Während in den letzten Jahren renomierte deutsche Radställe, wie Gerolsteiner, Wiesenhof und T-Mobile sich aus dem Profiradsport zurück gezogen haben und vor der laufenden Saison auch das letzte verbliebene erstklassige Team Milram seinen Rückzug bekannt gegeben hat, sorgte NetApp für positive Meldungen innerhalb der deutschen Radsportszene. Der amerikanische IT-Konzern kündigte Ende 2009 an einen neuen Rennstall in Deutschland zu unterstützen. Daraufhin wurde das Team NetApp gegründet.
Stammsitz des neuen Rennstalls ist Raubling in Oberbayern. Als Teamleiter konnte der ehemalige Radrennfahrer Ralph Denk gewonnen werden. Sportliche Leiter sind Jens Heppner und Enrico Poitschke. Ebenfalls zwei ehemalige Profis. Heppner war jahrelang treuer Helfer von Tour de France-Sieger Jan Ulrich. Dieses Trio soll NetApp an die Spitze führen.
Denn der Software-Konzern hat Großes vor. Laut eigenen Aussagen soll das Team 2012 in der ProTour antreten, wie Europachef Andreas König das ehrgeizige Ziel umreißt. „Der Fußball-Bundesligist Hoffenheim, den wir seit Jahren unterstützen, ist unser Vorbild.“ Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg. NetApp wird sich durch die harten Mühlen des Radsports kämpfen müssen. Deshalb startet der Konzern mit dem neuen Rennstall in der drittklassigen Continental-Meisterschaft. Seit 2010 treten die Fahrer in der UCI Europe Tour an.
14 Fahrern aus neun Nationen
Das NetApp setzt dabei auf eine Reihe von jungen, talentierten Pedaleuren. Einziger „Oldie“ ist Eric Baumann, der früher schon einmal als Profi für T-Mobile an den Start ging. Der Sprinter ist zusammen mit Andreas Schilliger der Kapitän der ansonsten jungen Mannschaft. Mit Tassilo Fricke und Michael Schwarzmann finden sich auch zwei 18-jährige im Aufgebot. Sie sollen langsam an höhere Aufgaben heran geführt werden. Dabei sorgt schon die Kadergröße dafür, dass die Talente frühzeitig mit starken Gegnern zu tun bekommen. 14 Fahrer aus neun Nationen verpflichtete NetApp vor der Saison. Wegen diverser Verletzungen standen Heppner und Poitschke zwischenzeitlich nur zehn Athleten zur Verfügung.
Das Aufgebot von NetApp
- Jan Bárta (24, Tschechien)
- Eric Baumann (29, Deutschland)
- Cesare Benedetti (22, Italien)
- Dimitri Claeys (22, Belgien)
- Bastien Delrot (23, Frankreich)
- Huub Duyn (25, Niederlande)
- Tassilo Fricke (18, Deutschland)
- Alexander Gottfried (24, Kasachstan)
- Nico Keinath (22, Deutschland)
- Alexander Meenhorst (22, Neuseeland)
- Andreas Schillinger (26, Deutschland)
- Daniel Schorn (21, Österreich)
- Michael Schwarzmann (18, Deutschland)
- Timon Seubert (22, Deutschland)
Erste Achtungszeichen für NetApp
Wer vermutet hatte, dass sich NetApp verstecken würde, um erstmal langsam ins Renngeschehen reinzufinden, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Die Mannschaft tritt sehr offensiv auf und setzt sich immer wieder gekonnt in Szene. Dadurch konnte die Mannschaft schon erste Erfolge feiern und eine erste Duftmarke im Rennsportzirkus hinterlassen.
Trotz einer frühen Verletzung von Eric Baumann, konnte NetApp jubeln. Beim gut besetzten Giro del Trentino fuhr Timon Seubert gleich im Auftaktzeitfahren auf Rang sechs und damit für einen Tag ins Trikot des besten Nachwuchsfahrers.
Bei der Delta Tour Zeeland sprintete Andreas Schillinger auf dem zweiten Abschnitt auf Rang 13 und verpasste nur knapp die Top Ten.
Bei der Murcia Rundfahrt boten die jungen Fahrer den Pro Tour-Teams Paroli. Daniel Schorn sprintete bei zwei Zielankünften auf Rang drei und fünf. Im Zeitfahren eroberte Seubert Rang elf und ließ dabei sogar Lance Armstrong hinter sich.
Erster Sieg für Daniel Schorn
Den Höhepunkt feierte das Team NetApp jedoch bei der Normandie Rundfahrt. Schorn, zweiter Sprinter in der Mannschaft sicherte seiner Mannschaft den ersten Sieg der Historie. Mit Rang drei holte sich Jan Bárta sogar zeitweise das Gelbe Trikot des Spitzenreiters.
Bei den deutschen Traditionsklassikern „Rund um Köln“ und „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ zeigten sich die Pedaleure immer wieder im Vorderfeld.
Schorn, der sich zwischenzeitlich einer Operation unterziehen musste, kehrte mit einem sechsten Platz bei den Neuseen Classics in Leipzig zurück.
Dimitri Claeys beendete die polnische Rundfahrt Szlakiem Grodów Piastowskich auf Gesamtrang neun.
NetApp fährt Rennen der HC-Kategorie
Mit der Teilnahme an der Bayern Rundfahrt nahm das Continental-Team erstmals an einem Rennen der HC Kategorie statt. Auch ohne Top-Platzierung eine gute Möglichkeit weiter zu lernen und Erfahrungen zu sammeln, die sie dann in den kommenden Rennen gewinnbringend einsetzen können. Beispielsweise bei der Route du Sud, an der NetApp ab dem 18. Juni 2010 teilnimmt.
Der junge Rennstall hat den ersten Schritt gemacht. Ziemlich erfolgreich und damit eine gute Basis gelegt für die Zukunft. Doch bis NetApp in die großen Fußstapfen von T-Mobile, Gerolsteiner oder Team Milram treten kann, werden noch einige Jahre ins Land ziehen. Aber bis 2012 hat die Mannschaft auch noch etwas Zeit, sich einen guten Namen in der Szene zu machen.
