
- Algarve, Cacela Velha, Renaissance-Kirche - Bernd Keiner
Reisende, die in Faro aus dem Flugzeug steigen, können sich freuen – sie sind in der Algarve, einem der letzten Urlauber-Habitate auf dem europäischen Festland mit nahezu 100%-er Sonnengarantie. Das ist doch schon einmal was. Seit die Tourismus-Experten im fernen Lissabon mit der für das kleine Land im europäischen Südwesten üblichen Verspätung endlich den „sanften“ bzw. den Eco-Tourismus entdeckt haben, lohnt sich die Mitnahme des eigenen Fahrrades, denn mit eben diesem Fitness-Gerät lässt sich wunderbar – so attestieren es jedenfalls die Macher der Ecovia Litoral, eines mit EU-Geldern finanzierten Radwanderweges – die Algarveküste hautnah entdecken.
Start der Tour de Algarve ist Vila Real de Santo António
Als Ausgangspunkt für diese vortreffliche Exkursion empfiehlt sich Vila Real de Santo António, kurz V.R.S. genannt, eine Stadt an der Mündung des Guadiana, die 1774 im Auftrag des Marqués do Pombal in nur zwei Jahren geplant und gebaut wurde, die typischen Merkmale für die Zeit der Aufklärung trägt und auf einer Art Schachbrettmuster basiert. Stichwort Aufklärung: Die benötigt der ortsunkundige Fahrrad-Tourist in der Tat, wenn er auf der riesigen Praça do Marqués do Pombal steht und verzweifelt nach Hinweisschildern sucht, um zum Startpunkt der Ecovia litoral zu gelangen. Die gibt es nicht. Man folgt einfach instinktiv dem rot asphaltierten Radweg entlang der dicht befahrenen N125 Richtung Tavira/Faro, passiert die Abzweigung zum bunten Beton-Idyll Monte Gordo, die portugiesische Antwort auf Ballermann 7 und ist völlig überrascht, das dieser etwa einen Kilometer weiter kurz hinter einem Kreisverkehr abrupt am Rand einer löchrigen Asphaltpiste endet.
Ecovia litroral, der ökologische Küstenradweg durch Südportugal
Keine Panik, einfach weiter radeln und sich an der für die Ostalgarve typischen Kulturlandschaft erfreuen: Plastikmüll in den Straßengräben, stinkende, überquellende Abfallcontainer, Grafitti-Kunst an zerfallenen Häusern und Mauerresten. Vermeiden sollte man den Abstecher nach Alagoas oder Manta Rota, nichts als weitere Retorten-Siedlungen für den Massen-Tourismus. Einziger lohnenswerter Abstecher ist ein Besuch des Kastells von Cacela Velha und der nach dem Erdbeben von 1755 wieder aufgebauten kleinen Kirche mit ihrem klassischen Renaissance-Portal. Von der Anhöhe genießt man eine traumhafte Aussicht auf die Lagunenlandschaft der Ria Formosa mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt.
Tavira und Santa Luzia, die Hauptstadt des Tintenfischs
In Sichtweite von Tavira, eine der schönsten und ältesten Städte der Algarve, sollte man den Kreisverkehr der N125 in Richtung Centro Comercial verlassen. Und kaum passiert man die hässliche Fassade einer gigantischen Shopping Plaza, scheinen auf dem Asphalt eine verblichene blaue Linie und aufgemalte Fahrradsymbole auf. Zuversichtlich folgt man diesen Zeichen über die Gilhão-Brücke weiter nach Westen Richtung Santa Luzia. Das kleine Fischerdorf am Rand der Ilha de Tavira nennt sich selbstbewusst „Hauptstadt des Tintenfischs“. Und den sollte man hier unbedingt probieren. Am besten im Restaurant Casa do Polvo Tasquinha. Zum Einstimmen empfiehlt sich Salada de Polvo, hauchfein geschnittene Oktopusarme mit Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch und Paprika. Spezialitäten des Hauses sind Polvo no forno, gegrillter Tintenfisch und Chocos com favas, Tintenfisch mit dicken Bohnen. Dazu mundet vortrefflich ein kühles Bier oder ein Casal Garcia, ein spritziger leichter Weißwein.
Die Ecovia litoral zwischen Ria Formosa und Faro
Wer jetzt noch Lust hat, die Ecovia litoral zu erkunden, der muss suchen und wird tatsächlich fündig zwischen Arroio uns Arroteia. Hier, in Sichtweite der Austernbänke der Ria Formosa stehen zwei mannshohe, ansprechend gestaltete Wegweiser, die über den weiteren Verlauf des Radweges informieren – leider nur in Portugiesisch. Von hier sind es nur ein paar Kilometer bis Fuzeta, einer skurrilen Kombination aus Fischerdorf und Ferienort, wo man vergebens nach Beschilderungen Ausschau hält. Bleibt nichts weiter als auf die schon bekannte N125 auszuweichen, neben der Autobahn A22, eine der wichtigsten Verkehrsadern Portugals. Auf ihr erreicht man dann problemlos das Ziel – Faro, die Hauptstadt der Algarve.
Quellen: Turismo do Algarve, eigene Recherche an der Algarve
