Radurlaub auf Lanzarote

Sportliche Herausforderung in bizzarer Vulkanlandschaft

endlose Lavawüste - Peter Steinhauer
endlose Lavawüste - Peter Steinhauer
Die Kanareninsel Lanzarote ist im Frühjahr ein beliebtes Urlaubsziel für Radfahrer. Die heftigen Passatwinde und das Höhenprofil verlangen dem Sportler einiges ab.

Der Sport-Club La Santa macht einen nicht gerade einladenden Eindruck. Das klotzige Gebäudeensemble ist von hohen Mauern eingefasst und wirkt wie eine Festung. Auch die umgebende Natur hat nicht viel zu bieten. Zwischen staubigem Steingeröll quält sich allenfalls ein stacheliger Kaktus.

Auf der Straße strampeln auffallend viele Radfahrer gegen den mächtig wehenden Wind an. Die meisten der Sportler haben sich im La Santa Club einquartiert, um auf der Kanareninsel Lanzarote die nahe Saison vorzubereiten. Im dem berüchtigtem Sportclub treffen sich im Frühjahr die weltbesten Triathleten, um sich auf die Weltmeisterschaft über die Langdistanz - den Ironman Hawaii - vorzubereiten. Die vom Atlantik einfallenden rauen Passatwinde geben einen Vorgeschmack auf den Kampf gegen die gefürchteten Mumunku-Winde auf Big Island.

Leider macht nicht nur der Wind das Rad-Training auf Lanzarote zu einer ehrgeizigen Angelegenheit. Die 800 Quadratkilometer große Insel verfügt kaum über echte Flachpassagen. Allerdings warten rund 2.500 Höhenkilometer auf die Sportler. Erfahrene Fahrer raten wegen der anspruchsvollen Bedingungen, die Umfänge der zu Hause ausgearbeiteten Trainingspläne um ein Drittel zu reduzieren. Sonst droht bereits nach den ersten Tagen die totale Erschöpfung.

Kräfte raubender Anstieg zum Mirador del Rio

Die anspruchsvollste Rad-Tour auf Lanzarote führt entlang der Westküste über das Tal der tausend Palmen und die Ortschaft Haria zur Nordspitze der Insel. Der Aufstieg über die Serpentinen zum Mirador del Rio verlangt dem Athleten alles ab. Oben angekommen wird der abgekämpfte Radler mit einem spektakulären Ausblick auf die nahe gelegene Insel La Graciosa belohnt. Die Abfahrt hinunter zum beschaulichen Fischerort Orzola ist für am Berg ungeübte Fahrer leider kein echtes Vergnügen. In der Höhe bläst der Wind noch heftiger. Kommt er von der Seite, dann packt manch einen die nackte Angst. Die Naturgewalt droht, den Radfahrer aus dem Gleichgewicht zu bringen und im schlimmsten Fall über die Klippen hinunter in die Tiefe zu blasen. Nervenstärke und vor allem Lenkkünste sind hier gefragt.

Die Küstenstraße zurück in den Süden ist endlich flach und lädt ein, ungehemmt in die Pedale zu treten. Es geht vorbei an türkis schimmernden Lagunen, mitten durch den grünsten Teil der Insel. Wer nun eine Ruhepause herbeisehnt, der macht einfach einen Abstecher zum Jadin de Cactus oder den Jameos del Agua. Die beiden Orte gehören zu den Sehenswürdigkeiten auf Lanzarote und sind erbaut von dem allgegenwärtigen Architekten Cesar Manrique.

Mit dem Rennrad durch den Timanfaya Nationalpark

Zu den Höhepunkten des Radurlaubs auf der kanarischen Vulkaninsel zählt die Tour durch den Timanfaya Nationalpark. Kilometerweit breitet sich die schwarze Lava aus, nirgendwo ein Baum oder Strauch. Die unwirkliche Mondlandschaft ist von bizarrer Schönheit. Von 1730 bis 1736 begruben Vulkanausbrüche fast ein Viertel der Insel. Übrig blieb das größte zusammenhängende Lavafeld der Welt. Durchquert man den Nationalpark vom Norden aus, wartet an dessen Ausgang eine atemberaubende Abfahrt. Mehrere Kilometer lang führt die Straße geradewegs zu dem Ort Yaiza. Wer Höchstgeschwindigkeiten auf dem Rennrad liebt, der kommt hier voll auf seine Kosten.

Gute Infrastruktur für sportliche Radurlauber auf Lanzarote

Die Straßenbeläge auf Lanzarote haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Im Frühjahr sollte man sein eigenes Rad mitbringen, denn die Leihräder sind dann ausgebucht. Wer nicht in dem relativ teuren Sportclub La Santa absteigen will, der findet eine Unterkunft in einer der zahlreichen Hotelanlagen. Über eines sollte man sich im Klaren sein: Ohne ein gewisses Trainings-Niveau sowie etwas sportliche Ambitionen wird der Spaß auf Lanza nur begrenzt sein.

Peter Steinhauer, Christoph Steinhauer

Peter Steinhauer - Ich arbeite als freier Journalist in Berlin für Print und Internet. Studiert habe ich in Bonn und Köln die Fächer ...

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