Radroute an der Algarve von Albufeira bis Cabo de Sao Vicente

Mit dem Rad an der Algarve in Praia da Luz - Judith Weibrecht
Mit dem Rad an der Algarve in Praia da Luz - Judith Weibrecht
Der letzte Teilabschnitt des Radwegs an Portugals Südküste führt ab Albufeira bis ans südwestliche Ende Europas, das Cabo de Sao Vicente hinter Sagres.

Die ganze Algarve entlang führt die Radroute Ecovia litoral im ersten Abschnitt ab der spanisch porugiesischen Grenze in Vila Real de Santo António bis Tavira, das zweite Teilstück von Tavira bis Albufeira, und schließlich der dritten Abschnitt von Albufeira bis ans Cabo de Sao VIcente. Dort ist wirklich Schluss.

Der Radweg Ecovia litoral hinter Albufeira bis Portimão

Wieder geht es durch ländliche Gegenden über Feld- oder erdige Wege, die sich bei Regen in ordentlichen Matsch verwandeln. Vor Armação de Pêra aber werden Radfahrer von einem eigens angelegten de-Luxe-Weg überrascht, der auf Holzplanken durch Wiesen und Dünen führt, die Laguna dos Salgados. Ein Turm zur Vogelbeobachtung steht bereit. Erstmals sind die felsigen Klippen im Westen der Algarve zu sehen und es geht über eine Art Hochebene. Nach Rosmarin und Thymian duftet’s, zum Rasten bieten sich knorrige Olivenbäume an, die Schatten spenden, oder Abstecher zu kleinen Buchten mit Stränden und einem Bad im kühlenden Nass.

Ein portugiesischer Radweg zu Sardinen in Portimão und Kabeljau in Salema

Leider ist die Ecovia hinter Lagoa (noch) unterbrochen und man weicht einmal mehr auf die N125 aus, was aber eine spektakuläre Einfahrt nach Portimão über eine weite Spannbrücke über den Rio Arade beschert. „Wie weit ist es bis Portimão?“, so fragten die Radler einen Algarvio am Wegesrand. Fünf Kilometer, mais ou menos, mehr oder weniger, meinte der. Es waren fast zehn. In Portimão gilt es, die alten Fischerkais zu besuchen, die zwar heute eher von Ausflugsbooten genutzt werden, doch gegrillte Sardinen werden in den dortigen Restaurants immer noch serviert. Eine Gruppe von vier deutschen Radfahrern trifft ein, von denen einer stets mit seinem Rad an der Algarve überwintert. „Denn wo kann man so schön Rad fahren wie hier!“, meint er lächelnd.

Der nette Münchner kennt alle Routen und erklärt, dass man erst hinter Lagos bei Praia da Luz wieder ans Meer abbiegen könne. Wie wird man da verwöhnt! Spektakuläre Ausblicke auf steil abfallende Klippen und bizarre Felsen tun sich auf, gegen die der Ozean andonnert. Die weiße Gischt sprüht. Am Strand vergnügt sich ein portugiesischer Kindergarten. So geht es weiter, und es ist nicht zu entscheiden, welchem Dorf im Westen der Algarve man nun den Preis des schönsten geben sollte. Ab Burgau trifft man wieder auf die Ecovia. Eine Möwe ruft. Kinder bauen Sandburgen. Und schon in Salema ist der nächste Stopp fällig: Zum Meeresrauschen gibt es in der Strandbar ein Imperial, ein frisch gezapftes kühles, kleines Bier, dazu ein Pasteis de Bacalhau, ein frittiertes Kabeljauhäppchen. Wie überhaupt die Verpflegung für Radfahrer längs der Route immer gesichert ist. Kneipen, Cafés, Bars und Restaurants sind zahlreich.

Die Ecovia litoral nach Vila do Bispo und bis nach Sagres

Die Feldwege sind nun gesäumt von Opuntien und Agaven. Weg von der Küste und eine Weile ins Inland geht es nun Richtung Vila do Bispo und weiter auf einem Radweg neben der Straße bis Sagres. Der Wind pfeift, im Hafen Baleeira dümpeln die bunt angestrichenen Fischerboote im sanften Abendlicht. Die heilige Halbinsel, das Promontorium Sacrum, beherbergte angeblich einst in ihrer Festung die berühmte Seefahrerschule Heinrichs des Seefahrers. Eine Legende, von der man bis heute zehrt. Nebenan man auf der südlichsten Klippe kann man ein Ungeheuer schnauben hören. Dazu lausche man in eine Höhle hinab. Auf einem Rundgang rund ums Kap und die Festung Fortaleza, kommt man auch an einer historischen Windrose und einer Weltkugel vorbei, bei der man mittels Knopfdruck die einstigen Routen der portugiesischen Entdecker aufleuchten lassen kann. Auch von diesen Geschichten und Portugals einstiger Vormachtstellung zehrt man noch heute. Eine Möwe putzt sich und kümmert sich nicht um Portugals einstige Größe.

Radfahrersnack: Bratwurst am Kap – Am Atlantik ist Schluss

Über eine Hochebene mit Macchia und Steinen radelt man zum krönenden Abschluss, dem windumtosten gischtumsprühten Cabo de São Vicente mit seinen hohen, steil abfallenden Klippen. Zur Mittagszeit trifft gleißendes Sonnenlicht auf die Steilküste und schießt an ihr noch. Unten tun sich Buchten und Strände, Grotten und Höhlen auf. Ein Angler kauert auf einem schmalen Vorsprung und wartet auf einen Biss. In dramatischen Szenerien wird vom unaufhörlichen Wind der Sprühnebel der Brandung über die Küste geblasen. Der Blick fällt auf den tiefblauen Atlantik und kreuzende Tanker in Richtung Amerika. Sicherlich ist diese hier eine der beeindruckendsten Landschaften Europas. Der Kilometer Null des Radwegs ist am lichtstärksten Leuchtturm Europas erreicht. Und hier ist endgültig Schluss. Nun könnte man nur noch in See stechen, hier, wo die Klippen jäh abbrechen, wo Europa ins Meer abfällt und der endlos scheinende Ozean beginnt. Doch verhungern muss der Fremde auch hier nicht: „Letzte Bratwurst vor Amerika“ steht in großen Lettern an einem Kiosk zu lesen. „Aqui, onde a terra se acaba e o mar começa..“ Hier, wo das Land endet und das Meer beginnt (Luis de Camões).

Fazit: Der Weg verläuft meist flach und manchmal leicht hügelig auf Feldwegen, Nebenstraßen und Radwegen der Algarve und lässt sich mit einem normalen Tourenrad mit normaler Bereifung fahren. Die Ecovia litoral ist eine beeindruckende Route durch kleine Städte, mit viel Natur und unterschiedlichen Landschaften am Wegesrand, schönen Stränden und Buchten, die noch fertig gestellt werden muss. Von fehlenden Schildern et cetera sollte man sich allerdings nicht abhalten lassen. Es lohnt sich unbedingt!

Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

Judith Weibrecht - Judith Weibrecht wurde in Fürth/Franken geboren. Schon früh sagte man ihr übertriebene Reiselust nach (angeblich von der ...

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