Da schaltet man nach Mitternacht noch ein bisschen durch das TV Programm und wird Zeuge einer heißen Kussszene zwischen zwei Männern. Unfassbar möchte man meinen, vor allem weil es sich dabei doch um eine US-amerikanische Serie handelt, wobei die Amerikaner das Thema Homosexualität lieber verschweigt. Vor allem im TV. "Queer as Folk" heißt die Sendung und ist so ziemlich das gewagteste was man bei einem Privatsender finden kann. Anders als bei der Serie über die Lesbenfreundinen in "The L World", ist Queer as folk noch einen Schritt gewagter.
Amerikaner zahlten um "Queer" zu sehen
Jetzt widmet das prüde Amerika ihr plötzlich eine eigene Serie, die anders als etwa die Sitcom "Will and Grace" das ganze aus einem ernsten und durchaus harten Blickwinkel betrachtet. "Queer as Folk" läuft auf Pro7 ab 1 Uhr Nachts jeden Mittwoch. Erstaunlich offen werden nicht nur alltägliche Probleme, sondern vor allem Liebesszenen dargestellt. Kein Wunder, das diese Serie in Amerika auf dem Pay-TV-Kanal Showtime und bei Showcase zu sehen war. In Deutschland muss man zwar nicht zahlen, allerdings bis spät nach Mitternacht warten. Damit ist der Sendeplatz so spät gewählt, dass die Zuschauerquoten leider auch nicht den erhofften Erfolg bringen.
Von England nach Amerika und wieder zurück
Ihren Anfang nahm die Serie als Original in England, bevor sich Amerika anschickte ein Remake zu drehen und die Figuren und die Handlung ins spießige Pittsburgh verlegte. Hier erleben die Hauptfiguren nun auf der "Liberty Avenue" ihre (Sex)Abenteuer. Zwischen Liebe, Leidenschaft und Drama werden lebensnahe Figuren gezeichnet, die Männer wie Frauen beiderseits ansprachen und in ihren 5 Staffeln und insgesamt 83 Episoden so manches zu erleben hatten. Ob Alltagssorgen, AIDS oder einfach nur ein gebrochenes Herz, die Einschaltquoten in Amerika blieben hoch.
Wieso ein ähnlicher Erfolg in Deutschland ausbleibt, scheint unklar. Liegt es an der späten Uhrzeit, die ein Stammpublikum scheinbar unmöglich macht, oder ist das Deutsche Publikum doch noch nicht bereit für einen so offenen Umgang mit der Homosexualität?
Die Serie lief in weiteren Ländern Europas, wie Belgien, Finnland, Ungarn, Italien, Slowenien, Spanien, Großbritannien und Frankreich, allerdings nicht immer ganz ohne Probleme. Trotz hoher Einschaltquoten in Griechenland wurde die Serie nach Beschwerden der Gesellschaft eingestellt. Und in Kroatien wurde die Ausstrahlung sogar abgelehnt, obwohl es Kampagnen für einen Sendeplatz der Serie gab. Ist sie vielleicht doch zu "gay" für den Durchschnittszuschauer?
Schwule Männer als Frauenschwarm
Währen die Figur des arroganten und selbstverliebten Schwulen Brian Kinney (Gale Harold) zum absoluten Frauenschwarm wurde, scheinen die Frauen hierzulande nicht mal zu wissen, das es diesen Mann gibt. Und er hetero ist. Für manch einen mag es überraschend sein zu erfahren, das nur zwei der fünf Hauptdarsteller auch Privat auf Männer steht, die anderen haben ihre Rolle trotz Heterosexualität mit viel Leidenschaft ausgefüllt und wurden mit Preisen überhäuft. Nur die begehrten Golden Globes und Emmys ließen natürlich auf sich warten. So weit ist Amerika dann doch nicht.
Obwohl Schwule es im TV schon immer schwer hatten, ob nun in der Lindenstraße, Dallas oder gar im Denver Clan, haben es die Darsteller dieser Serie geschafft sich einen Namen als ernst zu nehmende Schauspieler einer Dramaserie zu machen. Wer auch immer eine Folge der Serie gesehen hat, wird wissen warum.
