Radausflug zur 2000 Jahre alten Römerstadt »Augusta Raurica«

Das Römertheater in Augst - Thomas Peter
Das Römertheater in Augst - Thomas Peter
Die Radtour führt von Basel über Grenzach und Augst nach Kaiseraugst, immer scharf an den deutsch/schweizerischen National- und Kantonsgrenzen entlang.

Startpunkt für den Rad-Ausflug ist der Badische Bahnhof im schweizerischen Kleinbasel. Über die Erlenstraße, vorbei am Restaurant »Jägerhalle«, erreicht man den Erlenpark, den ehemaligen Badischen Güterbahnhof, durchquert ihn und gelangt unten durchs Tor hinaus direkt an die Wiese.

Nun breitet sich das Panorama der Basler Altstadt aus

Auf einem Fahrradhighway mit Gegenverkehr und gestricheltem Mittelstreifen geht es bis in den Basler Stadtteil Kleinhüningen auf das Hafengelände am Rhein, wo die Wiese in den Rhein mündet. Hier am Westkai werden per Container-Terminal Güter vom Schiff auf den Zug und umgekehrt verladen. Man fährt nun flussaufwärts und kommt übers Hafengebiet durch eine wunderbar breite Allee mit schmiedeeisernen Lampen und Brünneli mit grünen Basilisken mitten ins Herz von Basel. Auf der gegenüber liegenden Rheinseite breitet sich jetzt das ganze Panorama der mittelalterlichen Altstadt auf dem Münsterhügel aus. Nach der Wettsteinbrücke geht es durch die Solitude-Promenade am Kraftwerk Birsfelden vorbei bis zum Grenzacher Zoll. Bald danach, da wo die Straße die Eisenbahn kreuzt, führt der Fahrradweg wieder zum Rhein hinunter. Jetzt geht die Route weiter am Fluss entlang und immer den Schildern »Radweg Hochrhein/Hotzenwald« folgend, kommt man zum Kraftwerk Wyhlen, überquert es und schon ist man in Augst. »Augst an der Bruck« hieß der Ort früher oder »Basel Augst« steht noch in den alten Landkarten und weist den Ort als zum Kanton Basel Landschaft gehörig aus - im Gegensatz zum benachbarten Kaiseraugst, das einst zu Österreich gehörte und jetzt zum Kanton Aargau.

Im 2. Jahrhundert hatte Augusta Raurica 20.000 Einwohner

Es ist schon seltsam: Über 1.000 Jahre hat man da auf einer alten römischen Großstadt gewohnt und hat nichts davon gewusst! Erst in der Romantik begann man sich für altes Gemäuer zu interessieren und hat angefangen zu buddeln. Man fährt jetzt nach Kaiseraugst, der ehemaligen Unterstadt von Augusta Raurica. Hier sind die Reste eines einst mächtigen Kastells zusehen, das jedoch erst in spätrömischer Zeit gebaut wurde, als die große Stadt auf dem Hügel längst aufgegeben war. Ein Brückenkopf war Kaiseraugst und man sieht es heute noch bei der Schifflände. Dort nämlich spannte sich einst eine Brücke über den Rhein und jetzt kann man dort mit der Fähre zum deutschen Herten, einem Ortsteil von Rheinfelden, hinüber fahren. Jetzt geht es aber endlich zur Oberstadt: Man fährt zum Bahnhof, unterquert diesen und ersteigt den Berg. Bald sieht man die ersten Mauern der größten archäologischen Freilichtanlage der Schweiz. Gegründet wurde die Kolonie von Kaiser Augustus am Knotenpunkt wichtiger Verkehrsachsen zwischen Italien und Germanien sowie Gallien und der Donau. Zur Zeit des 2. nachchristlichen Jahrhunderts erreichte Augusta Raurica eine Ausdehnung von mehr als 100 Hektar und hatte 20.000 Einwohner!

Jedes Jahr findet in Augst das große Römerfest statt

Hier gab es alles was eine antike Stadt ausmacht: Ein Schauspielhaus, Handels- und Gewerbehäuser, Bäcker, Metzger, Gerber, Schmiede, Schreiner und Zimmerleute, Maler und Glasbläser, Thermen und Bäder. Zentrum der Stadt war der Forumsbezirk, der von einer Säulenhalle umgeben war. Im Inneren lag der Marktplatz, an den sich das Verwaltungs- und Handelsgebäude der Basilika und die Curia, das Rathaus, anreihte. Gleich nebenan befand sich der mächtige Tempel, das Allerheiligste, welches nur den Priestern zugänglich war. Es gab auch ein Amphitheater - ein kleines Kolosseum gewissermaßen, das als Schaugebäude für Kampfspiele diente.

Das Schmuckstück aber war und ist noch immer das "Szenische Theater", das über zehn Jahre lang aufwändig renoviert wurde. Jedes Jahr, am letzten August-Wochenende findet hier das große Römerfest statt mit Show und Spektakel wie in der Antike. Es gibt Legionärslager und Fahrten im Streitwagen für alle. Man kann Fibeln schmieden, Mosaike legen, Stelzen laufen, Körbe flechten oder einfach shoppen à la romaine in einer der über 50 Handwerksbuden. Auf dem ganzen Gelände unterhalten Musikanten und Schauspielerinnen die Gäste und in den Restaurants werden Gerichte nach original römischen Rezepten zubereitet.

Quellen:

Thomas Peter, Autor, Christine Krueger

Thomas Peter - Nach dem Studium der Rechtswissenschaft seit 1987 Tätigkeit als Jurist. Ab 1997 Freier Autor mit dem Schwerpunkt Hörspiele. Seit ...

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