ist sehr leicht zu erkennen, denn die einzigartige Beschaffenheit ihres Schirms mutet tatsächlich wie ein Spiegelei an. Sie lebt pelagisch, bevorzugt also das offene Meer als Lebensraum. In Panik aber braucht man auch nicht auszubrechen, wenn eines der Tiere das Ufer erreicht, denn für Menschen sind ihre Nesselfäden völlig ungefährlich.

Wurzelmundquallen im Mittelmeer (Rhizostoma octopus)

Gefahr für Menschen: Sehr gering

Die massige Wurzelmundqualle sieht respekteinflößend aus. Immerhin erreicht ihr rundlicher Schirm bis zu 60 Zentimeter Durchmesser, während die flockigen und stark gekräuselten Fangarme ihr den wenig schmeichelhaften Beinamen „Blumenkohlqualle“ verschafft haben.

Im Mittelmeer sind Wurzelmundquallen selten. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst eher den Atlantik bis zur Nordsee. Die Nesselzellen dieser Art sind für den Menschen ungefährlich und verursachen lediglich sehr leichte Hautirritationen.

Buch zum Thema:

  • Niedere Tiere in Mittelmeer und Atlantik - ISBN 978-3861326816, Autor: Helmut Debelius, Peter Wirtz, Verlag Jahr Top Spezial 2003
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