Raymond Leblanc - Der Verleger von Hergés "Tim und Struppi"

Tim und Struppi - Bernd Teuber
Tim und Struppi - Bernd Teuber
Als Hergé nach dem 2. Weltkrieg mit Berufsverbot belegt wurde, gab Rymond Leblanc dem Zeichner von "Tim und Struppi" eine neue Chance.

Raymond Leblanc wurde 1915 geboren. Er schrieb zwei Romane und tat sich während des 2. Weltkriegs im Kampf gegen die Besatzer hervor. Im Januar 1945, noch bevor die letzten deutschen Soldaten Belgien verließen, gründete der junge Mann mit zwei Partnern die "Editions Yes", einen Verlag mit Sitz in der Brüsseler Rue de Lombard. Als Jugendlicher hatte Leblanc mit Begeisterung Hergés "Tim und Struppi" (Tintin") gelesen. 1945 lernte er den Autor dieser Comicserie persönlich kennen. Hergé war durch seine Mitarbeit an der zuletzt unter deutscher Leitung produzierten Zeitung "Le Soir" gebranntmarkt. Man bezichtigte ihn der Kollaboration mit den Nazis und belegte ihn mit Berufsverbot. Deshalb nahm er nur zu gern das Angebot an, das Leblanc ihm unterbreitete. Der Verleger wollte eine Comiczeitschrift veröffentlichen, die nicht nur Abenteuer von "Tim und Struppi" enhielt, sondern auch den Namen der Serie als Titel tragen sollte: "Tintin".

Sobald der Name "Hergé" fiel, distanzierten sich viele Druckereien von dem Projekt

Mit seinem politisch einwandfreien Ruf, seinem Organisationstalent und seinen Beziehungen gelang es Leblanc, innerhalb kürzester Zeit sämtliche Hürden zu überwinden. Als Geldgeber und Partner im neu zu gründenden Unternehmen (Editions du Lombard) gewann er den Filmproduzenten Georges Lallemand. Die einzige Schwierigkeit bestand lediglich darin, einen Drucker zu finden. Sobald der Name "Hergé" fiel, distanzierten sich die meisten Druckereien von dem Projekt. Und auch der Drucker Van Cortenbergh gab seine Zusage erst, nachdem Leblanc für den Zeichner im Mai1946 das Certificat de Civisme, den Persilschein, erwirkt hatte. Van Cortenburgh besaß eine Tiefdruck-Rotationsanlage, die den Farben im Heft zugutekommen sollte.

Trotz der großen Konkurrenz (Spirou, Bravo) rechnete Leblanc mit der Popularität von "Tim und Struppi". Die Erstauflage für das französische "Tintin" setzte er mit 40.000 Exemplaren an. Weitere 20.000 wurden für eine flämische Version mit dem Namen "Kuifje" gedruckt. Für die damalige Zeit war das eine ganze Menge. Am 26. Septemper 1946, pünktlich zum Schulanfang, kam das Magazin auf den Markt. Bereits drei Tage später war es vergriffen.

In "Tintin" wurde die Geschichte "Der Sonnentempel" fortgesetzt

Der erste Chefredakteur von "Tintin", Jacques Van Melkebeeke, war ein Freund Hergés, der aufgrund seiner Vergangenheit bei "Le Soir" schon im Dezember ersetzt werden musste. Hergé gelang es, Edgar P. Jacobs, Jacques Laudy und Paul Cuvelier als Mitarbeiter zu gewinnen. Zu viert gestalteten sie das wöchentlich erscheinende Heft, das anfangs lediglich aus zwölf Seiten bestand. Von den Farbseiten hatte sich Hergé die Doppelseite in der Mitte reserviert, um dort "Tim und Struppi" mit der Geschichte "Im Sonnentempel" fortzusetzen.

Es zeigte sich, dass Raymond Leblanc ein gutes Gespür hatte, denn "Tintin" erwies sich als voller Erfolg. Schon bald mussten Auflage und Umfang erhöht werden. Auch der Vertrag zwischen dem Verleger und Hergé, der zunächst auf fünf Jahre angelegt war, wurde 1951 erstmals verlängert - 1954 sogar um weitere 30 Jahre. 1948 fand Leblanc mit Georges Dargaud einen Partner in Frankreich, der ihm den Vertrieb des Heftes im ganzen französischen Sprachraum ermöglichte. Noch in den 1970er Jahren zählte "Tintin" zu den wichtigsten europäischen Comiczeitschriften. Erst nach dem Tod Hergés am 3. März 1983 und der allgemeinen Krise der Comicmagazine ging es bergab. 1988 wurde es eingestellt. Der Verlag Lombard existiert allerdings noch heute.

Quelle: www.lelombard.com (offizielle Website des Verlags "Le Lombard")