Rassismus und Homophobie in Sachsens Stadien

In der Ausstellung - Jonny Michel
In der Ausstellung - Jonny Michel
Initiativen zeigen Rassisten, Antisemiten und allen anderen Menschenverachtungen in einer Chemnitzer Ausstellung die Rote Karte.

Die Ausstellung „Strafraum Sachsen“ über Diskriminierung im Fußball ist noch bis zum 12. Mai im Chemnitzer Kulturkaufhaus DAStietz zu sehen. Die Schirmherrschaft über diese Exposition üben die Oberbürgermeisterin, Barbara Ludwig, und der Chemnitzer Fußballclub (CFC) aus. Anschaulich werden auf 15 Ausstellungstafeln Formen von Diskriminierungen, Auswirkungen und Präventionsgedanken thematisiert. Homophobie bei den Fans, aber auch bei den Spielern und Fußballverantwortlichen, Rassismus in den Fankurven, Sexismus in der Werbung und neonazistische Symbole auf den Rängen prägen nicht selten das Bild von Fußballveranstaltungen.

Homophobie bis in die Chefetagen

Die sozialen Aversionen gegen Schwule und Lesben haben eine lange Geschichte. Erst 1994 wurde beispielsweise im Rahmen der Rechtsangleichung mit den Strafgesetzen der DDR der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches gestrichen. Dieser stellte gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen unter Strafe. Es verwundert also nicht, dass in dieser Ausstellung dann der ehemalige Bundestrainer, Christoph Daum, zitiert werden muss: „...da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen...“. Weiter nimmt dann Daum den DFB-Präsidenten in die Pflicht: „Ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgend welche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten...“. Dass die früheren Äußerungen Daums kein Schnee von gestern sind, zeigt die Realität beispielsweise in Leipzig. Nicht selten seien dort, so die Aussage der Exposition, schwulenfeindliche Aufkleber, Graffitis oder Plakate zu sehen.

Symbole der Neonazis - 88 und 14

Der achte Buchstabe des Alphabets ist das H. Die 88 wird von Neonazis als Code für den „Hitlergruß“ benutzt. Oftmals tauchen Banner mit dieser Zahl in den Stadien auf. Dazu kommt dann noch die Zahl 14, abgeleitet von den so genannten „famous 14 words“ (legendäre 14 Wörter) des amerikanischen Nazis David Lane. Dabei weißt die Ausstellung nach, dass sich das Erscheinungsbild der Rechtsradikalen während der letzten Jahre stark verändert hat. Viele haben sich wieder Haare wachsen lassen und tauschten Bomberjacken mit Jacken der Marke Thor Steinar, eines Labels, das aus dem Umfeld der Neonaziszene stammt.

Rassismus vor allem in unteren Ligen

Vor allem bei Spielen in den unteren Ligen kommt es vermehrt zu rassistischen Äußerungen und auch Übergriffen. So erzählt die Ausstellung, wie seit dem Aufstieg der ersten Männermannschaft von Roter Stern Leipzig in die Bezirksklasse immer öfter Neonazis der gegnerischen Mannschaften auf den Rängen sind. Ein Spiel musste beispielsweise in Mügeln wegen andauernden rassistischen und neonzistischen Fangesängen abgebrochen werden. Mügeln, ohnehin eine Stadt mit ausgeprägter Nazistruktur, machte schon im August 2007 von sich reden. Besucher des Stadtfestes hatten an einem Abend acht Inder durch die Stadt gehetzt und ausländerfeindliche Parolen gebrüllt. Der Bürgermeister von Mügeln, Gotthard Deuse, dazu: „Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.“

In den Fankurven blüht der Antisemitismus

Großes Augenmerk legt die Ausstellung „Strafraum Sachsen“ auf die Ausbreitung des Antisemitismus'. Gleich zu Anfang erfährt der Besucher von den Ergebnissen einer Umfrage, die schon Fragen aufwerfen. Die Feststellung: „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“ bejahten immerhin 17,8 Prozent der Befragten im Westen und 9,2 Prozent der Befragten im Osten Deutschlands. „Die Juden arbeiten mehr als andere Menschen mit üblen Tricks, um das zu erreichen, was sie wollen“ – hinter diese Aussage stellten sich 13,8 Prozent im Westen und 6,1 Prozent im Osten. Wer nicht in Stadien geht oder sich generell nicht für Fußball interessiert, der dürfte beim Lesen einer Ausstellungstafel zum Antisemitismus Gänsehaut bekommen. Dort heißt es: „Antisemitische Verhaltensweisen und judenfeindliche Gesänge kommen immer wieder in den Stadien vor... Klassisches Beispiel für einen solchen Gesang ist das ‚U-Bahn-Lied‘ (‚Eine U-Bahn bauen wir, von XXX bis nach Auschwitz‘)“.

Begleitveranstaltungen zur Ausstellung

Die Exposition will aber nicht nur die Diskriminierungen im Fußball benennen, sondern zeigt auch Wege auf, wie diesen entgegen gewirkt werden kann. In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Initiativen zusammen gefunden, um präventiv zu wirken und umfangreiche Aufklärungsarbeit zu leisten. Einige Zusammenschlüsse sind auch Mitgestalter der Ausstellung. So beispielsweise das Fanprojekt der AWO, Kreisverband Chemnitz, das Netzwerk für Demokratie und Courage Chemnitz e.V., die Volkshochschule Chemnitz sowie der Arbeitskreis „Strafraum Sachsen“/Chemnitz. Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst Fachtage, Foren, Podiumsdiskussionen, ein Streetsoccerturnier vor dem Kulturkaufhaus DAStietz sowie einen dreistündigen Workshop für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahre.

Quellen: Alle Zahlen, Fakten und Zitate sind der Ausstellung und dem Flyer zur Ausstellung entnommen.

Weitere Informationen hier

Jonny Michel, privat

Jonny Michel - Im vorigen Jahrhundert, 1951, in Chemnitz geboren, hatte ich kurz danach meinen ersten Umzug zu bewältigen - ich zog nach ...

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