Mit der Diagnose „Krebs“ konfrontiert, suchen viele Menschen nach Möglichkeiten, wie sie selber aktiv dazu beitragen können, den Verlauf ihrer Krankheit positiv zu beeinflussen. Eine der ersten Fragen lautet: „Kann ich an meiner Ernährung etwas verbessern?“ Und tatsächlich setzt sich eine grundlegende Erkenntnis im klinischen Alltag durch: Krebspatienten profitieren sichtlich von einer fettreichen, kohlenhydratreduzierten Ernährung. Denn Tumoren betreiben einen besonderen Stoffwechsel mit einem hohen Zuckerverbrauch. Der Körper des Patienten verwertet Kohlenhydrate dagegen schlechter – er entwickelt sogar eine Insulinresistenz. Die gesunden Körperzellen brauchen nun Fett, um sich ausreichend zu ernähren.

Den Zuckerhunger des Krebsgewebes nutzen

Es scheint sinnvoll, eine Ernährung bei Krebs auf den Stoffwechsel des Tumors abzustimmen. Das bedeutet, den auffälligen Zuckerhunger von Krebsgeweben und den gestiegenen Fettbedarf des Patienten zu beachten und deutlich mehr Fett und weniger Kohlenhydrate als bisher in die Ernährung bei einer Krebserkrankung einzubauen. Die konsequenteste Form einer Ernährung mit wenig Kohlenhydraten und viel Fett ist die ketogene Diät.

Fachlich fundiert

Zu diesem Thema ist jüngst das Fachbuch „Krebszellen lieben Zucker – Patienten brauchen Fett“ im Systemed Verlag erschienen. Prof. Ulrike Kämmerer, Dr. Christina Schlatterer und Dr. Gerd Knoll stellen darin das wissenschaftliche Fundament der ketogenen Ernährung bei Krebs und die Umsetzung dieser Ernährungsform in die Praxis dar. Das 265-seitige Werk richtet sich an die breite Öffentlichkeit und vermittelt ein grundlegendes Wissen rund um das Thema Krebs und Ernährung. Es gibt detailliert und umfassend Informationen zur Biologie der Krebserkrankung mit den Besonderheiten des Stoffwechsels von Patienten und Tumoren und warum eine ketogene Diät hier Sinn macht. Auch sinnvolle ergänzende Maßnahmen, wie Sport, werden ausführlich dargestellt.

Wer sich als Betroffener, aber möglicherweise auch als behandelnder Arzt, weiter in die zugrundeliegende Originalliteratur vertiefen möchte, für den enthält dieses Buch ausführliche Verweise auf die zugrundeliegenden wissenschaftlichen Publikationen.

Seriosität wird großgeschrieben

Der Co-Autorin Prof. Ulrike Kämmerer ist es wichtig zu betonen: „Wir können und wollen mit diesem Ratgeber keine Heilsversprechungen abgeben im Sinne von: ‚Wer eine ketogen Diät macht, wird gesund‘. Das wäre unseriös und dem Betroffenen gegenüber unfair. Aber dass eine ketogene Diät aufgrund der hier zusammengetragenen wissenschaftlichen Evidenz und der vielfachen praktischen Erfahrung perfekt geeignet ist, die Genesungsaussichten deutlich zu verbessern, das können wir festhalten.“

Die Biologin an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik weist außerdem darauf hin, dass es sich bei einer ketogenen Ernährung nicht um eine "Krebsdiät" im Sinne einer eigenständigen Therapie handelt, sondern vielmehr um eine unterstützende Maßnahme. Die ketogene Ernährung könne parallel zu konventionellen Therapien wie etwa Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie durchgeführt werden. „Sie nutzt dem Betroffenen auch dann, wenn die klassischen Therapieoptionen nicht in Betracht kommen“, unterstreicht Prof. Kämmerer.

Unter dem Strich leistet der Ratgeber in mustergültiger Weise den Spagat zwischen einer laienverständlichen Sprache und Darstellung einerseits und andererseits einer angemessenen wissenschaftlichen Tiefe und Transparenz.