Es war die Unterhaltungsmusik dieser damaligen Zeit, quasi der „Pop des Barocks“. Auch ohne Medien hatten es einige Lieder zu richtigen Sommerhits gebracht und wurden in ganz Europa auf Straßenfesten, Märkten, in Gasthäusern, auf Hochzeiten gesungen, während dazu getanzt wurde. Ein Quodlibet – das ist ein lateinischer Ausdruck für „wie es beliebt“ – ist eine Komposition aus verschiedenen Melodien, die ursprünglich nicht zusammen gehörten. Zum Beispiel ist das Quodlibet in der alten Wiener Volksmusik eine szenische Liedform, bei der klassische Musikelemente mit schlichten Melodien gemischt werden. Sehr beliebt war diese unterhaltenden Singform in der Zeit der Renaissance und im Barock.
Quodlibets sind keine Volksmusik, sondern mehrstimmige Kunstgesänge
Man darf Quodlibets jedoch nicht als Volkslieder banalisieren, denn es sind mehrstimmige Kunstgesänge auf hohem Könner-Niveau. Und diesem Anspruch wurde das Münchner Ensemble „Sacrum & Profanum“ in seinem einstündigen Konzert durchaus gerecht. Ihr A-Cappella-Vortrag war ein verspieltes und höchst kompliziertes Stimmengeflecht aus hellem Sopran von Anette Noah, die übrigens ein Nachkomme des Komponisten Orlando di Lasso ist, mit dem weichen Alt von Dinah Kamm, untermalt vom warmen Tenor Reinhard Kreuzingers und aufgefangen vom starken Bassfundament Andreas Schierlinger-Langeheineckes. Diese vier Mitglieder sind der Kern des Ensembles, das es seit 1995 gibt. Je nach musikalischem Thema lässt es sich mit Sängern und Instrumentalisten erweitern. Ihre Spezialität ist die Musik des 17. bis 18. Jahrhunderts.
Kirchenkonzert mit Werken von Melchior Franck, Orlando di Lasso und Baldassare Donati
In ihrem Kirchenkonzert in Wolfratshausen präsentierten sie Werke von Melchior Franck, Orlando di Lasso, Baldassare Donati, Hans Leo Hassler – Lieder aus dem Frankreich, Italien, Spanien und dem heutigen Deutschland. Die Quodlibets sind Studentenlieder, deren Texte vorwiegend aus Scherzen und ab und an auch aus vorsichtig frivolen Anspielungen bestehen. Keine schwere Musik, obwohl viele von ihnen in der düsteren Zeit des Dreißigjährigen Krieges entstanden sind.
Lieder von der Grille und dem Floh
„El Grillo“ heißt so ein Lied über das zirpende Insekt, und in einem anderen Werk „vom Floh“ des Komponisten Erasmus Widmann „krabbelt und zappelt es, kitzelt und bitzelt es“. Und dann gibt es da noch die völlig sinnfreien und zusammenhanglosen Liedtexte, erklärte Andreas Schierlinger-Langeheinecke dem Publikum: „Achten Sie mal darauf, wie hier wahllose Zitate und musikalische Schnipsel zum Spaß aneinandergereiht worden sind.“ Doch so sehr der vierstimmige Gesang kunst- und gefühlvoll anzuhören war, so wenig konnte man die Textpassagen im Detail verstehen. Ein kleines Programmblatt hätte dem Publikum hier nützliche Dienste geleistet, doch ungeachtet dessen war das Konzert in kleiner Runde ein seltener Hörgenuss.
