
- Kleine Quolls - Zoo Leipzig
Quolls? Tüpfelbeutelmarder? Diese Bezeichnungen rufen ein Fragezeichen auf die Stirn des interessierten Tierfreundes. Durch den Leipziger Zoo und seine sechs Jungtiere wird sich diese Wissenslücke bald schließen lassen - siehe die Zoo-Doku "Elefant, Tiger & Co.“ am 21.10. 2011 um 19.50 Uhr im MDR.
Ein Blick in die Systematik der Beuteltiere
- Klasse Säugetiere (Mammalia)
- Unterklasse Beutelsäuger (Metatheria oder Marsupiala)
- Überordnung Australiadelphia
- Familie Raubbeutler (Dasyuridae)
- Unterfamilie Beutelmarder (Dasyurinae)
Es gibt drei Gattungen mit insgesamt sieben Arten. Der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus) gehört zur Gattung der Fleckenbeutelmarder. Alle Arten leben in voneinander getrennten Lebensräumen.
Die Beuteltiere (Beutelsäuger), eine hoch interessante Unterklasse der Säugetiere
Die Beuteltiere gehören neben den Kloakentieren und den Plazentatieren zu den drei großen Säugetierunterteilungen (Unterklassen). Sie unterscheiden sich von den eierlegenden Ursäugern, den Kloakentieren (Monotremata) dadurch, dass bei ihnen die Urogenitalöffnung und die Analöffnung bereits durch einen Damm getrennt sind. Das Wachstum des noch unterentwickelten Jungen geschieht im Beutel (Marsupium), in dem sich auch die Milchdrüsen und Zitzen befinden. Die Milch wird aktiv von den Zitzen eingespritzt.
Wie die Quolls zu ihrem Namen kamen
Captain Cook, einer der Ersten, der die australische Fauna zu Gesicht bekam, betitelte diese Tiere nach dem Aboriginal Namen "Quolls". Die ersten europäischen Siedler des australischen Kontinents hielten sie für einheimische Katzen, daher auch der englische Name „Native Cats“. Der erste Zoologe, der die Beutelmarder wissenschaftlich beschrieb, der Franzose Étienne Geoffroy Saint Hillaire (1796) benannte die Familie nach ihrem deutlichen Merkmal, dem "haarigen Schwanz" Dasyurus. Als erste Art beschrieb er den "Tiger Quoll", die einzige Art mit getüpfeltem Schwanz, zählte ihn aber irrtümlich zu der Familie der Opossums. Auch in Brehms Tierleben 1883 fand der Tüpfelbeutelmarder Eingang.
Die Unterfamilie der Beutelmarder (Dayurinae)
Wer sind nun also die Beutelmarder? Nicht zu verwechseln mit den Marderartigen aus der Unterklasse der Plazentatiere. Mit diesen sind sie nicht verwandt.
Ihr Vorkommen ist auf Australien, Tasmanien, Neuguinea und den umliegenden Inseln. Sie sind wiesel- bis waschbärengroß, olivgrau bis schwarzbraun gefärbt. In der Größe schwanken die einzelnen Arten von 17 bis 75 cm mit einem langen, eher dünnen Schwanz. Nur der Schwanz des Fleckenschwanz-Beutelmarders oder Tiger-Quolls ist (siehe sein Name) gefleckt. Die Beine sind kräftig und die Zehen sind mit langen Krallen versehen. Die Vorderfüße sind als Hände zum Greifen ausgebildet. Die Ohren sind mittelgroß, fast durchscheinend und beweglich. Das Raubtiergebiss überzeugt einen sofort davon, dass dies keine Streicheltiere sind. Weibliche Beutelmarder haben am Bauch einen Beutel, der aber meist nur in der Zeit der Jungenaufzucht deutlich entwickelt ist. Je nach Art sind sie Bodenbewohner, aber auch geschickt kletternd unterwegs.
Aus dem Leben der Quolls
Die Tiere sind dämmerungsaktiv. Tagsüber sind sie eher träge unterwegs. Die großen Augen zeigen bereits ihre Vorliebe für das Dämmerlicht. Neugierig, verspielt, mit ständig aufmerksam sich bewegenden Ohren und einer immer schnuppernden Nase sind sie auf Beutefang unterwegs. Neben Würmern, Insekten, kleinen Säugetieren oder Reptilien, werden auch Früchte und Samen nicht verschmäht. Ihr Lebensraum sind bevorzugt Wälder, aber auch offene Flächen, wo Bäche vorhanden sind. Von den ersten Ansiedlern in Australien wurden die Tiere fast ausgerottet, weil sie sich über das Geflügel hermachten.
Die Kinderstube der kleinen Tüpfelmarder
Ihre Nester bereiten sie in Felsspalten Höhlen oder in alten Bäumen. Die Jungen werden im australischen Winter nach einer Tragezeit von elf Tagen zwischen Mai und August geboren. Wie bei allen Beuteltieren sind die Jungen nur gering entwickelt. Das Neugeborene wird haarlos, blind und taub geboren. Nur die Vordergliedmaßen sind bereits voll entwickelt. Mit diesen wühlt sich das Baby durch das Fell der Mutter um in den schützenden und nährenden Beutel zu gelangen. Die Mutter hat in ihrem Beutel maximal sechs Zitzen, werden mehr Junge geboren, kommen die überzähligen leider um.
Mit elf Wochen öffnen die Babyquolls die Augen, nach vier Wochen verlassen sie erstmals den Beutel. Dann krallen sie sich gerne auf dem Rücken der Mutter fest, die sie so auf ihre Beutezüge mitnimmt. Mit vier Monaten beginnen sie unabhängig zu werden und im Alter von einem Jahr sind sie geschlechtsreif. Ihre Lebenserwartung liegt im Freiland bei maximal 5 Jahren.
Die sechs kleinen Quolls im Zoo Leipzig – ein europäischer Zuchterfolg
Etwas mehr als drei Monate sind sie nun alt, die kleinen Quolls (Dasyurus viverrinus) aus dem Leipziger Zoo. Sie wurden im Vulkanstollen der Tropenerlebniswelt Gondwanaland geboren. Damit hat die neu eröffnete Tropenhalle ihren ersten Säugetier-Nachwuchs. Der Zoo Leipzig hat derzeit europaweit nicht nur die einzigen Quolls außerhalb Australiens in seinem Bestand, sondern hat die lediglich noch in Tasmanien in freier Wildbahn lebenden Tiere nun erstmals seit mehr als 35 Jahren erfolgreich in Europa gezüchtet. „Wir sind stolz auf diese Nachzucht. Sie ist Ausdruck dafür, dass wir in Gondwanaland beste Bedingungen für die Bewohner geschaffen haben.“, betont Zoodirektor Dr. Jörg Junhold. (Quelle Zoo Leipzig)
Da die erfolgreiche Haltung, aber auch Zucht der kleinen Beuteltiere äußerst schwierig sind, musste der Zoo Leipzig besondere Kriterien erfüllen um Tiere zu bekommen. Dass nunmehr bereits die Nachzucht der drei Paare erfolgreich war, ist erfreulich. Ein Weibchen war schnell trächtig geworden und gebar im Sommer die sechs gesunden Jungen. Um die Aufzucht der Jungtiere nicht zu stören, bleibt die Mutter mit den Kleinen vorerst im rückwärtigen, nicht einsehbaren Bereich von Gondwanaland. Nun werden sie noch mindestens drei Monate lang gesäugt. Erst dann können Besucher die putzigen Tiere im Gondwanaland sehen.
Erste Bilder der jungen Quoll-Familie, die mit einer Handkamera von den Pflegern aufgenommen wurden, zeigt die Zoo-Doku "Elefant, Tiger & Co.“ am 21. 10. 2011 um 19.50 Uhr im MDR Fernsehen.
Foto: (c) Zoo Leipzig,
Quellen:
- Zoo Leipzig
- Bertelsmann Tierlexikon
- Uni-Leipzig.de/Spezielle Zoologie
- Quolls of Australia
- Die Enzyklopädie der Säugetiere. National Geographic
