Radioaktivität in Grünem Tee: Immer mehr Sorgen für Japan

Grüner Tee ist das Lieblingsgetränk vieler Menschen in Japan und auf der ganzen Welt, nun wurden in japanischen Teepflanzen erhöhte Cäsiumwerte gemessen.

Shizuoka, die größte Teeanbauprovinz Japans, ist nun auch von der radioaktiven Bestrahlung betroffen. In der knapp 400 Kilometer von Fukushima entfernten Provinz wurden im Juni erhöhte Cäsiumwerte in Teepflanzen festgestellt. Das bedeutet für viele Japaner eine zusätzliche Sorge in all dem Leid, in das das Erdbeben und die nachfolgende Atomkatastrophe sie stürzte. Zu der Trauer um verlorene Angehörige und der Sorge um die gesundheitliche Belastung durch die Radioaktivität, kommt für viele, die vom Anbau der Teepflanzen leben, die Angst um die finanzielle Existenz. Für die Menschen in jenen Ländern, die Tee aus Japan einführen und damit auch für die Deutschen, sind die Sorgen vergleichsweise klein: im schlimmsten Fall müssen sie auf ein liebgewonnenes Getränk verzichten.

Grüner Tee – ein Jahrtausende altes Getränk

Dem greenpeace-magazin zufolge wurden pro Kilogramm 679 Becquerel gemessen, der Grenzwert dagegen liegt bei 500 Becquerel. Damit wurde nun ein Getränk zur gesundheitlichen Gefahrenquelle, das viele Teetrinker doch bislang gerade deshalb verehrten, weil es nicht nur anregend wirkt, sondern als Quell der Gesundheit gilt, ja weil ihm sogar eine lebensverlängernde Wirkung nachgesagt wird. Anders als die aus Früchten und Kräutern gewonnenen Früchte- und Kräutertees, die erst seit dem frühen 18. Jahrhundert in einigen Sprachen, darunter der deutschen, ebenfalls als Tee bezeichnet werden, wird Grüner Tee aus der Teepflanze hergestellt, ebenso wie auch der Schwarztee und einige weniger bekannte Tees wie Weißer Tee. Während die Pflanze in China schon seit mehreren tausend Jahren kultiviert wird, brachten buddhistische Mönche den Tee erstmals im 8. Jahrhundert von dort nach Japan, wo der erste Teegarten am Biwa-ko, dem größten See Japans angelegt wurde. Damit war die Grundlage für den hohen Stellenwert, der dem Tee in Japan erwuchs, geschaffen.

Der Tradition folgend, verzichten die Japaner darauf, aus der Pflanze auch die später entwickelten Sorten wie Schwarztee herzustellen – der Unterschied liegt in der Art der Verarbeitung – und konzentrieren sich auf die Produktion von Grünem Tee, der sich vor 400 Jahren durch die Holländer auch in Europa verbreitete. Nachdem der Schwarztee aufgekommen war, zog man diesen jedoch hierzulande dem Grünen Tee vor. Erst mit dem zunehmenden Wellnesskult der letzten Zeit wurde der Grüntee sehr beliebt und ist in den unterschiedlichsten Qualitäten zu haben. Während der gewöhnliche Teetrinker eher zum günstigen Beuteltee im Supermarkt greifen dürfte, ersteht der Teeliebhaber seinen Grünen Tee im Feinkost- oder Bioladen oder im Teegeschäft, wo es auch sehr hochwertige Sorten zu entsprechenden Preisen gibt. Der am häufigsten angebaute Grüne Tee ist der Sencha. Er wird insbesondere auch in Shizuoka auf der Hauptinsel Honshu, wo nun die erhöhten Becquerelwerte gemessen wurden, angebaut.

Einstellung des Tee-Vertriebs

Wie es im greenpeace-magazin weiter heißt, baten die Behörden nun die Betreiber von fünf Plantagen in Shizuoka, bereits ausgelieferte Teeblätter zurückzurufen und den weiteren Vertrieb der Ware einzustellen. Was von der bereits ausgelieferten Ware in Japan schon konsumiert wurde, wird sich vermutlich nicht sagen lassen. Nachdem bereits kurz nach der Katastrophe erhöhte Strahlenwerte in Milch und Gemüse gemessen worden waren und auch Sorge um belastete Fische und andere Lebensmittel besteht, ist nun also auch der Tee mit seinem hohen Stellenwert – vor Shizuoka wurden bereits in einigen weniger bekannten Teeanbaugebieten erhöhte Werte festgestellt – betroffen.

Zur Sorge, was man noch bedenkenlos zu sich nehmen kann, kommt so für viele Menschen die Sorge um ihre finanzielle Existenz. Der belastete Tee kann nicht verkauft werden und viele Menschen, werden auch bei Grünem Tee aus anderen Regionen zurückhaltend sein. Der Export, der allerdings vergleichsweise gering ist, denn der Löwenanteil des japanischen Tees wird im Land selbst getrunken, geht ebenfalls zurück, denn fern von Japan, vor allem auch in Deutschland, macht man sich Sorgen, ob Lebensmittel aus dem Land der aufgehenden Sonne noch konsumierbar sind.

Besorgnis schon im März

Bereits im März, als das Atomkraftwerk havariert war, wurde hierzulande darüber diskutiert, ob man nun noch japanische Lebensmittel kaufen kann. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das Bundesinstitut für Risikobewertung und auch das Bundesamt für Strahlenschutz bezogen Stellung und wiesen vor allem auf strenge Einfuhrregeln und rigorose Kontrollen hin. Nur Lebensmittel, die in Japan auf Radioaktivität überprüft wurden und deren Werte unterhalb der Grenzwerte liegen, dürfen in die EU eingeführt werden. Auch Teehändler, wie der große deutsche Teeunternehmer Gschwendner, wiesen auf strenge Kontrollen hin. Bei Gschwendner will man nun aus der Ernte 2011 nur Tees aus der Südinsel Kyushu importieren.

Kein gleichwertiger Ersatz für Grünen Tee

In den Geschäften erkundigen sich Kunden dennoch bereits besorgt nach den Belastungen von Grünem Tee aus Japan, wie Christine Fahrenkamp vom Ulmer Feinkostgeschäft Fahrenkamp, das hauptsächlich auch Tees anbietet, bestätigt, obwohl derzeit noch die Ernten aus 2010 verkauft werden. 2011 geerntete japanische Grüntees wird der Lieferant des Ulmer Geschäfts gar nicht erst einführen. Grundsätzlich verweist auch Fahrenkamp auf die gesetzlich vorgesehenen Kontrollen. Manche Liebhaber des Getränks dürfte das beruhigen, andere greifen vielleicht auf Grünen Tee aus China oder anderen Anbauländern zurück.

Eher ängstliche Menschen, dürften aus Angst vor fehlender Kontrolle oder auch aus der Befürchtung heraus, Teegebiete aus den Nachbarländern könnten ebenfalls von der Radioaktivität betroffen sein, künftig womöglich ganz auf den Grünen Tee verzichten, zumal stern.de am Freitag, 17. Juni, mit Bezug auf die dpa erhöhte Werte in einer in Frankreich eingetroffenen Teelieferung vermeldete. Wer nun aus Sorge gar keinen grünen Tee mehr trinken möchte, kann zwar auf Schwarztee, Früchte-, Kräuter oder auch Rooibostee zurückgreifen, das gleiche ist das allerdings nicht, denn „andere Tees mit ähnlicher Wirkung gibt es leider nicht“, erklärt Christine Fahrenkamp.

Quellen: greenpeace-magazin, Bundesamt für Strahlenschutz/bfs.de, Bundesinstitut für Risikobewertung/bfr.bund.de, Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz/bmelv.de, teageschwendner.com, stern.de, eigene Recherche

Angela Fehr - Geboren und aufgewachsen im "Ländle", zog ich später nach München, wo ich eine schöne Zeit verbrachte und an der LMU ...

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