
- Alant - Dörthe Huth
Das Räuchern gehörte für unsere Ahnen seit Jahrtausenden zum alltäglichen Leben. Die alten Hochkulturen hatten sich sogar ein enormes Wissen über Pflanzen und deren Wirkweise erschlossen. In Asien, Amerika und Afrika hat das Räuchern Tradition und ist bei manchen Völkern als wichtiges Ritual bis heute erhalten geblieben. Erst im vorigen Jahrhundert ging uns Europäern das Wissen um das Räuchern im eigenen Kulturkreis verloren. Doch seit einigen Jahren entdecken wir das fast schon verlorene Wissen über das Räuchern mit unseren heimischen Pflanzen gerade wieder neu.
Räucherpflanzen direkt vor unserer Tür
Im eigenen Garten, im Wald aber auch am Wegesrand findet man eine bunte Vielfalt heimischer Pflanzen, die sich zum Räuchern eignen. Gerade einige der unscheinbaren Kräuter, an denen wir achtlos vorüber gehen oder die man allgemeinhin als Unkraut identifiziert, ergeben ein wunderbares Räucherwerk und wachsen direkt vor unserer Haustür. Melisse, Alant oder Holunder sind nur einige Beispiele. Nicht selten haben diese Pflanzen sogar eine Heilwirkung, von der wir nicht einmal ahnen. Allerdings sollte die Wirkung der Pflanzen niemals unterschätzt werden. Gerade da, wo es nicht nur um Wellness, sondern um Heilung von Krankheiten geht, sollte immer ein fachkundiger Arzt oder Heilpraktiker hinzugezogen werden.
Räuchern als Auszeit vom Alltagsstress
Auch für die Menschen unserer Zeit kann das Räuchern hilfreich sein. Zum Beispiel um sich eine Auszeit vom Alltag zu verschaffen, der Alltagshektik zu entfliehen, die Seele einmal baumeln zu lassen und über die Sinne zu genießen. Mit dem richtigen Räucherwerk kann man sich gute Stimmung herbeiräuchern, sich wohler fühlen, sich besser konzentrieren oder einfach nur mal entspannt tagträumen. Anderes Räucherwerk wirkt entspannend und beruhigend oder auch vitalisierend, anregend und motivierend. Je nachdem, welches Ziel man verfolgt, kann man eine Räucherung zweckgerichtet einsetzen. Mit dem Räuchern macht man einmal Pause vom Alltag.
Äußere und innere Reinigung
Es ist noch gar nicht so lange her, dass auch bei uns Krankenzimmer ausgeräuchert wurden, denn das Räuchern bestimmter Pflanzen hat eine desinfizierende und keimtötende Wirkung. Besonders dem intensiv duftenden Salbei wird eine reinigende und klärende Wirkung zugeschrieben. Ebenso kann Salbei zur inneren Reinigung geräuchert werden, um den Kopf wieder frei zu bekommen und mit einem klareren Blick zu sehen. Auch der unscheinbare Beifuß entwickelt beim Räuchern einen bittersüßen Geruch und wirkt dabei reinigend und klärend. Er soll beim Loslassen helfen und die Öffnung für neue Perspektiven fördern.
Die Energie der hellen Zeit mit der Räucherung wiederbeleben
Die getrockneten Pflanzen erinnern uns an den Sommer und duften noch im Winter. Sie verbinden uns mit der hellen Zeit des Jahres, selbst wenn die Tage dunkler werden. Mit einer Räucherung schenkt man sich selbst eine wunderbare zusätzliche Möglichkeit, den Duft des Sommers auch im Winter zu genießen und so die helle Zeit des Jahres noch nachträglich zu nutzen. Nicht selten hellen sich mit dem Räuchern auch die Gedanken wieder auf, werden heller, klarer und leichter. Denn mit dem Rauch verschwinden so manches Mal auch die trüben Gedanken.
So funktioniert das Räuchern ganz praktisch
Man braucht eine Räucherschale oder ein anderes Räuchergefäß, etwas Sand, eine Kohletablette, Streichhölzer, einen feuerfesten Untergrund und das selbst gesammelte oder gekaufte Räuchergut.
- Das Räuchergefäß wird mit etwas Sand gefüllt und auf einen feuerfesten Untergrund gestellt
- Die Räucherkohle wird in den Sand gesetzt und angezündet. Dann fächert man der Kohle etwas Luft zu, bis sie ganz mit Glut überzogen ist.
- Auf die Glut gibt man eine kleine Dosis des Räucherwerks und kann sich an dem Duft eine ganze Weile erfreuen, am besten bei geöffnetem Fenster
Räucherpflanzen für den Stadtschamanen
Ab dem Frühjahr bis weit in den Herbst hinein wächst bei uns fast überall am Wegesrand völlig unbeachtet das Mariengras. Für eine Räucherung werden die langstieligen Halme geschnitten und zu einem Bund geflochten. Getrocknet wird der Räucherkranz in einer feuerfesten Schale angezündet und direkt wieder ausgepustet, damit er langsam verglimmen kann. Dabei entfaltet sich ein angenehm süßlicher Wohlfühl-Duft, der eine freudig entspannte Atmosphäre schafft. Dabei kann man gut abschalten, loslassen und die Leichtigkeit des Seins spüren. Auch Beifuß ist so ein Kraut, das normalerweise wenig Beachtung findet. Beifuß gilt als Schutz- und Heilpflanze, die beim Verräuchern Intuition und Weiblichkeit stärkt, negative Schwingungen aufhebt und beim Loslassen von seelischem Schmerz unterstützt, wie z.B. bei Liebeskummer. Auch Beifuß kann ohne Räucherkohle zum Verglimmen gebracht werden.
Rinde, Wurzeln und Harze für Räuchermischungen
Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten zu räuchern. Räuchern kann man nicht nur heimische Kräuter, sondern auch Wurzeln, Rinde oder Harze. Kleingeschnitten können sie in unterschiedlichen Varianten wunderbar individuelle Räuchermischungen ergeben. Wer sich schon länger mit dem Räuchern beschäftigt hat, kann sich Räucherungen für jeden beliebigen Anlass zusammenstellen: zum Abspannen, zum Gedankenverscheuchen oder einfach nur zum Genießen.
Viele Räucherpflanzen finden sich am Wegesrand, können bei einem Waldspaziergang gesammelt werden oder lassen sich im Garten oder auf dem Balkon ziehen. Aber auch auf dem Markt, in Gewürz- oder Kräuterläden werden frische oder getrocknete Kräuterblätter angeboten. Manche Pflanzen sind auch über den Apothekenhandel zu beziehen oder als fertige Mischungen in Esoterikläden zu finden.
Weiterführende Literatur zum Räuchern
Marlis Bader: Räuchern mit heimischen Kräutern. Goldmann 2008.
Susanne Fischer-Rizzi: Das Buch vom Räuchern. AT-Verlag 2008.
