Radikalislamischer Prediger Haitham al-Haddad besucht Prag

Al-Haddad spricht für ein radikales Scharia-Recht  - Message of Islam
Al-Haddad spricht für ein radikales Scharia-Recht - Message of Islam
Der Scharia-Prediger Haitham al-Haddad besuchte am Freitag, 10. und Samstag, 11. Februar, die Prager Islamgemeinschaft. Gemäßigte Muslime schlugen Alarm.

Im Versammlungsraum der Islamischen Stiftung Prag herrscht an diesem Samstagnachmittag lockere Stimmung. Kekse und Tee stehen auf kleinen Tischen bereit. Gegen 15 Uhr kommen die ersten Männer vom Gebet in den Raum, der mit dickem, rot-verziertem Teppich ausgelegt ist. Die Frauen sitzen schon auf einigen Plastikstühlen – in der anderen Hälfte des Zimmers im Dachgeschoss. Eine fast vollständig in schwarzen Stoff gehüllte Muslimin wiegt ihren Säugling im Arm. Als er schreit, blickt sie sich hilfesuchend nach einer Freundin um; sie selbst ist blind. Eine Verletzung zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab. Ob ihr Handicap durch eine natürliche Ursache bedingt ist – darüber möchte man als Besucher des „öffentlichen Vortrages“, den Haitham al-Haddad, ein radikalislamischer Prediger und Befürworter von Gewalt gegen Frauen heute hält, garnicht nachdenken. Ein tschechischer moderater Muslim und Blogger, Lukáš Lhot'an tut genau das: Vor dem Besuch al-Haddads in Prag warnte er die Behörden vor einer Radikalisierung der hiesigen Islamgemeinschaft durch derartige Prediger. Denn al-Haddad ist bekannt für seine youtube-Aufforderung an alle Muslime, den Sieg ihrer Religion mit eigenem Blut zu erringen.

In Deutschland verboten

Der Gast, der heute schon zu seinem dritten Vortrag in der tschechischen Hauptstadt ansetzt, ist Vorsitzender des britischen Scharia-Rates und der dortigen Muslim-Gemeinde. Offenkundig plädiert er für die Errichtung eines Kalifats, nach dem alle Muslime weltweit von einer Regierung mit Scharia-Gesetzgebung geführt werden sollen. Bei seinem Vortrag in Prag liegen Info-Broschüren zum „Dschihad“ – dem Kampf für den Islam als herrschende Religion – aus. Obwohl die global agierende sunnitische Organisation Hizb ut-Tahrir, der al-Hassad angehört, in Deutschland und Russland wegen ihrer extremistischen Ansichten verboten ist, scheinen sich die Behörden in anderen europäischen Ländern nicht ausreichend Gedanken zu machen. Auf Anfrage des Online-Magazins ceskapozice.cz nach etwaigen Sicherheitsmaßnahmen während al-Hassads Besuch erwiderte die tschechische Einheit gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus, man beobachte dessen Aktivitäten aufmerksam. Publizist und Blogger Lhot'an hatte die tschechische Regierung aufgefordert, dem radikalen Verfechter des strengen Scharia-Rechts die Einreise zu verweigern. „Es ist möglich, ein Gesetz zum geregelten Personenverkehr auf EU-Ebene anzuwenden“, schrieb der gemäßigte Muslim in einer Web-Community, „denn ich bin überzeugt, dass der Besuch dieses religiösen Extremisten eine Radikalisierung der Muslim-Gemeinschaft in Tschechien fördert, zu Intoleranz anstiftet und sogar zu Gesetzesverstößen führen kann.“

Kampf gegen Israel

Dem schwelenden Konflikt zwischen Juden und muslimischen Arabern kann der gebürtige Palästinenser laut einer Ansprache auf youtube sogar noch etwas positives abgewinnen: Durch die Gewalt Israels gegen die Palästinenser in Gaza würden Muslime aufgefordert, für ihren Glauben einzustehen und sich vollends auf ihn zu besinnen. Völlige Konzentration auf die Auslebung des Korans; das ist es auch, was al-Haddad bei seinem Vortrag in Prag das – überwiegend muslimische – Publikum wissen lassen möchte: Regeln zum Auswendiglernen des Korans, Anleitungen, um einen kundigen Lehrer für die Studien des Korans ausfindig zu machen. Ein solcher sei auch über das Internet aufzufinden und per Skype beispielsweise in Ägypten oder anderen muslimisch geprägten Ländern kontaktierbar. Mit moderner Kommunikationstechnik kennt sich al-Haddad aus: Als Zweitstudium absolvierte den Bachelor in Informatik an einer saudischen Universität. Dass der Koran, das heilige Buch mit dreißig Kapiteln, keine ausdrückliche Forderung nach der Burka für Musliminnen enthalten soll, wie Kritiker behaupten, erklärt der selbsternannte Geistliche schlichtweg für Unsinn. Jede Frau nehme diese Bürde gerne auf sich, um ein friedvolles Leben nach dem Tod führen zu können. Zu diesem Zweck müsse auch Musik aus dem Leben im Diesseits verbannt werden – sie sei ein nicht-islamisches und korrumpierendes westliches Phänomen, Juden und Christen „verfluchte Nationen“. Nach Haitham al-Haddads Vortrag im Gebetsraum der Islamischen Stiftung Prag stehen viele der rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer auf und bedanken sich bei ihrem Gast für die ratgebenden Worte, die an diesem Samstag eher gemäßigt ausgefallen sind. In seinem Buch „Islam und Islamismus in Tschechien“ hat Lukáš Lhot'an aber bereits vor einer schleichenden Verbreitung radikaler islamistischer Gedanken gewarnt, die von den Behörden im Land übersehen werde.

Lisa Böttinger, Lisa Böttinger

Lisa Gianna Böttinger - Liebe suite101-Autoren, verehrte Leser! Als Absolventin des „Bachelor of Arts in Publizistik- und ...

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