
- Treidelweg per Rad am Canal de la Robine - Judith Weibrecht
Nach der dritten Route per Fahrrad an der Via Domitia findet man nun auf der vierten in Narbonne (Colonia Narbo Martius) ein frei gelegtes Stück der Via Domitia mitten auf dem Rathausplatz. Hier in der Gegend war die älteste beziehungsweise erste römische Kolonie außerhalb Italiens und Narbonne einst die Hauptstadt der römischen Provinz Gallia Narbonensis und wichtiger Handelsplatz. Unter Kaiser Constantin wurde das Christentum Staatsreligion und Narbonne Bischofssitz. So schmückt bis heute der Palais des Archevêques, der Bischofspalast, den Ort. Er ist eine labyrinthische Residenz mit Gängen, Innenhöfen, einem Kreuzgang, Treppen und Galerien. „Die imposante, weithin sichtbare Kathedrale Saint-Just-et-Saint-Pasteur ist über einen Kreuzgang erreichbar“, erklärt Christophe, der Touristen durch die Stadt führt. In einem Teil des Palastes befindet sich das archäologische Museum mit einem Meilenstein der Via Domitia und römischen Malereien. Eine Fülle an behauenen Steinen, Skulpturen, Reliefs und Grabmälern aus der Römerzeit findet sich auch im Lapidarium, der einstigen Kirche Notre-Dame de la Mourguié. Angeblich ist dies gar die größte römische Steinsammlung außerhalb Roms.
Mit dem Fahrrad hinaus aus Narbonne
Über die Pont des Marchands, eine Brücke römischen Ursprungs mit Häusern und Geschäften und den zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Canal de la Robine geht es hinüber zur Markthalle. Dort pulsiert das Leben, es gibt alle Spezialitäten der Region: Tarte pignons (Kuchen mit Pinienkernen), Galette occitaine, ein mit Zucker bestreuter Blechkuchen der Orangenwasser enthält, Fougasse anis (Anisbrot) Oliven und Olivenmus, Schaf- und Ziegenkäse.
Wer möchte, kann ab Narbonne auch dem Canal du Midi per Fahrrad folgen.
Radwege auf alten Treidelpfaden am Canal de la Robine
Dem Canal de la Robine folgt man weiter auf alten Treidelwegen unter Platanen raus aus der Stadt, der „Tochter des Windes, des Meeres und der Sonne“, wie sie auch genannt wird. Immer wieder trifft man auf ältere, teils gut gebaute, in bunte Trikots gewandete Herren am Radweg. Der Mistral kommt immer von vorn und verbläst die Samen der Platanen. Ein Pläuschchen mit einem bestimmt 70-jährigen Rennradfahrer muss sein. Seine Fahrradbrille habe er zusätzlich mit einer Art Tesamoll verklebt, damit ihm auch ja nichts von den „Dingern“, die die Platanen abwerfen, ins Auge fliegt, so erklärt er mit Händen und Füßen. „C´est mauvais pour les yeux!“. Das ist schlecht für die Augen! Recht hat er. Sie tränen.
Ein Sofa am Strand für die südfranzösische Radpause
Durch Marschland, Sumpf- und Schilfgebiet mit Kanälen und Weihern, Reihern und jungen Stieren geht es bis ins Fischerdorf Gruissan mit seinem Barbarossaturm, der zu einer Burganlage aus dem 11. Jahrhundert gehört. Drumherum gruppieren sich in Kreisform angelegt die Gassen mit ihren bunten Häuschen. In Gruissan-Plage mit seinen typischen, auf Stelzen stehenden Chalets, üben Windsurfer in den Wellen des Mittelmeers. Zum Ausruhen steht direkt auf dem Strand ein schwarzes Ledersofa bereit. Ein römisches Speisesofa? Radfahrer nehmen es in Beschlag, starren in die Wellen und machen sich über das Picknick her.
Über die Ile Saint-Martin mit ihren Salinen geht es zurück zum Canal de la Robine und auf dem Radweg bis Port-la-Nouvelle. Ab dort kann man in der französischen RE zurück bis Narbonne fahren. „Au revoir!“, sagt die deutsche Radfahrerin zu Christophe und merkt, dass etwas nicht stimmt. Der dritte Kuss des Gegenübers landet im Leeren. Mist, nur zweimal geküsst.
