
- Hotelmanager Duarte erklärt dem Gast die Flora - Johannes Flörsch
Über Madeira ist wahrscheinlich schon alles gesagt worden: dass der Flughafen einst eine Katastrophe erlebte, dass die Insel zu den ewig blühenden zählt und deswegen den Beinamen ‚Frühlingsinsel‘ trägt, dass sie zu Portugal gehört und für den Badeurlaub nicht wirklich taugt, weil zu wenige Strände locken und selbst die Einwohner Madeiras am Wochenende nach Porto Santo wechseln, die 30 Kilometer südöstlich gelegene Nachbarinsel.
Relativ neu ist allerdings, dass Madeira sich verstärkt seiner Geschichte erinnert und Substanz bewahren will. Mit der Initiative ‚Quintas de Madeira‘ ist jetzt eine Gruppe Privatleute angetreten, die zum Teil auf allerhöchstem Niveau Unterkunft anbietet für Reisende. Wer mit seinem Haus in die Kooperative aufgenommen werden will, muss folgende Kriterien erfüllen:
- Es muss sich um ein Herrenhaus (Quintas) mit Historie handeln
- Das Herrenhaus muss über eine großzügige Gartenanlage verfügen
- Der Service muss sehr persönlich und aufmerksam sein
Wenig genug, möchte man meinen. Nichts, was andere nicht auch anbieten. Doch der Unterschied macht den Unterschied.
Fünf-Sterne-Luxus auf Madeira: Quinta Jardins do Lago
Als ob er die Ehre hat, den Pausenhof des lieben Gottes persönlich verwalten zu dürfen, so zugleich entspannt und gut gelaunt führt der Generalmanager der luxuriösen Quinta Jardins do Lago durch die prachtvolle, 2,5 ha große Gartenanlage. Duarte Vieira da Silva kennt jede einzelne der 495 Pflanzen mit Namen, findet ein Begrüßungswort für Colombo, die Schildkröte, und wirkt dabei keinesfalls schrullig: Perfekt korrespondiert der silbergraue Anzug mit dem schwarzen Haar, sein brauner Teint und seine fröhliche Verbindlichkeit signalisieren absolute Kompetenz.
Die muss er auch besitzen, denn in seinem luftig angelegten Haus mit den wenigen, dafür aber mehr als großzügigen Zimmern waren Menschen zu Gast, die man ansonsten nur vom Fernsehen oder aus dem Kino kennt: Altbundeskanzler Helmut Schmidt verbrachte den Februar 2004 mit Frau und Bodyguards hier; Peter O‘Toole hielt sich drei Wochen in Jardins do Lago auf. 2007 war das, und schmunzelnd imitiert da Silva den großen irischen Schauspieler, wie er in dem Herrenhaus Kostproben seines Könnens gab.
Quinta Dr. Américo Durão: Albatroz Beach & Yacht Club
Ganz anders hingegen Gonçalo Lemos Nunes, der Manager des Albatroz! Der Mann vibriert vor Energie, nachts um drei Uhr verlässt er seinen Arbeitsplatz, am Morgen um sieben Uhr begrüßt er schon wieder die ersten Frühstücksgäste auf der Terrasse! Feigen, direkt vom Baum geholt, in Hülle und Fülle – braucht man mehr? Doch: einen Kaffee, und beim schwarzen Getränk gerät der untersetzte, bullig wirkende Mann ins Schwärmen: „Unsere Lage gehört zum Schönsten, was der Atlantik zu bieten hat!“ Man will es ihm gerne glauben, denn Nunes hat bereits die ganze Welt gesehen.
Dass jedes Zimmer über einen eigenen Balkon verfügt mit Blick auf das Meer, mag da noch als, nun ja: zwar luxuriös, aber irgendwie auch selbstverständlich erscheinen. Nicht ganz so selbstverständlich aber ist der traumhaft in die steil abfallenden Klippen gezogene Swimmingpool, der vom Meerwasser gespeist wird! 73 Stufen führen vom Hotelgrundstück hinab, und man wähnt sich im Paradies. Es ist einfach unglaublich, dass ein – tatsächlich! – unmittelbar neben einem internationalen Flughafen gelegenes Haus so ruhig sein kann! Wer Madeira in seiner Agenda hat, sollte das Albatroz als Domizil ins Auge fassen! (Google-Earth-Daten: 32°41'25.04"N 16°46'35.18"W)
Absolutes Luxushotel: Das Casa Velha do Palheiro oberhalb von Funchal
Als das Menu bei der Roulade vom schwarzen Degenfisch angekommen ist, erzählt Sonja Kirch-Freitag, die Rezeptionschefin, ein wenig aus der Geschichte des Hauses. Von seinem ersten Besitzer, João Esmeraldo, der Pflanzen und Bäume aus aller Welt in den Garten importierte, bis hin zu der altehrwürdigen englischen Familie Blandy, in deren Besitz sich das Anwesen seit 1885 befindet und gehegt und gepflegt wird. Ein Ort voller Geschichte, Schönheit und Eleganz.
250 verschiedene Kamelien gibt es hier und 200 Jahre alte Bäume wie den Fahnenbaum, dessen Name daher rührt, weil der jetzige Eigentümer bei der Geburt jedes Nachkommens auf den gut vierzig Meter hohen Baum kletterte, um eine Fahne zu hissen.
Das Haus bietet einen 18-Loch-Golfplatz, der vom Golfmagazin ‚Golf Monthly‘ einmal zu einem der schönsten Plätze der Welt gekürt wurde: 6.000 Meter lang, Par 72, atemberaubende Blicke über Funchal und die Bucht!
Es gibt einen vollkommen vom Haupthaus getrennten Wellnessbereich – die Gäste des Hauses haben selbstverständlich freien Zutritt zu Sauna und Dampfbad. Man kann auf dem riesigen Gelände stundenlang lustwandeln über die Kamelienallee, am Teehaus vorbei, entlang dem Rosengarten oder dem versunkenen Garten.
Im Hafen von Funchal vertäut liegt die Motoryacht Balancal. Sie gehört zum Haus und steht den Gästen für Küstenfahrten, Delphin- und Walbeobachtungen zur Verfügung.
Mietwagen auf Madeira: Alles vorhanden für den Luxusurlaub
Die Herrenhäuser der Vereinigung ‚Quintas de Madeira‘ zählen definitiv zu den luxuriösen Destinationen Europas. Das milde Klima der Insel Madeira erlaubt einen Besuch das ganze Jahr über – ja, man muss sogar sagen, das besonders für Golfer der Winter eine hervorragende Reisezeit darstellt. Und wer sich nicht auf die Hauptstadt Funchal festlegen will, kann auch im Inselinnern und auf der Nordseite reizvolle Angebote der Vereinigung ‚Quintas de Madeira‘ buchen. Dazu allerdings (und auch für die langgestreckte Hauptstadt Funchal empfiehlt es sich) sollte man einen Mietwagen auf Madeira ins Auge fassen. In Funchal gibt es mehrere Stationen, Sixt und Hertz sind vertreten, aber auch kleinere ortsansässige Unternehmen.
Eine Auswahl an Autovermietungen auf Madeira finden Sie unter
Die Adressen der Luxushotels:
- Quinta Jardins do Lago. Mail: info@jardins-lago.pt, Tel.: +351(0)291/750100
- Albatroz Beach & Yacht Club. Mail: info@albatrozhotel.com, Tel.: +351(0)291/524414
- Casa Velha do Palheiro. Mail: casa.velha@palheiroestate.com, Tel.: +351(0)291/790350
