„Ach, ist die süüüüß!“ – Das ist normalerweise nicht das, was man über eine Ratte sagt. Ratten sind hässlich, schmutzig, ekelig, machen krank und gelten als Plage. Sie sind alles andere als „niedlich“. Aber Rattenjunge Remy, der kleine tierische Filmheld aus „Ratatouille“ ist süß und niedlich, hat putzige rosa Öhrchen, klitzekleine rosa Füßchen, winzige, geschickte Händchen und sogar das lange rosa Rattenschwänzchen wirkt kein bisschen ekelerregend. Man möchte Remy einfach sofort über das hellgraue flauschige Köpfchen streicheln und ihn knuddeln...
Ratte wird Gourmetkoch
Auch die Story des Films ist eher ungewöhnlich: „Ratte wird Gourmetkoch“ bringt es auf den Punkt. Normalerweise lösen Ratten in der Küche Kreisch-Attacken aus. Dass Rattenteeny Remy anders ist als seine Geschwister, hat auch sein Vater, der Rattenclanchef, längst erkannt. Während Remys Brüder auf der Müllkippe nach verschimmelten Essensresten wühlen und es schon als Gabe betrachten, ihren Würgreflex im Griff zu haben, nutzt Remy seinen außergewöhnlich guten Riecher: Er kann nicht nur sämtliche Nahrungszutaten erschnüffeln, sondern sogar Rattengift riechen. Letzteres bringt ihm einen „Vorriecher“-Job beim Familienclan ein. Einen Job, den Remy eigentlich gar nicht will. Längst hat er erkannt, welche Freude es bereiten kann, mehrere Zutaten miteinander zu vermischen. Fortan verbringt er seine Zeit lieber damit, die Fernseh-Kochshow des Gourmet-Papstes Gusteau im Haus einer alten Dame zu schauen und in ihren Rezeptbüchern zu stöbern. Noch weiß Remy allerdings nichts mit seinem Talent anzufangen, doch dann kommt ihm der Zufall zur Hilfe: Ein Unwetter trennt ihn von seinem Clan und spült ihn durch die Kanalisation geradewegs vor die Tür eines Pariser Edelrestaurants. Mit Bewunderung und Neid beobachtet Remy durch die Dachluke die Sterneköche bei der Arbeit. Doch bei der Küchenspionage wird entdeckt. Zum Glück bringt Küchenjunge Linguini es nicht übers Herz, das putzige kleine Kerlchen – entgegen der Ansage seines Bosses - zu töten. Als Linguini bemerkt, dass Remy ihn versteht und, dass er - im Gegensatz zu ihm selbst - kochen kann, schließen beide einen Pakt: Unter Linguinis Kochmütze darf Remy die Kommandos für die gewagtesten Kreationen am Herd geben...
Atemberaubend animiert
Ratatouille wirkt leicht und locker wie ein warmer Obstkuchen oder so interessant und schmackhaft wie jenes provenzalische Gemüsegericht, das dem Film seinen Namen gab. Doch wie jeder gute Kuchen ist auch ein „Ratatouille“ harte Arbeit: Und wie seine Vorgänger-Filme aus den Pixar-Studios (“Die Unglaublichen“, 2004, „Cars“, 2006), ist „Ratatouille“ bezaubernd intensiv und atemberaubend animiert. Zudem ist „Ratatouille“ witzig und fällt auf durch die detailgetreue Bildbeschreibung der französischen Hauptstadt. Mit großer Sorgfalt sucht Regisseur Brad Bird die Zutaten für sein überaus gelungenes Hauptgericht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Beste Kino-Unterhaltung auf höchstem technischen Niveau. - Ein „Ratatouille“, das Groß und Klein schmeckt. Bei diesem tierisch guten Gemüseklassiker mussten sich die Pinguine aus „Könige der Wellen“ (lief im September im Kino) jedenfalls warm anziehen...
