
- Raffael: ein genialer Künstler - Georgios / Dreamstime.com
Raffael, Sohn des Giovanni Santi, einen Goldschmied und späteren Maler, wird am sechsten April 1483 in Urbino geboren. Bereits mit elf Jahren Vollwaise, verlässt er seine Heimatstadt und beginnt seine künstlerische Laufbahn in der Werkstatt von Pietro Vannucci, genannt "Perugino“, in Florenz und Rom. Im Alter von erst siebzehn Jahren bekommt Raffael den Auftrag für die Pala di San Nicola in Città di Castello. In dieser frühen Schaffensperiode ist der Einfluss Peruginos sehr stark, wie die Madonna Solly in Berlin, das Crocifisso Mond in London und die Marienkrönung im Vatikan zeigen. Seine Werke machen Raffael in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts zum Protagonisten der florentinischen Malerei. Der Dialog mit der toskanischen Kultur ist im vollen Gange und reicht von Verrocchio bis Ghirlandaio, von Frà Bartolomeo bis Piero di Cosimo, von Leonardo da Vinci bis Michelangelo.
1508 wird Raffael von Papst Julius II. nach Rom geholt. Der Künstler erhält den Auftrag, die päpstlichen Gemächer (Stanzen) mit Wandgemälden auszuschmücken. Die Originalität seiner künstlerischen Sprache ist von einer einfachen Komposition geprägt, in der die menschlichen Figuren in einer perfekten Ausgeglichenheit wiedergegeben sind. Sie werden zu Vorbildern der neuen figurativen Poetik der Renaissance.
Raffaels berühmte Werke in den Papstgemächern
In der Zeit zwischen 1509 und 1517, während der Arbeiten an der Stanza della Segnatura, entstehen Raffaels drei berühmteste Werke: La Disputa, die Schule von Athen und Parnass. Das Thema von La Disputa ist ein Streitgespräch unter Theologen über die Bedeutung der Eucharistie auf dem Altar: Die Monstranz ist auf der zentralen Achse der Komposition positioniert und dominiert die untere Szene. In der oberen Szene sieht man die Taube, Sinnbild für den Heiligen Geist, Christus, der die Wundmale zeigt und der segnende Gott Vater.
Die Schule von Athen zeigt die Kraft der Philosophie und der Vernunft und wird von Experten für Raffaels absolutes Meisterwerk gehalten. Die Philosophen der Antike sind in einer majestätischen Architektur, untermalt mit Gewölben, dargestellt. Am Ende der kurzen Treppe befinden sich die Hauptfiguren, angeordnet in einer Reihenfolge, die die Zentralität der Erde betont und mit der himmlischen Sphäre, der Disputa del Sacramento, auf der gegenüberliegenden Seite kontrastiert.
Das dritte Fresco für die Stanza della Segnatura ist der Parnass. Der Protagonist der Szene ist Apollo, der auf dem Berg Parnass thront. Bekrönt mit dem Lorbeerkranz spielt der die Leier. Rechts und links von ihm scharen sich achtzehn Poeten, aufgeteilt in neun antike und neun moderne. Links ist Homer blind dargestellt, daneben Dante mit seinem charakteristischen Profil. Auf der anderen Seite des Dichters ist Vergil zu sehen, dicht neben ihn Petrarca, Boccaccio und Ariosto. Während die ersteren Frescen die Theologie und die Philosophie illustrieren, feiert sich bei Parnass die Poesie als die höchste Beschäftigung des Geistes, mit der sich der Mensch Gott nähern kann.
Raffaels letztes Werk und sein frühes Ableben
Raffael stirbt während er am Gemälde die Verklärung Christi arbeitet, das heute in der Pinacoteca Vaticana aufbewahrt ist. In Auftrag gegeben wurde es von Kardinal Giulio de´ Medici für die Kathedrale von Narbona. Beim Begräbnis des Künstlers im Pantheon wurde es ausgestellt. Das Gemälde stellt in der oberen Hälfte Christi auf dem Berg Tabor zwischen Moses und Elia und zu seinen Füßen Petrus, Jakob und Johannes dar. Im unteren Teil des Bildes wird eine Episode aus dem Evangelium dargestellt: das von Dämonen besessene Kind, die die Apostel nicht vertreiben können, wird vom Berg herabsteigenden Christus befreit.
Raffael starb siebenunddreißigjährig am sechsten. April 1520, einem Karfreitag, wie auch sein Geburtstag, der sechste April 1483, ein Karfreitag war. Über seinen frühen Tod gibt es widersprüchliche Angaben: Ein Aderlass zur Kurierung einer Geschlechtskrankheit, die er sich bei seinen Affären mit Frauen zugezogen haben soll, soll Todesursache gewesen sein. Anderen Angaben zufolge starb er an Malaria. Ebenso wird die Pest in Betracht gezogen.
Für Raffael besitzt Kunst, vor allem anderen, ästhetischen Wert. Schönheit findet sich in der Natur nur unvollkommen wieder, so sein Credo . Nur die Kunst ist imstande die Schönheit ganz zu offenbaren. Raffael war fähig, verschiedene künstlerische Kulturen zu vermischen. Er tat dies mit Hilfe einer eindringlichen Interpretation, die aus der neuplatonischen Idee der Renaissance geboren wurde. Danach ist die Würde des Menschen ein Abbild der Perfektion, der Intelligenz und der Schönheit, eben der Göttlichkeit.
Quellenangabe: roma editrice – Monographie der Kunst – ATS Italia Editrice S. r. l.
