
- Ratingagenturen: Die Cäsaren der Neuzeit - Gerd Altmann / pixelio.de
Anstehende Berichte von Ratingagenturen lassen der Finanzwelt den Atem stocken. Ein schlichtes AAA lässt Regierungen aufatmen, ein CCC dagegen ist wie ein Schlag in die Magengrube. Die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft geht weiter in die Knie und die jüngste Vergangenheit lehrt, dass selbst Staaten nicht so sicher vor einem Bankrott sind, wie man lange glaubte. Ob Griechenland, Irland oder Portugal - schuldenreiche Länder scheinen wie der Gladiator, der darauf wartet, ob der Daumen Cäsars hoch oder runter zeigt. Doch was bewerten diese Agenturen eigentlich genau? Und warum löst eine profane Buchstabenkomination nationale Aufstände und europaweite Krisensitzungen aus?
Vertrauenswürdig und zahlungsfähig oder nicht?
Die Aufgabe von Ratingagenturen ist es, die so genannte Bonität, also die Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder Staaten zu beurteilen. Anders ausgedrückt: Sie sollen feststellen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Kreditnehmer seiner Bank das geliehene Geld in der festgelegten Zeit wieder zurückzahlt. Ein AAA wird vergeben, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, ein dreifaches C hingegen steht für eine niedrige Wahrscheinlichkeit. Ein D droht Unternehmen und Staaten, die vollkommen zahlungsunfähig sind.
Welche Ratingagenturen gibt es?
Es existiert eine Großzahl von Unternehmen, die sich auf eine solche finanzielle Bewertung spezialisiert haben. Die größsten und einflussreichsten unter ihnen sind allerdings "die drei Großen":
- Standard & Poor's (gegründet 1868)
- Moody's Investors Service (gegründet 1909)
- Fitch Ratings (gegründet 1924)
Alle drei haben ihre Firmensitze in New York.
Macht und Verantwortung
Um den Einfluss, den Ratingagenturen auf den Finanzmarkt haben, zu verstehen, soll ein kleines Gedankenexperiment herangezogen werden.
Hans ist ein junger Unternehmer mit einer guten Geschäftsidee. Leider fehlt im das Kapital zur Umsetzung dieser Idee und er leiht sich Geld bei der Bank. Kurze Zeit später merkt er, dass ihm zum Durchbruch noch eine kleine Investition fehlt und erbittet bei der Bank einen erneuten Kredit. Die Bank ist sich dieses Mal unsicher und beauftragt Mitarbeiter Müller damit, sich Hans' Unternehmen einmal anzusehen und festzustellen, ob dieser des Kredites würdig ist.
Herr Müller prüft den Fall und verneint, woraufhin die Bank den Kredit verweigert, Hans nicht mehr investieren kann, den Durchbruch nicht schafft und pleite geht. Nun kann er noch nicht einmal den ersten Kredit zurückzahlen, weswegen die Bank Herrn Müller im Nachhinein Recht gibt. Hans war tatsächlich zahlungsunfähig.
Allerdings nur, weil Herr Müller es behauptet hat. Hätte er Hans für kreditwürdig gehalten, hätte dieser den Kredit bekommen, investiert und das Unternehmen mit Gewinn geführt. Dann hätte er nicht nur den zweiten, sondern auch den ersten Kredit zurückzahlen können. Sein Schicksal hing also nur an der Bewertung von Herrn Müller.
Eine solche negative Bewertung wird auch "self-fulfilling prophecy" genannt, also eine Vorhersage, die sich nur erfüllt, weil sie geäußert wurde. Diese Funktion haben auch die Bewertungen der Ratingagenturen, nur in viel größerem Maßstab. Einem Staat, der als kreditunwürdig abgestempelt wurde, möchte keine Bank mehr Geld leihen. Dem Staat geht also tatsächlich das Geld aus, jedoch nur wegen dieser Aussage. Die Ratingagenturen haben daher nicht nur in der Finanzwelt, sondern auch auf der politischen Ebene eine enorme Macht, die eine mindestens ebenso große Verantwortung mit sich zieht.
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